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Marktberichte |
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Kunst und Antiquitäten bei Nagel  Begeisterung für die Antike

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 |  | Die Aldobrandinische Hochzeit, Italien, um 1800 | |
„Die Aldobrandinische Hochzeit“ ist der Titel der um 1800 gemalten Gouache, die nach einem 1606 in Rom entdeckten, antiken Wandgemälde entstand und den Namen seines ersten Besitzers, Kardinal Aldobrandini, trägt. Gerahmt von einer Bordüre mit Grotesken und Eulen sowie zwölf Medaillons mit Darstellungen von Göttern und Heroen, zeigt das Bild eine Hochzeitsgesellschaft, wie sie im römischen Reich üblich war. Die Gouache erinnert an die Arbeiten von Michelangelo Maestri, der Anfang des 19. Jahrhunderts in Rom tätig war und häufig Motive der eben wieder ans Tageslicht beförderten antiken Räume in Pompeji und Herculaneum bearbeitete. Solche Bilder, die auch auf Entwürfen von Raffael und dessen Schülern basieren, schätzten vor allem die Nordeuropäer und kauften sie, angeregt durch den „herculanischen Geist“ und die Euphorie für die Antike in Klassizismus, auf ihren „Grand Tours“ ein. Ein Sammler dieser Tage muss für das Eröffnungslos der letzten Auktion bei Nagel in diesem Jahr 6.000 Euro bereithalten.
Grafik
Ein Kupferstich von Franciscus Lomia aus dem Jahr 1612 zeigt den ersten gedruckten Plan des antiken Syrakus und war zur Entstehungszeit ein Sensation, da er eine Rekonstruktion der antiken Stadt mit den Tempeln, Plätzen, Statuen, Palästen , Theatern und Flüssen bot. Die großformatige Karte aus neuen einzelnen Platten gehörte zu Vincenzo Mirabellos Werk „Le Dichiarazioni della Pianta dell’Antiche Siracuse“. Die Nummerierung, die sich auf dem Plan wieder findet, verweist auf einen zweihundert Orte beschreibenden, topografischen Index (Taxe 7.500 EUR). Beim Grafiksegment ist Rembrandt mit vier Radierungen vertreten. Neben dem „Selbstbildnis mit der flachen Kappe“ von 1642 für 4.600 Euro, der ikonografisch ungewöhnlichen „Beschneidung im Stall“ von 1654 für 2.200 Euro und der „Taufe des Kämmerers“ in orientalischer Gegend von 1641 für 4.000 Euro soll „Der Goldwäger“ von 1639 zu einem Schätzpreis von 7.500 Euro versteigert werden. Rembrandt hielt in der dichten Komposition, die von ihrer raffinierten Beleuchtung lebt, den Steuereinnehmer Jan Uytenbogaert fest.
Gemälde Alter Meister
In der Sparte „Alte Meister“ kommt ein Ölgemälde, das Cornelis de Baellieur d.Ä. zugeordnet wird, mit einem Schätzpreis von 6.500 Euro zum Aufruf. Dieses dem Stil Frans Franckens nahestehende Werk zeigt die Anbetung der heiligen drei Könige mit einem großen Gefolge in einer Renaissancearchitektur, dessen aufgerissene Wand den Blick in eine Landschaft freigibt. Fischerboote auf unruhiger See sind das Motiv für ein Jan Porcellis zugeschriebenes, fast monochromes Ölgemälde. Bizarr ragt aus dem Meer ein schmaler, hoher Felsen auf, der nur der Fantasie des Malers entsprungen sein kann (Taxe 10.000 EUR). Aus der römisch-bolognesischen Schule stammt ein Bacchus, der mit seinem Gefolge auf Naxos von der auch schon entblößten Ariadne empfangen wird. Amor hat den Pfeil auf den Gott gerichtet und Nymphen, Satyrn und Putten umgeben die beiden Verliebten (Taxe 8.800 EUR).
Dem Kreis des Alexandre-François Desportes wird das knapp ein auf ein Meter große Jagdstillleben zugeordnet, das einen erlegten Hasen, einen Goldfasan und andere Wildvögel vor einem Steinpodest zeigt. Nagel erhofft sich hier einen Erlös von 10.000 Euro. Von Christian Wilhelm Ernst Dietrich stammen die beiden Tafeln, die jeweils drei tanzende Nymphen in einer Waldlandschaft zeigen. Die Experten bei Nagel sind der Auffassung, dass es sich um Teile einer Wandverkleidung handelt, da sie mit den dekorativen Ensembles in den von Dietrich gestalteten Schlössern und Landsitze in Dresden und Umgebung vergleichbar sind (Taxe 18.000 EUR).
Gemälde Neuerer Meister
Im Jahr 1872 ging Nikolaus Gysis von München nach Athen zurück, um im folgenden Jahr mit seinem Freund und Kollegen Nikephoros Lytras Kleinasien zu bereisen. Dort fand er einen neuen Themenkreis, bei dem Stoffe aus dem griechischen und orientalischen Volksleben in den Vordergrund traten. Das bei Nagel für 5.000 Euro angebotene Ölgemälde „Bildnis eines Orientalen“ entstand vermutlich unter dem Eindruck dieser Reise. Ebenfalls exotisch angehaucht ist das Porträt des Barons Johann Wilhelm von Müller, das Franz Seraph Stirnbrand um 1850 auf die Leinwand bannte. Als Ornithologe und Reiseschriftsteller ließ sich Müller vor einer afrikanischen Landschaft porträtieren, wohin ihn zahlreiche Forschungsreisen brachten. Palmen, Agaven und vor allem die malerisch eingebundenen kleinen Neger zeigen das (Taxe 5.800 EUR).
Von Alexander Koester bietet der Stuttgarter Versteigerer das Ölgemälde „Ruhende Enten“ an. An einem dicht bewachsenen Uferplatz lagern sechs Enten im Halbschatten und warten auf den Tag, an dem sie einen neuen Eigentümer zu einem Preis finden, den Nagel noch nicht verrät. Geht man jedoch, wie bei Koesters Entenmotiven üblich, von 5.000 Euro pro Federvieh aus, so wird Nagel sich wohl mindestens 30.000 Euro für diese Arbeit erhoffen. Ergänzt werden die Gemälde aus dem 19. Jahrhundert durch eine Suite an Arbeiten Friedrich von Kellers. Mehrfach hat sich der schwäbische Realist mit der Grablegung Christi beschäftigt. Die angebotene Version von 1878 steht kompositorisch dem Werk Tizians nahe, das Keller bei seiner Venedigreise 1877 kennen lernte und kopierte (Taxe 7.500 EUR).
Alte Uhren
Die Abteilung „Alte Uhren“ glänzt mit zwei zum Schätzpreis von jeweils 8.000 Euro angebotenen Directoire-Pendulen, die in Paris um 1800 nach einem Entwurf von Jean-Simon Deverberie gefertigt wurden. Deverberie war einer der talentiertesten und best dotierten Bronziers seiner Zeit. Die Entwürfe für die Pendule Amerika und ihr Pendant Afrika stammen aus dem Jahr 1795 und waren der Auftakt einer ganzen Serie wichtiger Uhren, die sich - ausgelöst durch Romane wie Daniel Defoes „Robinson Crusoe“ - das Exotische zum Thema wählen. Ist doch die auf der Uhr sitzende, Amerika symbolisierende schwarze Jägerin auch bei Koller in Zürich mit einem nahezu identischen Gegenstück im Angebot. Die Schweizer wollen trotz nicht vorhandener Palme immerhin 30.000 bis 50.000 Franken sehen. Teuerstes Werk bei Nagel ist jedoch die Vasenuhr aus rötlichem Marmor, bei der ein vergoldeter Bronzeputto mit seinem Pfeil auf die beiden sich drehenden Ziffernringe weist und somit die Uhrzeit angibt (Taxe 10.000 EUR).
Skulpturen und Möbel
Passend zur Weihnachtszeit bietet Nagel in der Sparte „Skulpturen und Plastiken“ eine polychrom bemalte, aus Terracotta hergestellte Weihnachtskrippe an. Die 44 Teile umfassende, im 18. Jahrhundert in Italien entstandene Darstellung des Christfestes soll 9.000 Euro einspielen. Zu einem Schätzpreis von 6.000 Euro wird eine gut ein Meter hohe französische „Thronende Madonna“ aus dem 12. Jahrhundert in noch romanischem Gestus angeboten. Die Abteilung „Möbel und Einrichtungsgegenstände“ wird mit einer venezianischen Rokoko-Kommode mit chinoisem Lackdekor eröffnet. Auf dem roten Grund tummeln sich ausgelassen, viele kleine Chinesen in Parklandschaften (Taxe 6.000 EUR).
Formal durchaus typisch für einen hessischen Wellenschrank aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, wird ein solches Möbelstück durch die außergewöhnliche Wahl von Apfelholz zu einer Rarität, die dann 12.000 Euro kostet. Freunde des Bibliophilen können einen josephinischen Bücherschrank aus Kirschbaum mit schlichter, aber überzeugend ausgeführter Marketerie für 9.500 Euro erwerben, während ein barocker Fassadenschrank vom Ende des 17. Jahrhunderts durch seine starke, architektonische Gliederung auffällt (Taxe 2.500 EUR). Nicht so häufig trifft man im Kunstmarkt auf französische Kerzenleuchter um 1780 die aus Porphyr und Porzellan gefertigt sind. Nagel kann ein Paar anbieten, das über einem Porzellanfuß mit Masken und Blumengirlanden in Goldmalerei zunächst eine Bronzescheibe einfügt, ehe sich der Schaft aus rotem Porphyr erhebt. Die Vasentülle aus Bronze sitzt dann oben auf (Taxe 5.000 EUR).
Porzellan
Die als Spezialauktion angekündigte Versteigerung „Kunsthandwerk und Jugendstil“ beginnt mit der Sparte Porzellan. Zwei Potpourri-Vasen aus Meißen um 1755 sind hier das erste Highlight. Der balusterförmige Vasenkörper mit zwei seitlichen Rocaillengriffen und zwei vollplastischen Amoretten steht auf einem gestuften Rundfuß über einer Bronzemontierung. Eine Gruppe von 28 dieser mit Blumen bemalten Vasen wurde 1752 von Madame de Pompadour gekauft. Wer heutzutage solch Vasenschmuck erwerben will, muss einen Schätzpreis von 20.000 Euro ins Auge fassen. Dieselbe Taxe beansprucht ein Paar klassizistischer Prunkvasen. In Russland um 1820 gefertigt, fallen sie durch ihre schlanke Amphorenform auf. Auf der Wandung ist eine bunte Landschaftsmalerei mit Reiterszenen abgebildet und zwei seitliche, geflügelte Frauenbüsten dienen als Handhaben.
Das Porzellanangebot wird ergänzt um eine frühe klassizistische Ludwigsburger Teedose um 1775/80 mit einem dichten Blumenstrauß und davon seitlich herausragender roter Tulpe (Taxe 2.800 EUR) und um eine seltene Amphorenvase aus Höchst. Auch der Modellmeister Johann Peter Melchior ließ sich um 1775/80 vom Fieber für alles Antike hinreißen und schuf eine Form nach griechischem Vorbild, die dann mit purpurnen und goldenen Längsstreifen staffiert wurde. Darüber hängt schon bald elegisch ein gelbes Tuch, und schauseitig ist ein Biskuit-Medaillon mit einer mythologischen Szene angebracht (Taxe 5.900 EUR).
Silber und Glas
Das Silber wartet unter anderem mit einem prunkvollen Tafelaufsatz der Brüder Frank aus Wien auf. Dieses 1895 aufwendig dekorierte Tischutensil ist mit zwei Muschelschalen und einer reichen Rocaillenverzierung versehen. Als Bekrönung dient ein plastischer Putto mit Füllhorn. Für diese übertriebene Tischeleganz im Stil des Rokoko sollte man 5.000 Euro bereithalten. In der Sparte „Altes Glas“ bietet Nagel neun Hinterglasbilder des 1720er Jahre von Nikolaus Michael Spengler für 10.000 Euro an, die ursprünglich aus der fürstbischöflichen Kapelle Porrentruy im Schweizer Kanton Jura stammen. Sie variieren in einer Auswahl die Eremitenfolge „Trophaeum Vitae Solitariae“ von Marten de Vos aus dem Jahr 1598.
Die Auktion beginnt am 8. und 9. Dezember jeweils um 10 Uhr. Der vollständige Katalog ist im Internet unter www.auction.de einsehbar.
|  | Kontakt: Nagel Auktionen Neckarstraße 189-191 DE-70190 Stuttgart |
 | Telefax:+49 (0711) 649 69 696 | Telefon:+49 (0711) 64 96 90 |  |  | E-Mail: contact@auction.de |
07.12.2005 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ivo Rüdiger Schott |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 13 | Seiten: 1 • 2
 Events (1) • Adressen (1) • Kunstwerke (11) |  | •  | Veranstaltung vom: 08.12.2005, Kunst, Antiquitäten, Möbel
|  | •  | Bei: Nagel Auktionen
|  | •  | Kunstwerk:  Jean-Simon Deverberie, Pendule „L’Amérique, um 1800 |  |  | •  | Kunstwerk:  Jan Porcellis zugeschrieben,
Fischerboote auf unruhiger See |  | •  | Kunstwerk: 
Nikolaus Michael Spengler, Eremitendarstellungen, 1720er Jahre |  | •  | Kunstwerk:  Vase, Höchst, um 1775/80 |  |  | •  | Kunstwerk:  Potpourri-Vasen, Meißen, um 1755 |  | •  | Kunstwerk:  Friedrich von Keller, Grablegung Christi, 1878 |  | •  | Kunstwerk:  Franz Seraph Stirnbrand, Baron Johann Wilhelm von Müller, 1850 |  |  |
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 Rembrandt,
Rembrandt Harmensz.
van Rijn, Der
Goldwäger, 1639 |  | Taxe: 7.500,- EURO Zuschlag: 5.500. uV,- EURO Losnummer: 39 |  |  |  |  |  | 
 Jean-Simon
Deverberie, Pendule
„L’Amérique, um 1800 |  | Taxe: 8.000,- EURO Zuschlag: 30.000,- EURO Losnummer: 852 |  |  |  |  |  | 
 Venetien, Kommode,
18. Jahrhundert |  | Taxe: 6.000,- EURO Zuschlag: 20.000,- EURO Losnummer: 990 |  |  |  |  |  | 
 Potpourri-Vasen,
Meißen, um 1755 |  | Taxe: 20.000,- EURO Losnummer: 308 |  |  |  |  |  | 
 Nikolaus Michael
Spengler,
Eremitendarstellungen,
1720er Jahre |  | Taxe: 10.000,- EURO Zuschlag: 10.000,- EURO Losnummer: 520 |  |  |  |  |  | 
 Jan Porcellis, Jan
Porcellis
zugeschrieben,
Fischerboote auf
unruhiger See |  | Taxe: 10.000,- EURO Losnummer: 82 |  |  |  |  |  | 
 Vase, Höchst, um
1775/80 |  | Taxe: 5.900,- EURO Losnummer: 322 |  |  |  |  |  | 
 Friedrich von
Keller, Grablegung
Christi, 1878 |  | Taxe: 7.500,- EURO Zuschlag: 6.000,- EURO Losnummer: 203 |  |  |  |  |  | 
 Wellenschrank, wohl
Hessen, erste Hälfte
18. Jahrhundert |  | Taxe: 12.000,- EURO Losnummer: 1087 |  |  |  |  |  | 
 Franz Seraph
Stirnbrand, Baron
Johann Wilhelm von
Müller, 1850 |  | Taxe: 5.800,- EURO Zuschlag: 32.000,- EURO Losnummer: 174 |  |  |
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