Deutsches Architekturmuseum zeigt Hundertwasser  |  | Friedensreich Hundertwasser, Ronald Mc Donald Haus, Essen 2005 | |
Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt präsentiert bis zum 5. Februar 2006 eine Ausstellung von Bauten Friedensreich Hundertwassers und zahlreichen Gemälden mit Architekturmotiven. Der Großteil der Bevölkerung liebt die märchenhaften Bauten und den Formenreichtum Hundertwassers. Die Architekten und die Architekturfachpresse haben dafür meist nur Verachtung übrig. Für sie ist Hundertwasser ein Dilettant und eine Ausstellung über ihn im DAM eine Zumutung. Diese Dialektik einer breiten Zustimmung zu Hundertwasser und seiner internationalen Popularität einerseits und der totalen Ablehnung andererseits ist es, die das DAM zu der Schau „Friedensreich Hundertwasser. Gebaute Träume und Sehnsüchte“ veranlasst haben.
Hundertwasser selbst liebte die Spirale und die gewundenen Linien und verteufelte die Gerade und den rechten Winkel. Dass ausgerechnet jetzt das DAM, das Oswald Mathias Ungers auf einem quadratischen Grundraster errichtete, eine Ausstellung von Bauten Hundertwassers und zahlreichen Gemälden mit Architekturmotiven zeigt, hätte der im Jahr 2000 verstorbene Wiener vermutlich abgelehnt. Dabei ist das erklärte Ziel des Ausstellungskatalogs, das Vorurteil gegenüber Hundertwasser durch ein breit gefächertes interdisziplinäres Autorenteam nachzufragen. Zu ihm gehören der Architekt Arno Lederer, der Architekturkritiker Gert Kähler, der Biologe und Verhaltensforscher Bernd Lötsch, der Kunsthistoriker Wieland Schmied, der Kunsthistoriker und Philosoph Robert Fleck, der Soziologe Bernhard Schäfers, der Psychologe Micha Hilgers, der Architekt und Kritiker Patrick Zöller. Sie alle bemühen sich um Argumente pro und contra und um eine sachliche Diskussion.
Hundertwassers Bauten beeindrucken wegen des naiven Zugangs, den sie dem Betrachter ermöglichen. Robert Fleck, der Direktor der Deichtorhallen in Hamburg, kommt zu der Charakteristik eines ungemein begabten Querdenkers, der alles andere war als ein „Verharmloser“, wie Architekten ihn beschreiben. Dem Erbauer von biomorphen Häusern, von ornamentalen Fassaden, von bunten Phantasieschlössern sprechen die Autoren des Kataloges die guten Absichten einer sinnlichen Architektur nicht ab. Einig sind sich jedoch alle, dass Hundertwassers Bauten nicht mit den sanften Kurven der Architektur eines Oscar Niemeyers zu vergleichen sind oder den reich dekorierten gebauten Sinfonien eines Antoni Gaudís. Dass Hundertwasser den rechten Winkel ablehnte und die gerade Linie verbrecherisch fand, macht ihn aber noch nicht einzigartig. Auch der japanische Metabolismus ist jeder starren Ordnung abhold und sucht die Symbiose von Natur und Technik, von Ordnung und Chaos.
Die Ausstellung „Friedensreich Hundertwasser. Ein Sonntagsarchitekt - Gebaute Träume und Sehnsüchte“ ist bis zum 5. Februar täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Katalog, erschienen bei "Die Galerie", kostet an der Museumskasse 23 Euro.
Deutsches Architekturmuseum
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