 |  | Miklos Gaál, Speed below 40, 2001 | |
„Es ist schon einfach internationaler hier“, spricht Ben Kuckei von der Berliner Galerie Kuckei und Kuckei und verkauft ein großformatiges Foto-Unikat von Lois Renner für 20.000 Euro in die Bundeshauptstadt. So wie ihm geht es vielen Galeristen, die sich auf dem Art Forum über mangelnden Zuspruch aus dem In- und Ausland nicht beschweren können.
Bereits zur Halbzeit sind die Besucherzahlen vierstellig höher als im letzten Jahr, allein zur Vernissage drängten sich knapp 9.000 Menschen in den Hallen und hinterließen an den Wänden rote Punkte. Die herbeigesehnten Amerikaner kamen ebenfalls und kauften fleißig kleinere Arbeiten, etwa bei Bernhard Knaus aus Mannheim, der von den Arbeiten Marie-Jo Lafontaines die neunteilige Serie der „Neon Babies“ in einer 15er-Auflage für 4.800 Euro unter anderem in die Vereinigten Staaten absetzte.
Überhaupt ist Weltläufigkeit ist Trumpf. Thomas Erben zum Beispiel hatte sich über einige Jahre in Paris als Galerist versucht, bis der geschlossene französische Markt ihn nach New York trieb, wo er mit seinen jungen Künstlern ebenso erfolgreich ist wie in anderen Teilen der Welt. So konnte er je eine Arbeit Jenny Scobels für 1.800 bzw. 2.100 Euro nach Deutschland und Australien vermitteln.
Trotz Wirtschaftsflaute und schlechter Stimmung gehen auch hochpreisige Kunstwerke, und zwar nach Deutschland. Gerd Harry Lybkes Galerie Eigen und Art aus Berlin meldet den Abgang des großformatigen „Dämmers“ von Neo Rauch für 75.000 Euro nach Leipzig, den zweiten Standort des Unternehmens. Gleich dreimal 60.000 Euro konnte Contemporary Fine Arts für Werke Daniels Richters verbuchen, „Flash“ nahm mit dem K21 in Düsseldorf sogar ein öffentlich getragenes Museum.
Zufrieden können auch die osteuropäischen Galerien sein, denen dieses Jahr besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Ihr Erfolg zeigt sich nicht zuletzt an der Vergabe des Preises für den besten Einzelstand an die Galerie Foksal aus Warschau. Und Jiri Svestka aus Prag konnte an seinem Stand eine Stiftung, eine Bank und private Sammler als Kunden begrüßen. Der erstmals vergebene Christian Karl Schmidt Förderpreis für zeitgenössische Kunst ging allerdings an einen Deutschen: Michael Sailstorfer, der von der Berliner Galerie Markus Richter vertreten wird, erhielt die Ehrung für seinen künstlerischen Ansatz, der jenseits der eingefahrenen Gattungen und Techniken eigenwillige Ausdrucksformen erprobt“.
Weltweit einmalig dürfte wohl das Projekt der University of Art and Design aus Helsinki sein. Unter dem Namen Taik präsentiert der Director Technical Studies Timothy Persons auf den wichhtigsten Messen Arbeiten seiner Abgänger, um ihnen den Weg vom Hohen Norden in die Welt zu ebnen. Der Erfolg gibt ihm dabei recht: Zahlreiche seiner Schützlinge konnten so an Galerien vermittelt werden, und Museum nehmen sie in ihre Ausstellungen auf. Auf der anderen Seite kann sich die Hochschule ihre Studenten aussuchen. Fünf Prozent von 2.800 Bewerbern werden jährlich aufgenommen, immerhin ein Sechstel der Studenten wagt sich aus dem Rest der Welt nach Finnland. Bisher hat Persons zusammen mit den Künstlern bereits 24 Arbeiten verkauft. Das ist nach seiner Meinung nicht nur Ergebnis seines Konzeptes, sondern auch durch die Messe bedingt, die besser denn je sei.
Diesem Eindruck schließt sich unter anderem Ruth Oberhand an, die die kürzlich eröffnete Hauptstadt-Dependance der Galerie Sander leitet. Die Internationalität und Qualität des Angebots habe ebenso gewaltige Fortschritte gemacht wie die des Publikums. Fast alle Teilnehmer scheinen sich einig zu sein, dass das Art Forum in diesem Jahr zur Hochform aufgelaufen ist. Vor allem die unerwartet guten Umsätze dürften daran den größten Anteil haben. Ob die Besucher derselben Meinung sind, wird sich zeigen, wenn sich am Montag Abend um 18 Uhr die Messetore zum letzten Mal schließen.
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