Die Kunst, online zu lesen.

Home


CMS Zugang

Hermann Hesse, Konvolut Briefe und Postkarten, 1941-1955

Hermann Hesse, Konvolut Briefe und Postkarten, 1941-1955

Hesse, Hermann, Dichter, Nobelpreisträger (1877-1962). Konvolut von 21 masch. Briefen und sign. Typoskripten, 4 masch. Postkarten, 1 eigh. Brief und 2 eigh. Postkarten m. U. "Hermann Hesse", "H. Hesse" oder "H. H.". Mit 8 signierten, teils integrierten Gedicht-Typoskripten. Zus. ca. 29 S. Mit 16 eigh. und 4 masch. Umschlägen. Meist gr. 8vo. (Montagnola) 1941-1955.

Losnummer: 2379


An die ihm befreundete Emilie Weisschedel in Baden-Baden. Freundschaftliche Briefe mit familiären Mitteilungen und den beim späten Hesse vorherrschenden Klagen über Krankheiten und Überlastung, aber auch mit bitteren Urteilen zur aktuellen politischen Entwicklung. Nach tröstenden Worten zum Tod ihres Mannes bemerkt Hesse am 31.Januar 1941: "... Wir haben hier auch Sorgen genug, von meinen drei Söhnen sind zwei fast immer beim Militär. Aber vorläufig und im Vergleich mit dem Schicksal Vieler, die mir nahestehen, sind wir noch geborgen ...". Angehängt an diesen Brief ist das signierte Gedicht "Heiland", datiert "Weihnacht 1940". - Auch in den folgenden Kriegsjahren gibt der Dichter immer wieder Auskunft zur eigenen Situation und zu der seiner Familie und Freunde: "... Hier schicke ich Ihnen ein Bild, das mein jüngster Sohn Martin im Sommer 43 aufgenommen hat. Und auf der Zeichnung [als halbseitiger Briefkopf] sehen Sie mich beim Gartenfeuer, gezeichnet von [Gunter] Böhmer, nur bin ich längst nicht mehr so rüstig, die Zeichnung ist schon diverse Jahre alt. - Schlimm ist es meiner ersten Frau Mia [d. i. Maria Bernoulli] ergangen, der Mutter meiner Söhne. Sie lebte seit mehr als 20 Jahren in Ascona, wo sie ein kleines Haus besaß, und dies Haus ist im November völlig abgebrannt, ohne daß das Kleinste gerettet werden konnte. Für den Winter ist sie, sehr mühselig und kümmerlich, beim jüngsten Sohn in Bern untergekommen, dann muß man weiter sehen ... Als Autor bin ich in Deutschland jetzt so gut wie ausradiert; meine alten Bücher, aus deren Erträgnissen ich ja leben sollte, sind seit Jahr und Tag vergriffen; und die neuen muß ich, da man sie in Berlin nicht wünscht, in der Schweiz drucken lassen, was aber wenigstens den Sinn hat, daß einige meiner Bücher weiter existieren und nicht ganz aus der Welt verschwinden. Nun, das gehört zu der großen Zeit, in der wir zu leben das Pech haben; wollte man sie so heilig ernst nehmen wie sie sich selber nimmt, so wäre man schon längst nicht mehr am Leben [12.I.1943] ... Gern gebe ich Ihnen über meine Söhne und Enkel etwas Auskunft. Mein ältester Sohn, Bruno, ist Maler und Rahmenschnitzer (sein Brot verdient er halb und halb mit beiden Berufen) er wohnt im Bernischen, ... ist mit einer dortigen Bauerntochter verheiratet und hat ein Töchterchen Christineli und einen Buben namens Simeli. Mein zweiter Sohn, Heiner, ist Dekorateur und Graphiker, lebt in Zürich und ist zum zweitenmal verheiratet. Aus der ersten, geschiedenen Ehe ist ein sehr schönes Kind namens Bimba da. Von der zweiten Frau hat er ein Söhnchen, noch nicht viel mehr als ein Jahr alt. Der dritte Sohn, Martin, lebt in Bern, ist Junggeselle, und bei ihm ist zur Zeit seine Mutter Mia Gast, seit sie abgebrannt ist ... Er war Architekt, und mit Leidenschaft bei seinem Beruf; aber als er dann in der Krisenzeit zwei und drei Jahre lang ohne Arbeit blieb, sattelte er zum Fotografen um, spezialisierte sich später auf das Aufnehmen von Kunstwerken, Plastiken, alten Teppichen, Möbeln etc., und ist als Spezialist für diese Sachen gefragt ... In Zürich beginnt nächstens der Satz und Druck meines Buches ["Das Glasperlenspiel"]; es gibt lästig viel Arbeit, lauter peinliche Augenarbeit, bei meinem alten Verleger wäre das beinahe ohne mich gegangen, während ich mich jetzt um alles kümmern muß [23.II.1943] ... Die politischen Dinge sehen Sie dort anders als ich, das war schon seit 1914 so, und darum habe ich mich ja auch politisch losgelöst. Am Menschlichen ändert das nichts [geschrieben unter dem signierten Gedicht-Typoskript "Wache Nacht", datiert "Februar 1943"] ... Eine schlechte Nachricht kam letzte Woche: die Päckchen mit Kaffee und Schokolade, die ich vielen meiner Freunde schickte, werden von den deutschen Behörden nicht mehr zugelassen. Das ist sehr schade, ich hatte viele Freunde, die, ohne direkt in Not zu sein, doch Kaffee etc. sehr entbehrten und froh an den Sendungen waren [wohl Mai 1944] ... die 2 nächsten Verwandten meiner Frau, ihre einzige Schwester und ihr Mann, konnten zwar nach unendlichen Aufregungen mit unsrer Hilfe ihr Leben aus Rumänien retten, sonst aber nichts, sie sind nun heimatlos und brotlos und seit 3 Monaten bei uns, und bis heute sind unsere Bemühungen um ihre Zukunft um keinen Schritt weiter als am ersten Tag. Die Schweiz duldet, dass sie auf meine Kosten als Gäste noch eine Weile bleiben dürfen, weiter reicht das Entgegenkommen der Behörden nicht. Da der Schwager Jurist ist und aus Rumänien kommt, wird er schwer ein Land in der Welt finden, das ihn einlässt und ihm erlaubt zu arbeiten [wohl um 1945] ... Ich war wieder einmal 14 Tage Gast in Bremgarten, das in der 'Morgenlandfahrt' eine Rolle spielte, sah dort auch zwei meiner Söhne mit ihren Frauen, u. brachte die 2 Gedichte mit [handschriftlich um 1944/45 unter: "Zwei Gedichte, im August 1944 im Schloß Bremgarten geschrieben: Beim Wiederlesen von 'Heumond' und 'Schön ist die Jugend'. - Im Schloß Bremgarten"]. - Im Oktober 1947 hat Hesse endlich wieder Gelegenheit, sich frei über sein Verhältnis zu Deutschland nach den Gräueln des Nationalsozialismus zu äußern, und er nimmt eine ähnliche Haltung wie Thomas Mann ein: "... Es liegt mir vollkommen fern, in Deutschland für mich zu werben, oder gar den Behörden und Schulen nahezulegen, sie möchten mich in ihre Lesebücher aufnehmen. Vor 25 und 30 Jahren standen in fast jedem Lesebuch, wenigstens für die höhern Schulen, Sachen von mir. Das deutsche Volk hat mich dann ausradiert, und seine teutschen Modedichter an die Stelle gesetzt, und ich werde nie einen Finger rühren um das zu ändern. Man hat mich bespukt [sic] und beschimpft, die Verwandten meiner Frau gefoltert und vergast, mich um mein gesamtes Lebenswerk und um mein Brot gebracht, und nun erwartet man, dass ich freundlich lächelnd sage: 'Kinder, alles ist verziehen', und gar noch darum ersuche, man möge mich im Lesebuch nicht vergessen! Nein, da haben Sie sich mein Verhältnis zu Deutschland doch falsch vorgestellt. - Dass der norddeutsche Thomas Mann Ihnen ferner steht als ich Süddeutscher, ist ja ganz begreiflich. Ich bin sehr mit ihm befreundet und begreife die harten und dummen Urteile über ihn nicht, er hat sich vollkommen richtig und würdig gehalten und verdient Hochachtung dafür, nicht Vorwürfe. Ende Juli war ich in Luzern nach langen Jahren endlich wieder einen Tag mit ihm zusammen, das gehörte zum Besten, was dies Jahr mir gebracht hat ..." [5.X.1947]. Ferner über ein weiteres Treffen mit der Familie Mann, über bürokratische Hürden bei Hilfslieferungen und der Pass-Beschaffung in Deutschland, ein Begleitschreiben zu dem signierten Gedicht-Typoskript "Märzsonne" (datiert "März 1948), eine Abschrift seines Briefes an die "Neue Rundschau" zum 75. Geburtstag Thomas Manns und vieles andere. - Diverse Beilagen, darunter 1 weiteres, nicht signiertes Gedicht-Typoskript ("Klage und Trost"), 2 Ansichts-Postkarten mit eigh. Gruß von Hermann Hesse, 2 Orig.-Porträtfotos des Dichters (1 signiert), 1 Ansichts-Postkarte von Gaienhofen sowie 2 eigh. Briefe von Mia Hesse an Emilie Weisschedel. - Das eine Porträtfoto mit Lichtflecken; 2 Briefe mit blauer Wasserfarbe diagonal durchgestrichen - vermutlich von der Zensurbehörde. - Biographisch interessantes Konvolut aus sorgenvoller Kriegs- und Nachkriegszeit; mit 8 signierten Gedichten.


Veranstaltungshinweise:

Am 16.10.2018 bis 18.10.2018 112. Auktion: Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen


Schätzpreis: 3.500,-  EURO

Kontakt- / Orderformular


Name*:


Vorname:

Telefon*:

Telefax:

E-Mail*:

Straße* / Nr*:

PLZ*/Ort*:

Land:

Kommentar:

Newsletter:

Wir informieren Sie gerne über weitere Aktivitäten von: "Galerie Bassenge Berlin". Zum Eintrag in den Newsletter aktivieren Sie bitte dieses Kontrollkästchen.

Ihre Anfrage wird durch "Galerie Bassenge Berlin" umgehend bearbeitet und vertraulich (nach Vorgaben des Datenschutzes) behandelt. Die Nutzung Ihrer Daten durch Dritte ist somit ausgeschlossen


* Diese Angabe ist Pflicht.


Zurück

© Galerie Bassenge KG, Berlin 




Galerie Bassenge Berlin

English Site Galerie Bassenge Berlin

Über uns

News

English Site News

Termine

English Site Termine

Highlights








Copyright © '99-'2024
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum



Zum Seitenanfang Auktionen

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce