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Paar Prunk-Konsolen mit Malachit- und Mikromosaikplatten,

Paar Prunk-Konsolen mit Malachit- und Mikromosaikplatten,

Empire, eine Mikromosaikplatte monogr. AD für A. DE ANGELIS (Antonio de Angelis, Rom/Mailand ca. 1810-1825, der Unterbau Russland um 1810/20.
Helles Mahagoni gefriest, die Platten ausserordentlich fein eingelegt mit Mikromosaikszenen; die eine Platte mit Ruinenlandschaft und 2 Frauen in bäuerlicher Kleidung, die andere mit 3 Wasservögeln in Flusslandschaft, beide umrahmt mit Malachit und anderen Steinen sowie ausserordentlich feiner Bordüre mit Anthemiondekor bzw. Lorbeer- und mit Eichenkränzen mit Musikinstrumenten. Rechteckige, leicht vorstehende und in profiliertem Bronzestab gefasste Platte auf gerader Zarge mit Karyatidenstützen mit feinen Merkurbüsten und eingezogenem Rechtecksockel. Ausserordentlich feine, matt- und glanzvergoldete Bronzebeschläge und -applikationen in Form von Bacchanalszenen, Caduceus, Palmetten und Blätterfries sowie mit Bezeichnung EVOHE. Schutzglasplatten etwas bestossen. 90x106x62 cm.

Losnummer: 1241


Provenienz:

- Auktion Sotheby's Parke Bernet Monte Carlo, 24.6.1976 (Katalognr. 185).

- Aus englischem Besitz.



Giacomo Raffaelli (1753-1836) lieferte aller Wahrscheinlichkeit nach im späten 18. Jahrundert diverse "smalti" der vatikanischen Mosaikateliers an diverse Adelshäuser Europas und gilt heute als wesentlichster und innovativster Verteter der Mikromosaikarbeiten. Im Jahre 1775 wurde diese Technik erstmals bei einer Schnupftabakdose des Dresdner Juwelier Johann Christian Neuber verwendet. G. Raffaellis Originalität und Fertigkeit erfreute sich enormer Beliebtheit, und er erhielt die Schirmherrschaft von Papst Pius VI., der 1804 eine Uhr von Raffaelli Kaiser Napoleon schenkte. Auch der König von Polen, Stanislaw Augustus, gehörte zu seinen illustren Auftraggebern. 1804 zog G. Raffaelli nach Mailand, um die Leitung der Mikromosaikwerkstatt - die Napoleon im Vorjahr unter der Führung von Eugène Beauharnais hatte - zu übernehmen. Er wurde von Giuseppe De Angelis begleitet, der Bruder von Antonio, dessen Arbeiten durch die Initialen A. D. identifiziert werden können. Diese Signatur findet man auf der Tafel des Wasservogels der hier angebotenen Platte.


Antonio und Giuseppe De Angelis stammen wahrscheinlich aus der gleichen Familie wie Domenico de Angelis, welcher von 1795 bis 1803 Direktor der Vatikanischen Mosaikwerkstatt war. Er wurde bekannt mit einem Mosaiktisch, genannt "Achilles Verse", den er im Auftrag von Napoleon fertigte und später von Papst Leo XII. an König Charles X. geschenkt wurde. Antonio De Angelis galt als einer der besten Mosaikkünstler seiner Epoche. Neben der Produktion von eigenen Entwürfen stellte Raffaelli und sein Umkreis auch Arbeiten für andere Künstler her. Das Motiv des Wasservogels stammt wahrscheinlich von Drucken oder Malereien, welche von Wenceslaus Peter (gest. 1829) vertrieben wurden. Peter lebte und arbeitete in Rom und war bekannt für seine Tierbilder, insbesondere Vogelmotive. Er bemalte die Eingangshalle der Villa Borghese des Prinzen Marcantonio Borghese mit einer Serie von 162 Tier- und Vogelmotiven und produzierte eine Reihe von Gemälden mit Vögeln, darunter "Der Hühnerstall" und "Der Truthahn".


Die Landschaftsmosaiken können aufgrund stilistischer Merkmale Antonio de Angelis zugeschrieben werden. Ein fast identisches Motiv findet sich auf einer Schnupftabakdose (monogrammiert A.D.; Rom circa 1800-1820), die bei Christie's London am 7.6.2011 (Katalognr. 226) verkauft wurde. Ein weiteres, ähnliches Mikromosaik findet sich auf einer Schildpattdose, auf deren Rückseite "Antoino Deangelis fecit in /Roma 1806" eingraviert ist, und die bei Christie's New York am 25.10.2005 (Katalognr. 372) verkauft wurde.


Die Vorlagen für die Landschaftsdarstellungen stammen aller Wahrscheinlichkeit nach vom deutschen Maler Jacob Philippe Hackert (gest. 1807), der im 18. Jahrhundert überwiegend in Italien arbeitete und den Ruf als bester Landschaftskünstler erlangte. Landschaften wie die "Veduta del Golfo di Pozzuoli dalla Solfatara" (1803) und die "Veduta di Caserta con figura di religioso" (1782) beinhalten unverwechselbare Baumformen und stachelige Sukkulenten, wie sie im hier angebotenen Mikromosaik anzutreffen sind.


G. Raffaelli fertigte vier Mosaikbilder für Baron Demidoff, die als Platten in Tische integriert wurden und mit Malachit versehen waren, wie sie beim angebotenen Konsolenpaar anzutreffen sind. Zwei ähnliche, rechteckige Malachitplatten mit roter Marmoreinrahmung sind bekannt. Eine befindet sich in der Wallace Colletion in London und ist abgebildet in: P. Hughes, The Wallace Collection, II, London 1996, S. 288-290 (Inventarnr. F513). Diese wurde für die 4. Marquess of Hertford bei einem Gutsverkauf am 22. August 1848 erstanden. Das Mikromosaik stellt eine Jagdszene nach Wenceslaus Peter dar. Die andere Tischplatte hat keine Umrandung, jedoch eine Abbildung von einem Löwen und Hund nach Peter, und wurde bei Sotheby's London am 9.12.1994 (Katalognr. 351) verkauft. Ein runder Tisch, furniert mit Malachit und eingelegt mit Mikromosaiken mit Darstellung der Capricci von Rom, ist abgebildet in: Westeuropäische Mosaike des 13. bis 19. Jahrhunderts in der Sammlung der Hermitage, St. Petersburg 1938; Nr 74.



Die Formgebung der Tische erscheint im Gegensatz zu der spektakulären Mosaikplatten sehr nüchtern und lässt auf den Einfluss der wichtigsten Entwerfer und Architekten des Empire schliessen: C. Percier und P.F.L. Fontaine schliessen. Die besondere Ausarbeitung wiederum deutet auf eine russische Werkstatt hin. Die exquisiten Friesbronzen und -beschläge zeigen humorvolle Szenen von Putten, die sich von der Pariser Kunst des frühen 19. Jahrhunderts unterscheiden. Zwei der Bronzen zeigen einerseits eine Nymphe, einen Jugendlichen und einen Satyr in einer spielerischen Umarmung und andererseits einen Putto, welcher versucht, eine Ziege von den Weinreben über einem Altar zurückzuhalten. Die identischen Darstellungen finden sich auf einer hochbedeutenden Malachitpendule, die heute Teil der Sammlungen desTretyakow-Museum in Moskau ist und abgebildet in: S.B. Semyonov, Malachite, Sverdlovsk 1987; S. 193, (Abb. 58-61) ist. Der zentrale Bronzebeschlag zeigt den betrunkenen Silenus auf einem Esel, inspiriert durch eine Sèvres-Vasenmontierung, welche König Louis XVI 1780 an Grossherzog Paul schenkte und heute Teil der Sammlungen des Pawlowsker Palastes in St. Petersburg ist. Ähnliche Friesmotive finden sich auf einem Malachit-Gueridon von 1809, der abgebildet ist in: Ebd., S. 180, (Abb. 42).



Eine Zuschreibung der hier angebotenen Tische ist nicht einfach. In Frage kommt Heinrich Gambs (1765-1831), welcher eine Werkstätte in St. Petersburg gründete, die bis ins 19. Jahrhundert Möbel für den Zarenhof fertigte. 1800 lieferte der Bronzier Friederich Bergenfeldt (1768-1822) an Gambs diverse Bronzebeschläge in Form von Köpfen, Karyatiden, Medaillen und Plaketten mit figuralen Motiven. Siehe hierzu I. Sychev, Russische Bronzen, Moskau 2003; S. 99 und 224.



Die frühe Geschichte dieser Tische ist nur begrenzt dokumentiert, aber einige aristokratische Familien kommen als mögliche Auftraggeber und Käufer in Frage, welche die Platten in Italien erwarben. Ein möglicher Kandidat ist Nicolas Demidoff (gest.1828), Erbe des Dimidoff Vermögens und Besitzer von Minen im Ural, welche Malachite abbauten. Nach der Niederlage Napoleons zog Demidoff von Tula im Ural nach Paris und nach dem Tode seiner Frau Elizabeth Stroganoff im Jahre 1818 weiter nach Rom. 1822 liess er sich schliesslich in Florenz nieder. Demidoff wurde vom Herzog zum Graf von San Donato ernannt und liess eine herrschaftliche Villa in San Donato errichten, wo er mit seinen Malachitobjekten grossen Einfluss auf das italienische und französische Kunsthandwerk ausübte. Eine weitere Quelle könnte der Vetter seiner Frau, Graf Alexander Stroganoff sein, der eine spektakuläre Kunstsammlung besass, die von der sowjetischen Regierung im Jahre 1930 privatisiert wurde. Am 12./13. Mai 1931 wurde die hochbedeutende Kunstsammlung von Stroganoff durch Rudolph Lepke in Berlin versteigert. Darunter auch Konsolentische mit Lapislazuli furnierter Oberfläche und Emailumrandung sowie mit ähnlichen Friesmontierungen.


Veranstaltungshinweise:

Am 14.09.2015 bis 19.09.2015 Auktionswoche A174: Teppiche, Silber, Schmuck, Möbel, Alte Graphik, Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts, Bücher, Photographie


Schätzpreis: 450.000 - 650.000  SFR

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