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Möbel und Einrichtungsgegenstände bei Koller

Ägyptomanie



Pendule, Paris, um 1805/10

Pendule, Paris, um 1805/10

Baron Dominique Vivant Denon war eine schillernde Gestalt im gesellschaftlichen und kulturellen Leben Frankreichs in der zweiten Hälfte des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Zunächst noch Kämmerer Ludwigs XV. und dann unter Ludwig XVI. Botschaftssekretär in Sankt Petersburg und Neapel nimmt er nach der Französischen Revolution an der Ägyptischen Expedition Napoleons teil. Fasziniert vom Land am Nil, fertigt er Skizzen und Zeichnungen von ägyptischen Bauwerken und Architekturdetails, die er in „Voyage dans la Basse et la Haute Egypte“ veröffentlicht. Die Publikation wird ein Renner, und Denon verhilft damit der Ägyptenmode in Europa zum Durchbruch. 1802, als er auch zum Direktor des Zentralen Museums der Künste, dem heutigen Louvre, ernannt wird, bereist er zusammen mit Napoleon ein weiteres Mal Ägypten. Hierbei hält er den Hathor-Tempel in Denderah, 65 Kilometer nördlich von Luxor gelegen, in Aquarellen fest. Auch sie lieferten dann französischen Kunsthandwerken zahlreiche Anregungen, beispielsweise zu einer prunkvollen Pendule. Wie bei einer Tempelfront reihen sich sechs Säulen mit den auffälligen, vergoldeten Hathor-Maskaronen breit gelagert nebeneinander. Man muss das Ziffernblatt schon einige Zeit suchen, bis man es über dem Tempeleingang im Architrav, gerahmt von einem Flügelpaar, entdeckt. Die Uhr, von der nur zwei weitere Ausführungen bekannt sind, war wahrscheinlich ein Auftrag Kaiser Napoleons. Stand sie doch ehemals im Château de Meudon, das Napoleon 1807 als „Palais Impérial“ wieder zum Leben erweckte und es dem Zeitgeschmack entsprechend im Stil des Empire ausstatten ließ. Über eine dänische Privatsammlung kommt die Pendule nun im Auktionshaus Koller auf den Markt. Beim Züricher Versteigerer will man für soviel kaiserliche Pracht 70.000 bis 120.000 Franken sehen.



Ebenfalls von der Ägyptenmanie beeinflusst sind die sechs Fauteuils von François Honoré Georges Jacob-Desmalter. Als Armablagen der ausladenden Gondelform verwendete der von vielen Staatsauftragen profitierende Betrieb um 1805 vergoldete Sphingenstützen (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR). Auch aus dem Empire, aber von einem anderen Dekorationsschema lebt die Pendule „Le Remouleur“, die um 1810/20 in Paris nach einem Modell von Jean-André Reiche gefertigt wurde. Als Weiterentwicklung der „scènes pastorales“ waren um 1800 Genredarstellungen beliebt, die mit dem Erstarken des Bürgertums auch Motive aus den unteren Gesellschaftsschichten aufgriffen. Dennoch werden sich wohl kein Messerschleifer, wie dargestellt, oder auch die Musikanten mit Dudelsack und Drehleier eine solche, aus Marmor und vergoldeter Bronze gefertigte Uhr haben leisten können (Taxe 35.000 bis 55.000 SFR).

Und auch der Tafelaufsatz Pierre Philippe Thomires von 1815/25 wird wohl eher in einem wohlhabenden Haushalt Aufstellung gefunden haben. Der bedeutende Pariser Meister der Bronzekunst lässt hier auf einem Säulenpostament drei geflügelte Amoretten um einen Balusterschaft tanzen, der Schwäne mit Blumengirlanden trägt und darüber einen filigran gearbeiteten Korb. Für zwei identische Aufsätze mit der dazugehörigen Platte muss der Käufer 50.000 bis 90.000 Franken veranschlagen. 1796 überschrieb Georges Jacob sein florierendes Unternehmen seinen beiden Söhnen François Honoré Georges Jacob, der seinem Namen in Anlehnung an seine Herkunft Desmalter hinzufügte, und Georges II. Ihre Zusammenarbeit war nur von kurzer Dauer, da Georges II. schon 1803 starb. Dennoch schufen sie in der kurzen Zeit elegante und innovative Möbel. Dazu zählen auch die vier Armlehnstühle aus Mahagoni und Delphinstützen, die mit Perlmutt und Palisander nach antiken Mustern eingelegt sind (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR).

Die „pendules au nègre“ waren im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert bei der vornehmen Gesellschaft beliebt. Spiegelt sich doch darin die von Romanen, etwa Bernardin de Saint Pierres „Paul et Virginie“ oder Daniel Defoes „Robinson Crusoe“, ausgelöste Euphorie für das Exotische. Auch Jean-Simon Deverberie ließ sich um 1806 davon anregen und fertigte seine Pendule „Le Couple enlace“ mit einem sich küssenden Liebespaar. Neben dem Exotischen war es die Ausstrahlung einer natürlichen Erotik, die dem Publikum gefiel, was hier das mit entblößten Brüsten dargestellte Mädchen und der athletische Körperbau des jungen Mannes offenbaren (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR). Die mit 180.000 bis 280.000 Franken teuerste Pendule des Angebots stammt noch aus dem Klassizismus. Jean Coteau griff dazu um 1785 auf die Lyraform zurück, die neben der feingliedrigen Struktur Einblicke in die Werkmechanik bietet, was für den technikbegeisterten Besitzer des ausgehenden 18. Jahrhunderts nicht unbedeutend war. Die eigentliche Uhr sitzt im Bauch der Lyra. Oben auf wird die Minutenanzeige samt Mondphasen von einem Sonnenstrahlenkranz gerahmt. Widderköpfe, hängende Blumengirlanden, Weinranken, Eichenlaub und Lorbeerkranz markieren hier den klassizistischen Geist.

Platz könnte die Pendule auf einem Bureau-Plat finden, das Martin Ohneberg um 1780 recht schlicht gestaltet hat. Neben der Betonung der Kanten durch Bronzezier fällt noch das hell-dunkel kontrastierende Furnierbild aus Rosenholz und Amarant auf (Taxe 75.000 bis 125.000 SFR). Um seinen klassizistischen Salon noch weiter auszustatten, kann der Käufer bei Koller auf ein Ameublement um 1775 von Pierre Bernard zurückgreifen. Für 90.000 bis 120.000 Franken erhält er ein großes Canapé, zwei Bergèren und vier Fauteuils auf kannelierten Füßen, beschnitzt mit Zierfries und Rosetten, grau gefasst und mit einem Blumenstoff bezogen. Die Sitzgelegenheiten ließen sich um einen englischen Tisch aus dieser Zeit gruppieren, über dessen feines, vergoldetes Gestell Robert Adam eine mit einem Wellenmuster und zentralem Portraitmedaillon bemalte Lackplatte gelegt hat (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR).

Jetzt fehlen nur noch einige Kommoden, in die man so manche Kleinigkeiten verstauen kann. René Dubois steuert ein zweischübiges, an den Seiten abgerundetes Exemplar um 1775/85 bei. Das einfache, durch horizontale und vertikale Maserung bestimmte Furnierbild ist überbordend mit Bronzebeschlägen appliziert. Da tummeln sich Löwenköpfe, Girlanden, Mäanderbänder, Zierfriese und Konsolen und lassen die Kommode prächtig auftreten (Taxe 120.000 bis 180.000 SFR). Das Gegenteil ist dann die um 1760/70 gebaute Kommode von Jean-François Oeben. Hier will kein goldener Zierrat das Auge übertölpeln. Lediglich die elegante Gestalt, die Oeben häufiger für die Marquise de Pompadour lieferte, und das ausgesuchte Furnier aus Satinholz überzeugen. Ehemals stand die Kommode im Château de Chanteloup, jetzt will sie mit 40.000 bis 70.000 Franken umworben werden.

Ins Barock, in die Epoche Louis XV., datiert dann eine Kommode, die die Experten bei Koller dem königlichen Ebenisten Jean-Pierre Latz zuschreiben. Dafür sprechen die harmonischen Proportionen und die feine Marketerie mit Schmetterlingen, Vögeln, Blumen und Blättern. Für die Bronzebeschläge hat Latz die Form der Rocaille verwendet, die dann auch auf die Entstehungszeit um 1750/55 hindeutet (Taxe 90.000 bis 140.000 SFR). Für eine adäquate Ausstattung im Stil Louis XV. hält der Katalog dann noch eine große Tapisserie mit Mars und Venus vor. Gewebt wurde die Götterszene samt Putten und Frauen in einer idealisierten Waldlandschaft in der Manufacture de Beauvais in den 1750er Jahren. Die Vorlagen dafür und für die weiteren acht Wandteppiche der Folge „Les Amours des Dieux“ schuf François Boucher (Taxe 45.000 bis 75.000 SFR). Mathieu Criaerd ergänzt das Angebot dieser Epoche um eine kleine Kommode um 1745/50, über deren Rautenmuster frei vergoldete Bronzebeschläge schwingen (Taxe 60.000 bis 90.000 SFR).

Etwas älter sind dann vier Fauteuils, die in Paris um 1730 hergestellt wurden und dem Régence angehören. Von einem zentralen Muschelmotiv in der Mitte des geschnitzten Buchengestells geht eine sanft schwingende Bewegung ins Blattwerk über, das an den Füßen dann auf eine Kartusche stößt und endet (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR). Die Manufacture Leyniers in Brüssel gestaltete um 1720 nach Vorlagen von Jan van Orley und Augustin Coppens Wandteppiche mit Szenen aus dem Leben Don Quichottes. Koller offeriert aus einer deutschen Privatsammlung nun die Szene, in der Don Quichotte eben zum Ritter geschlagen wird (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR).

Aus dem römischen Hochbarock stammen dann zwei Prunkkonsolen um 1730/50, deren „Marmo Africano“-Platten von je drei geflügelten Frauenwesen gestemmt werden (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR). Selten trifft man auf römische Lackkommoden. Koller kann gleich ein Paar um 1760 anbieten, dessen dichter Dekor die Vorliebe für chinesische Motive verarbeitet (Taxe 140.000 bis 240.000 SFR). Wohl nach Hannover verweist eine Schreibkommode mit Aufsatz aus Nussbaum, Nusswurzel, Birke und Obsthölzer, die um 1710 noch die schwere, frühbarocke Gestalt widerspiegelt (Taxe 90.000 bis 140.000 SFR). Und für die heimische Kunsttischlerei steht eine Kommode von Matthäus Funk, die er in Bern um 1745 geschnitzt hat. Auffällig sind hier das Rautenmuster auf den drei Schubladen und das große Bronzemaskaron in der Mitte der Traverse (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR).

Die Auktion beginnt am 8. Dezember um 10 Uhr. Der Katalog ist im Internet unter www.galerikoller.ch abrufbar.

Kontakt:

Koller Auktionen

Hardturmstrasse 102

CH-8031 Zürich

Telefon:+41 (044) 445 63 63

Telefax:+41 (044) 273 19 66

E-Mail: office@kollerauktionen.ch

Startseite: www.kollerauktionen.com



06.12.2005

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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05.12.2005, Kunst, Antiquitäten und Asiatika

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Kunstwerk:

Pendule, Paris, um
 1805/10
Pendule, Paris, um 1805/10










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