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Ribera, Jusepe de und Werkstatt 

Ribera, Jusepe de und Werkstatt "Beweinung Christi", 1643

Jusepe de Ribera und Werkstatt
(Játiva 1588–1652 Neapel)
Beweinung Christi („Compianto su Cristo desposto“)
Öl auf Leinwand, doubliert, 198 × 267 cm
Signiert und datiert unten rechts Jusepe de Ribera espanol / f. 1643
Rückseitig Etikett mit handschriftlicher Inventarnummer: No 66

Losnummer: 35


Provenienz: Österreichische Privatsammlung
Expertise Prof. Nicola Spinosa, Neapel, 13. September 2011, liegt bei.

Das dargestellte Sujet wird oft auch als Pietà oder Beweinung Christi bezeichnet und ist in der christlichen Ikonografie weit verbreitet,
weil es vor und nach dem Konzil von Trient und der Gegenreformation mehrfach malerisch und bildhauerisch umgesetzt
wurde. Es ist häufig im neapolitanischen Raum anzutreffen und zählt zu einem der Hauptthemen Jusepe de Riberas.
Eines der frühesten Werke Riberas mit diesem Thema entstand zwischen 1620 und 1622 für den Genueser Adligen Marcantonio
Doria. Es befindet sich heute in den Sammlungen der National Gallery in London. Später entstanden unter anderem eine zwischen
1626 und 1628 geschaffene Kreuzabnahme, heute im Louvre, oder die 1635 datierte Fassung im Thyssen-Bornemisza-
Museum in Madrid. 1637 gestaltete Ribera das Sujet in vertikaler Komposition für die Sakristei der Certosa di San Martino.
Nach 1637 sind jedoch bis heute keine eigenhändigen Werke des Meisters mit dem Thema der Beweinung Christi bekannt. Doch
sowohl alte Quellen als auch zahlreiche alte Fassungen von Werkstattmitarbeitern und nachfolgenden Künstlern nicht identifizierter
Originale belegen, dass Ribera in den 1640er Jahren dieses Sujet noch mehrmals für verschiedene Auftraggeber umsetzte.
Diese Fassungen – die Prof. Spinosa in seinem Werkverzeichnis und seiner Expertise aufzählt – mit dem von links nach rechts
oder umgekehrt orientierten Christus und vier oder fünf ihn beweinenden Personen zeigen, dass Ribera in den 1640er Jahren mit
der Realisierung zweier unterschiedlicher Versionen der Beweinung Christi beschäftigt war: Eine wurde Anfang der 1640er Jahre
angefertigt (mehrere Fassungen tragen das Datum 1644), als der alte Meister aufgrund einer Erkrankung, die ihm die Verwendung
seines rechten Armes erschwerte, oft auf die Unterstützung seiner Werkstattgehilfen zurückgreifen musste, eine zweite entstand
kurz vor seinem Tod. Da es sich bei unserem unveröffentlichten Gemälde um eine bislang nicht bekannte Fassung des
Themas handelt, stellt das Gemälde eine wichtige Ergänzung zu den bisher bekannten Werken Jusepe de Riberas dar.
Das vorliegende Gemälde trägt die eigenhändige Signatur Jusepe de Riberas, sowie die Datierung 1643. Diese Datierung und die
Monumentalität unseres Gemäldes lassen annehmen, dass Ribera das Werk unter Mithilfe von Werkstattarbeitern schuf und
unter seiner Oberleitung vollenden ließ. Aufgrund der Erkrankung des Künstlers ist diese Praxis charakteristisch für seine Werke
der 1640er Jahre. Nur so war es dem reifen Meister möglich den zahlreichen Bestellungen nachzukommen, die ihm von vielen
Seiten übertragen worden waren.
Der Erhaltungszustand des Gemäldes, in verschiedenen späteren Zeiten durchgeführte Übermalungen und eine verschmutzte
Oberfläche, erlauben es momentan nicht eine endgültige Stellungnahme abzugeben, welche Gemäldepartien von Jusepe de
Ribera selbst geschaffen wurden. Nicola Spinosa hebt jedoch in seinem Schreiben hervor, dass die Stellen des Gemäldes, die
kürzlich in seinem Beisein gereinigt wurden, eine Qualität zeigen, die mit der Qualität der sicheren Werke Riberas der frühen
Vierzigerjahre vergleichbar ist. Beispielsweise mit denen einiger Propheten auf den Lünetten der Seitenkapellen der Kirche der
Kartause von San Martino in Neapel. Partielle Reinigungsarbeiten wurden auf den Gesichtern des Joseph von Arimathia und der
Magdalena sowie auf dem Mantel der Madonna und am Inkarnat Christi durchgeführt. In der Erwartung, dass das Gemälde
durch eine sensible Entfernung der früheren Restaurierungseingriffe (teilweise) in seinen Originalzustand versetzt werden könnte,
„ist derzeit die einzige mögliche Schlussfolgerung, dass es sich hier um ein von Ribera und Mitarbeitern geschaffenes Werk
handelt. Bei diesem Werk handelt es sich, anders als bei anderen verlorengegangenen Prototypen, um eines, von dem wir keine
Repliken oder Kopien weder aus dem 17. noch aus dem 18. Jahrhundert kennen.“ (Übersetzte Expertise Prof. Nicola Spinosa)
Der Körper Christi ist auf vorliegendem Gemälde von rechts nach links angeordnet. Ausgenommen der Versionen in der
Königlichen Akademie von San Fernando und der Stiftskirche von Apiro, zeigen die anderen bekannten Fassungen den Körper
von Christus von links nach rechts orientiert. Des Weiteren ist unser Gemälde der bis heute einzig bekannte Fall, indem die
Madonna links stehend dargestellt ist. Joseph von Arimathia trägt einen Turban auf dem Kopf, dessen Gestaltung ebenfalls von
den obengenannten Versionen abweicht. Johannes ist in der Mitte, mit den Händen auf der Brust und dem Blick auf das Gesicht
von Christus gerichtet, dargestellt. Auch Maria Magdalena, rechts zu Füßen Christi und mit der linken Hand auf der Brust, ist in
einer Position dargestellt, die in keinem anderen Werk Riberas mit gleichem Thema zu finden ist.

Wir danken Herrn Prof. Nicola Spinosa für die Untersuchung des vorliegenden
Gemäldes im Original und seine Hilfe bei der Katalogisierung.


Veranstaltungshinweise:

Am 13.11.2012 bis 15.11.2012 93. Kunstauktion - Auktionstage

Maße: 198 x 267 cm

signiert datiert


Schätzpreis: 50.000 - 100.000  EURO

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