Losnummer: 79
Provenienz: Berliner Privatbesitz, 1961 direkt beim Künstler erworben. - Ausstellungen: Große Berliner Kunstausstellung 1919 (lt. rückseitigem Aufkleber, vermutlich in der Abt. der Novembergruppe, daher nicht im Katalog); Gedächtnisausstellung Moriz Melzer, Berlin 1977 (Kat. Nr. 30). Es liegt ein Leihgesuch der Ostdeutschen Galerie Regensburg vor für die Ausstellung: "Moriz Melzer: Wegbereiter der Moderne" (Regensburg, Winter 2007/08). - Melzer, dessen Werke aus der Zeit vor dem Nationalsozialismus sich heute in namhaften Sammlungen und Museen befinden, gehört zu den wichtigen Berliner Malern in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Das angebotene, großformatige Gemälde entstand mit hoher Wahrscheinlichkeit 1918. In jenem Jahr gründete der Maler gemeinsam mit Max Pechstein, Georg Tappert, Otto Freundlich, Rudolf Belling, Erich Mendelsohn und weiteren Künstlern und Architekten die berühmte Berliner Künstlervereinigung "Novembergruppe". Die Vereinigung wuchs schnell und versammelte in ihren Reihen progressive Künstler mit teilweise sehr verschiedenen künstlerischen und weltanschaulichen Positionen. Daher befand sich der etwa vierzigjährige Melzer zur Entstehungszeit des Bildes inmitten eines Schmelztiegels der wichtigsten aktuellen Kunstrichtungen und politischen Ideen. Innerhalb des eigenen künstlerischen Werdegangs stand Melzer auf dem Höhepunkt seines Schaffens. In unmittelbarer Auseinandersetzung mit internationalen Kunstrichtungen in den Jahren vor und während seines Parisaufenthaltes 1912 hatte Melzer eine eigene künstlerische Sprache entwickelt, die besonders von den Erfahrungen des Expressionismus und des Futurismus geprägt war. Eine anfänglich dem Fauvismus, dann einer spröden expressionistischen Figürlichkeit angenäherte Malweise war Ende der 1910er Jahre einer komplex strukturierten Bildarchitektur mit starkem Symbolgehalt gewichen, wobei Farbe und Licht eine zentrale Rolle zukamen. "Im Glanz der Sonne" ist in seiner eindringlichen Farbigkeit und kristallinen Struktur sowie in der mehrdeutig artikulierten Figürlichkeit ein wichtiges Werk aus Melzers reifer Schaffensphase und nimmt somit auch innerhalb seines Gesamtschaffens einen bedeutenden Rang ein.
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