|
 | 
 |
Marktberichte |
|
|
Europäisches Glas und Sammlung Gombert bei Fischer  Im Netz künstlerischen Glases

|
 |  | Daum Frères, Daum Frères, Vase „Vigne, vierge, mouche et araignée“, Nancy 1903 | |
Einen Tag nach der Versteigerung der Luzerner Sammlung Buchecker kam bei Fischer in Heilbronn „Europäisches Glas und Studioglas“ zum Aufruf. Ein umfangreiches, über 900 Lose umfassendes Angebot, das auch mit tschechischem Designglas aufwartete, konnte mit einer soliden Zuschlagsquote von knapp 57,5 Prozent viele Sammler überzeugen. Bis auf wenige Ausnahmen fanden sich unter den ersten zweihundert angebotenen Gläsern Arbeiten die unter 1.000 Euro einen neuen Kunstliebhaber fanden. Der etwas betuchtere Sammler wurde dann bei den beiden, mit den Losnummern 132 und 133 aufgerufenen Pokalen fündig. Ersterer war ein mit 5.500 Euro angebotener Pokal, den Christian Gottfried Schneider um 1760 gefertigt hatte. Dieses in feinem, teils geblänktem Schnitt ausgeführte Objekt, das ein höfisches Paar in einer Waldlandschaft zeigt, trägt auf der Rückseite ein Wappen von Kaiser Franz I., der nach seiner Heirat mit Maria Theresia 1745 zum Mitregenten der Habsburgerin wurde; hierfür berappte ein Sammler 8.500 Euro. Zweites für 8.000 Euro zugeschlagenes Glas war ein Erotika-Deckelpokal von Elias Rosbach aus der Zeit um 1740 mit einem höfischen Paar in hügeliger, baumbestandener Landschaft (Taxe 4.800 EUR).
Um 1813 ist die 51 Zentimeter hohe Deckelvase entstanden, deren Merkmal die Urnenform und die flächenfüllenden Diamantbuckeln der Kuppa sind. Zugeschlagen wurde das lichtbrechende Gefäß aus Zechlin bei 11.000 Euro (Taxe 12.000 EUR). Ein blaugrüner Becher mit Goldmalerei aus den Buquoyschen Glashütten in Georgenthal oder Silberberg, der nach 1834 im kräftigen geometrischen Hochschliff profiliert wurde, kletterte von 3.800 auf 6.000 Euro. Der von der Rheinischen Glashütten-Actien-Gesellschaft in Köln-Ehrenfeld um 1886 gefertigte „Dogen-Pokal“, der eine freie Nachbildung eines altvenezianischen Glases im Museum der Pforte de Hal in Brüssel darstellt, konnte mit seiner Taxe von 7.700 Euro keinen Sammler überzeugen. Freilich anders die Enghalsvase „Vigne, vierge, mouche et araignée“ der Gebrüder Daum aus Nancy, die mit ihrem geätzten, glänzend irisierenden Dekor Blattwerk des wilden Weins über zwei Spinnennetzen zeigt und die um vier in Hoch- und Tiefgravur zu Insekten modellierten, anpolierten Glasnuppen ergänzt wird; sie erhielt bei 6.500 Euro den Zuschlag (Taxe 5.900 EUR).
Eine seltene Soufflé-Vase aus der Firma Emile Gallé aus der Zeit um 1925, die auf 3.500 Euro geschätzt war, überzeugte mit ihren zum Fühlen schwammigen Zweigen, Früchten und Blattwerk einen Bieter, 5.500 Euro locker zu machen. Zwei weitere Vasen Emile Gallés, die schon um die Jahrhundertwende und daher noch zu Lebzeiten des Glaskünstlers entstanden waren, hatte Fischer dann allerdings für 6.500 und 18.500 Euro angeboten. Die günstigere von beiden überzeugte einen Sammler durch ihre holländische Küstenlandschaft mit Windmühlen, die von einer Unterwasserlandschaft mit Seestern überlagert ist, 7.500 bereit zu halten. Die teuere, mit großen Schwertlilienblüten in Marqueterie-Technik aufgeschmolzene Vase in Braun und Violett entlockte einem Liebhaber immerhin noch 18.000 Euro.
Hellgelb, Orange, Dunkelbraun, Grün marmoriert kommt die Pâte de verre-Schale daher. In ihrem Schalenfond ruht eine plastisch aufliegende Eidechse in Blattwerk. Das Art Nouveau-Objekt – eine Entwurf von Henri Bergé, aus geführt bei Amalric Walter in Nancy – erreichte mit 8.500 Euro die Schätzung von 8.700 nicht ganz. Zielgenau zum Schätzpreis von 7.500 Euro wechselte ein dunkelblauer Vasenpokal, der für die Weltausstellung 1900 in Paris in der böhmischen Firma Lötz Witwe entworfen worden war, den Eigentümer. Von 3.300 auf 5.000 Euro stieg die 1900 in dunkelblauem und moosgrünem Phänomen-Dekor für Lobmeyr in Wien gefertigte Vase, bei der die Vermutung nahe liegt, dass es sich um ein Modell handelt, an dessen Formvorlage Lobmeyr ein Exklusivitätsrecht hatte. Ein von Otto Prutscher um 1906 entworfenes Stängelglas mit schalenförmiger Kuppa und facettiertem Schaft, deren gelber Überfang wieder in geometrischen Feldern abgeschliffen wurde, kletterte von geschätzten 4.500 auf 6.000 Euro, ein Exemplar Koloman Mosers mit exaltiert langem, violettem Schaft von 2.200 Euro auf 5.500 Euro, während eine Gemeinschaftsarbeit von Josef Hoffmann und Koloman Moser, verziert mit Puttenmedaillons, um 1.000 Euro die Erwartungen von 5.500 Euro verfehlte.
Ihren Schätzpreis fast verdreifachen konnte die Vase „Rubin mit Cobalt, Silberiris, Pfaufedern“. Sie war Teil der Kollektion, die die Glashütte Lötz Witwe auf der Art Déco-Ausstellung 1925 im Grand Palais in Paris zeigte. Für das blaugrüne, mit silbernen gekämmten Fäden umsponnene Aventuringlas kamen 6.500 Euro zustande (Taxe 2.200 EUR). Nicht ganz so mondän wie Art Déco-Waren aus Frankreich wirkt die Vase, die auf einen Entwurf der Glasfachschule Haida zurückgeht und die wohl mit ihrem kobaltblauen Überfang, ihrer Gelbbeize und Poliergoldmalerei einen Bieter hinriss, 6.500 Euro zu investieren (Taxe 4.200 EUR). Anders hingegen das Schicksal der aufwendig veredelten, in der Tradition der böhmischen Fachschulgläser stehenden Vase mit Unterwasserdekor, die mit ihren Seepferdchen, Fischen und der dazugehörigen Unterwasserflora niemand überzeugen wollte, den Schätzpreis von 4.800 zu zahlen. Dies gelang ebensowenig einem seltenen Deckelpokal mit Monatsallegorien, der auf einen Entwurf Michael Powolnys für die Wiener Glasmanufaktur Lobmeyr um 1913/14 zurückgeht (Taxe 5.500 EUR).
Um 1925 ist durch die Hand des Graveurs August Bischof für Lobmeyr die farblose, dickwandige Vase entstanden, die in fein ausgeführtem, teils geblänktem Hochschnittdekor Siegfried im Kampf mit dem Drachen zeigt. Ein Freund dieser heroischen Szene, die auf der Rückseite des Glases noch ein Zitat aus der Nibelungen-Handschrift widergibt, griff bei 8.000 Euro zu (Taxe 8.500 EUR). Bei den Gläsern aus Murano empfahl sich die von Ercole Barovier 1956 entworfene Vase „Tessere Ambra“ mit ihrem ockerfarbenen Feldern, die mit 6.000 Euro im Publikum reüssierte (Taxe 3.200 EUR). 10.000 Euro teuerer als der von Fischer angesetzte Wert kam die von Carlo Scarpa entworfene und bei Venini ausgeführte, kugelförmige, grüne Vase von 1936 ans Ziel (Taxe 11.000 EUR). 14.000 Euro spielte die ebenfalls bei Venini Ende der 1920er Jahre hergestellte, von Napoleone Martinuzzi gestaltete gelborange Vase ein (Taxe 9.500 EUR). Der von Pablo Picasso entworfene und bei „Fucina degli Angeli“ gefertigte Stier stieg von taxierten 12.000 auf 15.000 Euro.
Das nahezu komplett aus einer Privatsammlung kommende Konvolut an tschechischem Design-Glas fand nicht ganz den gewünschten Absatz. So musste eine von Oldrich Lípa 1971 gestaltete Vase, die als Unikat angepriesen wurde und deren von Ludwig Moser in Karlsbad stammender Rohling abstrakt mit Schlieren bearbeitet wurde, mit ihren geschätzten 18.000 Euro wieder die Heimfahrt antreten. Dies widerfuhr auch Vladimír Kopeckýs blauschwarze Vase von 1966 (Taxe 18.000 EUR) und dem mit farbiger Bandeinschmelzung in Blau, Grün, Goldrubin und Opakweiß formgeblasenen Kopf René Roubíceks von 1982 (Taxe 18.000 EUR).
Eine in abstraktem Dekor gehaltene Vase Bohumil Elias’ von 1963 spielte hingegen anstatt der erhofften 6.200 Euro dann doch beachtliche 16.000 Euro ein, während das als Spitzenlos an den Start gegangene Relief „Composition“ von Stanislav Libensky zwar die teuerste Position dieses Auktionstages war, aber mit 40.000 Euro nicht ganz den anvisierten Schätzpreis von 43.000 Euro erreichte. Dafür katapultierte sich die 52 Zentimeter große Vase Jan Novotnýs mit weißen, vertikalen Strichen auf dunkelgrünem Grund aus dem Jahr 1967 auf 17.000 Euro (Taxe 7.500 EUR).
Am Abend dieses Auktionstages kam dann noch die Berliner Sammlung Gombert mit ihren 232 Positionen zum Aufruf, die mit 182 verkauften Objekten eine beneidenswerte Zuschlagsquote von78,45 Prozent erreichte. Das Glanzlicht dieser Spezialversteigerung war ein runder Glastisch von Marc Lalique, der nun für 18.000 Euro ein neues Wohnambiente schmückt (Taxe 17.000 EUR). Ebenso auf einen Entwurf Marc Laliques geht der Entwurf des Pferdekopfes zurück, der seinen Schätzpreis auf 5.000 Euro verdoppelt hat (Taxe 2.500 EUR). Begehrt waren auch die Kreationen seines Vaters René Lalique, beispielsweise der Reigen der Götterbegleiterinnen in der Vase „Bacchantes“ bei 5.600 Euro von 1927 (Taxe 4.500 EUR) oder die Vase „Aigrettes“ mit den zu einer Federkrone stilisierten Vogelschwingen und Grashalmen von 1926 bei 4.000 Euro (Taxe 3.300 EUR).
Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Dr. Jürgen Fischer Heilbronner Auktionshaus Elbinger Straße 11 DE-74078 Heilbronn |
 | Telefax:+49 (07131) 15 55 720 | Telefon:+49 (07131) 15 55 70 |  |  | E-Mail: info@auctions-fischer.de |  | Startseite: www.auctions-fischer.de |
27.03.2006 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ivo Rüdiger Schott |  |
 |
|
 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 12 | Seiten: 1 • 2
 Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (10) |  | •  | Bei: Dr. Jürgen Fischer Heilbronner
Auktionshaus |  | •  | Bericht: Tschechisches
Informel |  | •  | Kunstwerk:  Stanislav Libensky, Composition, 1964/65 |  |  | •  | Kunstwerk:  Marc Lalique, Tisch, 1951 |  | •  | Kunstwerk:  Christian Gottfried Schneider, Pokal, Warmbrunn um
1760 |  | •  | Kunstwerk:  Deckelvase, Zechlin, um 1813 |  |  | •  | Kunstwerk:  Daum Frères, Vase „Vigne, vierge, mouche et araignée“, Nancy 1903 |  | •  | Kunstwerk:  Emile Gallé, Vase mit Schwertlilien, Nancy um 1903 |  | •  | Kunstwerk:  René Lalique, Vase „Aigrettes“, 1926 |  |  |
| | 

 |  |  |  |  | 
 Carlo Scarpa, Vase,
1936 |  | Taxe: 11.000,- EURO Zuschlag: 21.000,- EURO Losnummer: 779 |  |  |  |  |  | 
 Otto Prutscher,
Stängelglas, um 1906 |  | Taxe: 4.500,- EURO Zuschlag: 6.000,- EURO Losnummer: 656 |  |  |  |  |  | 
 Christian Gottfried
Schneider, Pokal,
Warmbrunn um 1760 |  | Taxe: 5.500,- EURO Zuschlag: 8.500,- EURO Losnummer: 132 |  |  |  |  |  | 
 Stanislav Libensky,
Composition,
1964/65 |  | Taxe: 43.000,- EURO Zuschlag: 40.000,- EURO Losnummer: 831 |  |  |  |  |  | 
 René Lalique, Vase
„Aigrettes“, 1926 |  | Taxe: 3.300,- EURO Zuschlag: 4.000,- EURO Losnummer: 1 |  |  |  |  |  | 
 Emile Gallé, Vase mit
Schwertlilien,
Nancy um 1903 |  | Taxe: 18.500,- EURO Zuschlag: 18.000,- EURO Losnummer: 458 |  |  |  |  |  | 
 Johann Lötz Witwe,
Vasenpokal, Lötz
Witwe, 1900 |  | Taxe: 7.500,- EURO Zuschlag: 7.500,- EURO Losnummer: 488 |  |  |  |  |  | 
 Deckelvase,
Zechlin, um 1813 |  | Taxe: 12.000,- EURO Zuschlag: 11.000,- EURO Losnummer: 155 |  |  |  |  |  | 
 Marc Lalique, Tisch,
1951 |  | Taxe: 17.000,- EURO Zuschlag: 18.000,- EURO Losnummer: 1 |  |  |
|

 |
 |