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Thomas Henke - Liquid Identities TV

Thomas Henke - Liquid Identities TV

Thomas Henke - Liquid Identities TV

Liquid Identities TV zeigt - mit wechselndem Programm - Zusammenstellungen aus “Sarahs Company“, “Liquid Home“ und “Broken Evidence“ (aus der Filmporträt-Reihe “Liquid Identities“ 2003 - 2008)
...Liquid Home, Sarahs Company und Broken Evidence (aus der Reihe Liquid Identities) sind Langzeitprojekte Thomas Henkes, die das Format des Videoporträts formalästhetisch untersuchen, durch die Auseinandersetzung mit Jugendlichen aber auch soziale und integrative Ansprüche verfolgen. Die von 2003 bis 2008 entstandenen Videos zeigen Jugendliche, die ihr näheres Umfeld gefilmt haben. Die Filme sind ein Beleg für ihr Freizeitverhalten und ihre dringlichsten Anliegen: das Ausloten der eigenen Stärken und Schwächen, der Hierarchiestrukturen im eigenen Freundeskreis wie in Familie und Schule, die Demonstration der eigenen Körperlichkeit und Befindlichkeit. Die Jugendlichen kommen aus unterschiedlichen Milieus, sind sogenannte „Problemjugendliche“ oder Teenager aus behüteten Verhältnissen, sie agieren einzeln oder in Gruppen. Die Orte, an denen die Videoporträts realisiert worden sind, beschränken sich entweder auf das persönliche Umfeld wie das eigene Zimmer, die Wohnsiedlung oder den halböffentlichen Raum der Schule. Erst die ausgiebige Visionierung des heterogenen Materials lässt auf die komplexe Dimension dieses Projekts schliessen. Es stellt sich umgehend der Wunsch ein, die Videos einer soziokulturellen Beurteilung unterziehen zu wollen; rasch vermeinen wir, das zu sehen, was man zu sehen glaubt: Nebst den Teenagern von nebenan in erster Linie Problemjugendliche mit sogenanntem „Migrationshintergrund“, die „null Bock“ auf Schule und Arbeit, umso mehr auf Alkohol und Sex haben. Diese inhaltlich ausgerichtete Lesart erscheint mir jedoch zu oberflächlich und deswegen zu kurz gegriffen...

...Henkes filmische Arbeit erscheint zunächst dokumentarisch, bei genauerem Hinsehen unterläuft jedoch auch hier das Konzept der Arbeit den schillernden Begriff des Dokumentarismus, der seit den 1990er Jahren heftig diskutiert wird...

...Henke überlässt den Jugendlichen eine Videokamera, die diese im Rahmen eines „Projektes“, wie sie es selbst benennen, reichlich nutzen. Sie filmen sich und ihre Freunde. In der Phase der Postproduktion ist es das Anliegen des Künstlers, das umfangreiche Videomaterial auf eine portable Länge zu kürzen, ohne jedoch inhaltliche wie formale Bewertungen durch den Schnitt setzen zu wollen. In diesem Sinne arbeitet der Künstler nach der dokumentarischen Prämisse, den Film möglichst ungestaltet, „authentisch“, d.h. „wahrheitsgetreu“ zu belassen, um als Autor weder Produktion noch Rezeption entscheidend zu beeinflussen. Mit dem Entscheid, die Kamera aus der Hand zu geben, wird ein wesentlicher Paradigmenwechsel eingeführt, da sich bisher jegliche Dokumentarfilmtheorie auf der Annahme begründet hat, dass sich Kamera und Objekt unterscheiden und dass diese Differenzierung explizit durch Momente der Selbstreferentialität im Film aufgenommen wird...

Susanne Neubauer


...Diese Filme zu sehen ist eine Ankoppelung an die Geschwindigkeit und Intensität jugendlichen Erlebens des Selbsts im Mit- und Gegeneinander. Sich als Betrachter der geballten Ladung an ungefiltertem Sendungs- und Durchsetzungsvermögen der Jugendlichen zu stellen, bedeutet eine extreme Herausforderung des eigenen Empfindens. Man fühlt sich dem Gegenüber ausgeliefert und ist permanent dazu aufgefordert, eine eigene Haltung pro oder contra das, was da gesagt und getan wird, einzunehmen, eigene Standpunkte zu beziehen und die eigene Empfindung für die porträtierte Person neu zu hinterfragen. Es fällt schwer, die Distanz zum Gegenüber zu bewahren, erscheint jedoch in Anbetracht der in vielen Fällen unberechenbaren Veränderlichkeit bis hin zur Gefährlichkeit der sich zeigenden Personen mehr oder weniger notwendig...

...Sympathie, Ablehnung oder Widerstand. Die Porträtkunst von Thomas Henke setzt heftige, nachhaltige Reaktionen frei. Die Filme atmen das Selbst der Persönlichkeiten, die sie aufgezeichnet haben. Sie fordern Respekt vor den Potentialen und der Vitalität Jugendlicher, deren unbändige kreative Energie hier eingefasst wurde...

Andrea Edel


Weitere Informationen / more information:

www.innervoice-medien.de

Katalog: Thomas Henke - Liquid Identities (Volume I – III), Kerber Verlag, Edition Young Art

Dauer: 9. Dezember 2008 - 2. Januar 2009

www.innervoice-medien.de

Quelle: © Galerie Anita Beckers - Frankfurt

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