"Café" (Sitzende im Café)
Öl auf Leinwand. 1920er Jahre.
100 x 68 cm.
Oben rechts mit Kreide in Braun signiert "Tappert", verso mit Kreide in Schwarz nochmals signiert "G. Tappert", betitelt und mit den Maßangaben sowie mit Klebeetikett des Künstlers auf dem Keilrahmen, dort (in anderem Zusammenhang) bezeichnet "Mlle Zaida 40 Rue de Montmorency Paris 3 Carres".
Wietek 288. |
Losnummer: 8339
Immer wieder sucht sich Tappert Frauen zum Malen. Markante und schöne. Junge und alte. In den Berliner Cafés und Nachtbars, in den Tanzlokalen und Varietés, am Theater und im Zirkus. Hier ist es eine reifere Dame, die seitwärts gewandt alleine an einem Cafétisch sitzt. Sorgfältig hat sie ihre Lippen geschminkt, die glitzernden Ohrhänger angelegt und einen passenden Hut über die rotgefärbten Haare gestülpt. Aber ihr blassblauer Mantel spannt um das üppig gewölbte Gesäß, und zwischen Mantelsaum, Tischtuch und den schwarzen Stiefeln blitzen wie zwei kompakte Säulen etwas unelegant Knie und Schenkel hervor. Dunkle Schatten unter den Augen und ein resignierter Zug um die Mundwinkel sprechen Bände vom tapferen Kampf gegen den Verfall und spiegeln das tiefe Mitgefühl des Künstlers. Es war der Prototyp einer Frauenfigur, den Tappert mit dem Überzeichnen seiner "Sitzenden im Café" darstellt. Sie verkörpert uns das Vergehen der Zeit, das Verschwinden von Schönem und zugleich das Bemühen, angesichts des Verfalls Haltung zu bewahren. "Gerade in diesen nicht im Auftrag, sondern aus innerem Drang gemalten Porträts erschließt Tappert künstlerisches Neuland, gelingt ihm die Bannung von Prototypen einer Epoche, die im Berlin der späten zwanziger Jahre ihren Kulminationspunkt erlebte." (Wietek S. 66). Tapperts lebendiger, spontaner Duktus spiegelt die Impulsivität, mit der sich der Künstler seinem Motiv nähert und mit der er schonungslos das Unförmigwerden des welkenden Menschen schildert. Zugleich verleiht die Zartheit und äußerste Sensibilität des beinahe lasierenden Farbauftrages mit seinen differenzierten, nuancenreichen Zwischentönen der Frauenfigur trotz ihrer voluminösen Körperlichkeit etwas Durchscheinendes, Verletzliches.
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