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Christian Rohlfs, Häuser in Soest, um 1918

Christian Rohlfs, Häuser in Soest, um 1918

Öl auf Leinwand. 59,3 x 77,2 cm. Gerahmt. Unten rechts rotbraun monogrammiert 'CR'. - In sehr schöner Erhaltung.

Vogt 624

Provenienz

J. B. Neumann, Berlin; Stuttgarter Kunstkabinett R. N. Ketterer, 34. Auktion Moderne Kunst 20. u. 21. Nov. 1959, Los 805 ("Gasse in Soest"); Privatbesitz Schweiz; Privatbesitz Baden-Württemberg

Ausstellungen

Düsseldorf 1919 (Galerie Flechtheim ), Christian Rohlfs (zum 70. Geburtstag) - Ölbilder 1917/18, Kat. Nr. 14

Losnummer: 216


Anlässlich seines 70. Geburtstages im Dezember 1919 beginnt der Hagener Museumsgründer des Folkwang, Karl Ernst Osthaus, seinen Glückwunsch in der Frankfurter Zeitung mit einer resümierenden und zugleich die historischen Umstände kritisierenden Feststellung: „Wohl keinem großen Meister deutscher Malkunst hat die Anerkennung der Öffentlichkeit länger gefehlt als Christian Rohlfs.“ (Karl Ernst Osthaus, Reden und Schriften, hrsg. von Rainer Stamm, Köln 2002, S. 166). Nach kurzem Aufenthalt in Berlin studiert der 1849 geborene Rohlfs ab 1870 an der als fortschrittlich geltenden Großherzoglichen Kunstschule in Weimar. Den Ort Schillers und Goethes, Herders und Nietzsches, eingebettet in einer saturierten Kulturlandschaft, wählt er anschließend zu seinem Lebensmittelpunkt. Für sein eigenes Fortkommen mag sicher der Umzug 1901 nach Hagen und der dort von Karl Ernst Osthaus inszenierte Impuls große Sogkraft ausgelöst haben, auch von Beginn an mitzuerleben, wie im Folkwang ein herausragendes Werk nach dem anderen in die Gemäldegalerie gehängt wurde. Der inzwischen Mittefünfzigjährige wird, nachdem er sich der Richtung des Impressionismus wie auch des Neoimpressionismus anschließt, in gleicher Weise zu den ‚Jungen Wilden' zu zählen sein, wie der schon 18 Jahre jüngere Emil Nolde oder die schon deutlich sich einer anderen Generation angehörig fühlenden, soeben zusammengefundenen Künstler der Künstlergemeinschaft Brücke.

1904 besucht Rohlfs erstmals die mittelalterliche Stadt Soest in Westfalen und ist begeistert von den Straßen und Plätzen, Kirchen, Türmen und Fachwerkhäusern: „ein herrliches Nest“, so Rohlfs zu seinem Freund Felix Bahlmann. (Zit. nach Paul Vogt, Christian Rohlfs, Aquarelle und Zeichnungen, Recklinghausen 1958, S. 34). Malt Rohlfs 1906 und 1907 erste Porträts von den markanten Kirchen und Türmen noch im Duktus und in Gedanken an Werke van Goghs im Folkwang, so emanzipiert er sich im Laufe der Jahre und entwickelt für die Soester Häuser- und Straßen-Ansichten eine kompakte, in seinem typischen, den Farbauftrag nivellierenden Geschlossenheit: Das Ocker als Grundierung der Szene, das sich vor dem Blau des Abends absetzende Rot der Dächer, das sowohl das Fachwerk als auch die Dynamik der Stadt markierende Schwarz entwickelt Rohlfs zu einem modernen „all over“. Die Gleichzeitigkeit von Statik und Bewegung, wie es die Futuristen in die Malerei der Expressionisten einbringen, ist für Rohlfs ein probates Mittel, den visuellen Reiz dieser Soester Häusersilhouette zu vermitteln. Sein Malstil zeigt Tendenzen fortschreitender Abstraktion, die sich aus dem souveränen Umgang mit Naturalismus und Entmaterialisierung der Farben ergeben.





Vergleichsabbildung: Ansichtskarte Freiligrath-Haus in Soest/Westfalen, ca. 1920, © Antik-Falkensee Postkarten (www.antik-falkensee.de), 2018


Veranstaltungshinweise:

Am 30.11.2018 Auktion 1121: Moderne Kunst


Schätzpreis: 100.000 - 120.000  EURO

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