Niederländer in München  |  | Friedrich Sustris, Mars | |
Von heute an widmet sich die Staatliche Graphische Sammlung in der Neuen Pinakothek den Künsten am bayerischen Hof um 1600. Eine wichtige Rolle spielten dabei Künstler aus den Niederlanden. Herzog Wilhelm V., der von 1579 bis 1597 regierte, initiierte mehrere umfangreiche Projekte. Eine rege Bautätigkeit zog die Beschäftigung namhafter Maler, Bildhauer und Stukkateure nach sich. So wurde die Burg Trausnitz in Landshut nach neuester Florentiner Art ausgeschmückt. Die Freskierung, die heute größtenteils zerstört ist, lag in den Händen Friedrich Sustris. Erhalten blieben aber seine Zeichnungen, die ihm als Vorlagen dienten. Die Ausstellung versammelt nun erstmals alle Studienblätter Sustris’, auch die für die Münchner Residenz, an einem Ort.
Für die Münchner Jesuitenkirche St. Michael, die als Zentrum des gegenreformatorischen Katholizismus’ nördlich der Alpen errichtet und einheitlich gestaltet wurde, waren ebenfalls niederländische Künstler tätig, so der Bildhauer Hubert Gerhard aus Herzogenbusch. Er schuf monumentale Plastiken und Brunnenfiguren in der Nachfolge von Giovanni Bologna. Die Porträtmalerei oblag Hans von Aachen und den Niederländern Engelhard de Pee aus Brüssel und Abraham del Hel aus Antwerpen. Die Kupferstecherfamilie Sadeler aus Antwerpen war über Frankfurt nach München gekommen, wo Jan, Raphael d.Ä. und Ägidius zu bedeutendsten Stechern zählten. Hendrick Goltzius wurde auf seiner Reise nach Italien zweimal von der Familie Sadeler gastlich aufgenommen und widmete Herzog Wilhelm V. im Jahr 1594 seine „Meisterstiche“. Die Kleingemälde, Zeichnungen, Miniaturen und Kunstgewerbegegenstände präsentieren ein Bild der Kunst im ausgehenden 16. Jahrhundert in München von großer Blüte, die schnell welkte, als die zerrütteten Finanzen Herzog Wilhelm V. im Jahr 1597 zum Rücktritt zwangen.
Die Ausstellung „In Europa zu Hause – Niederländer in München um 1600“ läuft vom 12. Oktober bis zum 8. Januar 2006. Geöffnet ist täglich außer dienstags von 10 bis 17 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 6 Euro.
Neue Pinakothek
Barer Straße 29
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