Losnummer: 2103
Der Fondaco dei Turchi, das Warenhaus der Osmanen, ist einer der ersten großen Paläste, die der Venedig-Reisende heute auf dem Canal Grande erblickt, wenn er vom Bahnhof Santa Lucia Richtung Rialto-Brücke fährt. Der Palast mit der prachtvolle Marmorfassade und den zwei flankierenden Türmen hat seine heutige Erscheinung jedoch erst im 19. Jahrhundert – nach seiner historisierenden und verfälschenden Restaurierung – erhalten. Wie der Fontego dei Turchi, so seine Bezeichnung im venezianischen Dialekt, im 18. Jahrhundert aussah, zeigt diese Vedute Michele Marieschis.
Das Gemälde stellt den Fontego dei Turchi von der gegenüberliegenden Seite des Canal Grande dar, dem Campo San Marcuola, benannt nach der gleichnamigen großen Pfarrkirche. Zur linken des Fontego dei Turchi sieht man den Fontego del Megio, den venezianischen Hirsespeicher, zudem den barocken Palazzo Belloni-Battagia sowie den Ca´ Tron – Paläste am Canal Grande, die ihr Aussehen bis heute bewahrt haben. Der Fontego dei Turchi zeigt sich hier, wie der benachbarte Hirsespeicher, als Backsteinbau mit großen Toren an der Fassade, an denen die Waren be- und entladen wurden. Anders als das Warenhaus der Deutschen, der Fontego dei Tedeschi unmittelbar am Rialto, wurde der Fontego dei Turchi im 13. Jahrhundert nicht als Warenhaus errichtet. Lange Zeit war er im Besitz der Este, den mächtigen Markgrafen und später Herzögen von Ferrara, die hier prachtvoll Hof hielten. Erst 1621 erwarben die osmanischen Kaufleute den Palast und gestalteten ihn zu einem Warenhaus um. Als solcher diente er ihnen bis in das 19. Jahrhundert.
Michele Marieschi hat zwei weitere Versionen der Komposition geschaffen, von denen sich eine im Museo Nazionale di Capodimonte in Neapel befindet. Ralph Toledano datiert das vorliegende Gemälde um 1740 und damit in die späte Schaffenszeit des Künstlers, der kaum 30jährig 1743 verstarb.
Zertifikat
Ralph Toledano, Paris, 18.7.2019.
Provenienz
Italienischer Kunstbesitz.
Literaturhinweise
Für weitere Versionen der Komposition vgl. Ralph Toledano: Michele Marieschi, Catalogo ragionato, Mailand 1995, S. 114-115, Nr. V39 a und V39 b.
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