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Frühjahrsauktionen bei Neumeister: Mit Münchner Sammlung zum Erfolg

Schreibschrank, Mainz, um 1750

Auftakt der Frühjahrsauktion machte die Versteigerung einer Münchner Privatsammlung. Zu den Höhepunkten dieser Sammlung gehörten feine Porzellane des 18. Jahrhunderts, die durchweg sehr gute Ergebnisse erzielten. Porzellanplatten der Manufaktur Frankenthal (Lots 5 und 7) mit verstreuten Blüten, Reliefblumen und Goldstaffage wechselten den Besitzer für ein Vielfaches der Taxe. Glanzstück der Porzellanofferte war eine Meissener Kaffeekanne (Lot 12, Schätzpreis 18.000 – 22.000 EUR), um 1735, mit reicher Goldstaffage und Malerei, Ideallandschaften mit Seestücken und Figuren, indianischen Blumenstauden sowie exotischen Vögeln, von J. G. Heinze und Anselm Bader, die für 54.610 EUR an einen Telefonbieter nach Shanghai ging.

Eine große Porzellanplatte aus dem Wittelsbacher Hofservice von Nymphenburg (Lot 16), um 1760/1762, mit prächtiger Blumenmalerei und Insekten wohl von Joseph Zächenberger, konnte sich ein süddeutscher Sammler zur oberen Taxe für 6.985 EUR sichern.

Auch der Handel kam beim Porzellan zum Zuge, diesmal bei Figürlichem: Allegorien der „Vier Jahreszeiten als Gewürzbehälter“ (Lot 21), Frankenthal um 1763, konnten nach spannendem Bietergefecht, für mehr als das dreieinhalbfache der unteren Schätzung versteigert werden.

Highlight bei den Skulpturen aus dieser Sammlung war ein fein strukturiertes Buchsbaum-Relief mit Darstellung des Sündenfalls (Lot 51), leicht abgewandelt nach Albrecht Dürers berühmtem Kupferstich von 1504. Das Relief, welches einen besonders qualitätvollen Vertreter der sog. Dürer-Renaissance im frühen 17. Jahrhundert darstellt, bei der Bildhauer Druckgrafiken Albrecht Dürers im Medium der Skulptur rezipierten, war einem Online-Bieter aus Oxford, England, 27.940 EUR wert.

Top-Los der Münchner Sammlung und zugleich der Frühjahrsauktion war ein Mainzer Schreibschrank (Lot 55), um 1750, wohl das Meisterstück Ulrich Sedlmayrs, ein prachtvolles Barockmöbel in handwerklicher Vollendung und technisch meisterhafter Ausführung, das für 127.000 EUR an einen süddeutschen Sammler ging.

Bei den Gemälden von großem Interesse waren Werke des 18. Jahrhunderts: Ein Gemälde-Paar auf Kupfer des österreichischen Malers Franz Christoph Janneck aus einem Zyklus von ursprünglich vier Gemälden, „Der verlorene Sohn“ (Lot 77), erzielte 38.100 EUR. Eine zauberhafte, vielfigurige venezianische Szene mit Komödianten auf der Piazzetta (Lot 80), die Jean-Baptiste Le Prince zugeschrieben wird, konnte einem Bieter aus London für 20.320 EUR zugeschlagen werden.

Münchner Malerei des 19. Jahrhunderts war selbstverständlich in einer Münchner Sammlung in solider Qualität gut vertreten und wurde traditionsgemäß bei NEUMEISTER gut versteigert. Herausragend die Ergebnisse für zwei Genregemälde von Eduard von Grützner mit ähnlichen Motiven, Mönchen beim „Vesperbrot“ (Lot 87) bzw. „Nach der Vesper“ (Lot 86) gingen beide überraschenderweise an denselben Bieter nach Russland.

Den Abschluss der Sammlung in der Auktion bildete eine Suite feinster Miniaturmalereien des 17.–19. Jahrhunderts, vornehmlich Damenbildnisse, die fast ausnahmslos oberhalb ihrer Schätzungen zugeschlagen wurden.

Die Auktion wurde fortgesetzt mit der Versteigerung von Kunsthandwerk und Antiquitäten. Porzellan erfreute sich auch hier international großer Beliebtheit. Zahlreiche Bieter an den Telefonen trieben den Preis für eine Zierschale mit Darstellung der „Entführung der Europa“ (Lot 128) derart in die Höhe, dass sich die Schätzung fast versechsfachte und das Stück schließlich einem Bieter aus Tokyo für 4.826 EUR zugeschlagen werden konnte.

Großes Interesse rief ein zweiflammiger, filigraner Leuchter mit Spindeltaschenuhr, Meissenfigur und Vincennes- Blüten (Lot 282) hervor, eine Arbeit aus Frankreich/Meissen des 18. Jhs., der in einem spannenden Bietgefecht seine Schätzung fast vervierfachen konnte und für 15.875 EUR an einen schwäbischen Privatsammler ging. Beim Silber sicherte sich ein Münchner Sammler vier Augsburger Barock-Leuchter (Lot 157), geschätzt mit 5.000 – 7.000 EUR für 12.065 EUR. Ebenfalls in München blieb ein fein gravierter und punzierter Becher (Lot 167) aus Danzig, aus für der Mitte des 18. Jhs., den sich ein Saalbieter für 2.032 EUR sicherte.

In der Sparte Design war ein 103-teiliges Speiseservice von Björn Wiinblad für Rosenthal „Die Zauberflöte“ (Lot 189) mit figürlichen Darstellungen in Mattgoldstaffage heftig umworben. Ein spannendes Bietgefecht zwischen Telefonbietern und schriftlichen Geboten konnte zugunsten eines belgischen Bieters entschieden werden (Ergebnis 6.731 EUR).

Bereits während der Besichtigung stießen zwei italienische Halbschränke (Lot 224) der 1930er Jahre in der Art von Gio Ponti auf großes Interesse, das sich in einem erfreulichen Ergebnis von 6.985 EUR niederschlug.

Beim Schmuck waren diesmal, passend zum Frühling, Stücke mit Farbsteinen sehr nachgefragt. Ein Entouragering (Lot 337) mit einem zart pinkfarbenen Saphir, umrahmt von Diamanten, wurde von einem Herrn aus dem süddeutschen Raum für 15.875 EUR, möglicherweise als Geschenk, ersteigert. Trendige Ohrgehänge (Lot 402) mit Smaragden in leuchtendem Grün und Brillanten wechselten für 7.874 EUR die Besitzerin. Heftig umworben auch ein traumhaft schönes Cocktail-Armband (Lot 377) im Art Déco Stil, besetzt mit 754 Diamanten und einem Smaragd, das für 6.350 EUR an einen Bieter in Belgien ging.

Altmeister-Graphik und Gemälde: Gleich zu Beginn des zweiten Auktionstages, der mit Altmeister-Graphik startete, konnte ein Holzschnitt von Albrecht Dürer aus dem Marienleben, „Die Darstellung im Tempel“ (Lot 500) an einen Bieter in Israel, gegen Online- und Telefonbieter, für 2.032 EUR zugeschlagen werden. Zahlreiche Telefonbieter lieferten sich ein Gefecht um das Pastellbildnis einer Künstlerin von Daniel Caffe (Lot 508) auf Pergament, das zugunsten eines Pariser Sammlers entschieden werden konnte und mit 5.588 EUR ein äußerst erfreuliches Ergebnis einspielte.

Top Los der Altmeister-Gemälde Offerte war ein Jan Breughel d.J. zugeschriebenes Ölgemälde „Paradieslandschaft mit Sündenfall“ (Lot 539). Das mit 20.000 – 30.000 EUR geschätzte Gemälde von hoher künstlerischer Qualität sicherte sich in einem spannenden Bietgefecht schlussendlich bei 48.260 EUR ein Online-Bieter am Starnberger See.

Bei den Zeichnungen und Gemälden des 19. Jahrhunderts verbuchte NEUMEISTER gewohnt sehr gute Ergebnisse. So kletterte eine kleine Bleistiftzeichnung von Carl Spitzweg einer „Sitzenden jungen Frau“ (Lot 523) von geschätzten 500 – 600 EUR auf 2.540 EUR, eine kleinteilige, akkurate Federzeichnung von Eugen Napoleon Neureuther mit München-Bezug (Lot 525), von 500 – 700 EUR auf 1.778 EUR und ein Aquarell, ein Porträt des Komponisten Richard Wagner (Lot 529), von Karl Wilhelm Diefenbach, auf mehr als das Doppelte seines Schätzpreises.

Gemälde des 19. Jahrhunderts waren wie gewohnt bei NEUMEISTER heftig umworben: Dem im frühen 19.Jh. tätigen spanischen Künstler Antonio Carnicero wurde ein hinreißendes Bildnis (Lot 574) eines Knaben mit Kanarienvogel zugeschrieben, das aufgrund seiner physiognomischen Ähnlichkeit mit Francisco Goyas Porträt des Infanten Francisco de Paula (1794 Madrid – 1865 ebenda) international große Begeisterung hervorrief. In einem heftigen Bietgefecht zwischen Sammlern, Händlern und Museen, erhielt schließlich ein Sammler vom Starnberger See den Zuschlag für das beinahe Fünffache der Schätzung (Ergebnis 44.450 EUR).

Münchner Maler standen hoch im Kurs, dies bewies einmal mehr Heinrich Bürkel mit seiner „Brunnenscene bei Garmisch mit Zugspitz“ (Lot 596). Das Gemälde, dessen Provenienz sich bis ins Jahr 1854 zurückverfolgen lässt, sicherte sich ein Münchner Sammler für rund 50.000 EUR.

Eine Landschaftsstudie in Öl, „Waldbach“ von Carl Spitzweg (Lot 603), aufgeführt unter der Nr. 152 im Werkverzeichnis von Siegfried Wichmann, ersteigerte eine Telefonbieterin aus Niedersachsen für das Dreifache der Schätzung (Ergebnis 6.350 EUR). Großer Beliebtheit erfreute sich Heinrich Schlitts Gemälde „Nächtliches Ständchen“ (Lot 626): Im Schein des Vollmonds spielt ein Zwerg auf seiner Laute für die Frösche. Diese märchenhaft anmutende Darstellung war einer Bieterin aus dem süddeutschen Raum 7.620 EUR wert.

Klassische Moderne, Post War, Contemporary Art:

Bei den Graphiken heftig umworben war eine Kaltnadelradierung von Edvard Munch, „Das kranke Kind I“ (Lot 1000), ein kontrastreicher Abzug von 1894, der einem Online-Bieter aus Baden-Württemberg für mehr als das Doppelte der Schätzung zugeschlagen werden konnte. Viel Aufmerksamkeit galt einer Farblithographie von Marc Chagall aus „Derrière le Miroir“, „Les Monstres de Notre-Dame“ (Lot 1011), die sich in einem spannenden Bietgefecht äußerte und ein Telefonbieter aus dem Rheinland für 6.731 EUR ersteigerte.

Das Top-Los der Gemälde war Lesser Urys „Burgruine im Rheingau“ (Lot 1003), um 1924. Das Gemälde aus dem Nachlass des Künstlers fand nach über vier Jahren Provenienzrecherche und erfolgreichen Restitutionsverhandlungen, die NEUMEISTER mit dem Einlieferer und den Erben führte, im Sinne einer „gerechten und fairen Lösung“ Aufnahme in die Auktion. Es konnte für erfreuliche 88.900 EUR an einen Telefonbieter aus den USA versteigert werden. Großes Interesse galt auch einer „Meditation“ (Lot 1007) von Alexej von Jawlensky mit eigenhändiger Widmung des Künstlers an Lisa Kümmel, mit der ihn eine enge Freundschaft verband. Das kleinformatige Gemälde aus süddeutscher Privatsammlung sicherte sich ein Münchner Sammler für 50.800 EUR.

Ein erwartungsgemäß sehr gutes Ergebnis konnte Konstantin Ivanovich Gorbatovs Ansicht von Amalfi (Lot 1006) mit Segelbooten in einer Bucht von 1933 erzielen. Das Gemälde, seit den 1930er Jahren in Norddeutschem Privatbesitz, tritt nun für 48.260 EUR seine Reise nach New York, USA, an.

Einen erfreulichen Zuschlag in Höhe von 26.000 EUR konnte eine fast lebensgroße Bronzeskulptur eines „Jünglings mit jungem Reh“ (Lot 1026), um 1920, von Professor Josef Hinterseher verbuchen. Die Skulptur aus einer hessischen Privatsammlung findet nun ihren Aufstellungsort für mehr als das Fünffache der Taxe in Belgien.

Für österreichische Bieter von großem Interesse waren zwei Arbeiten von Arnulf Rainer. Das aus der „Werkgruppe Face Serie“ stammende Gemälde in Mischtechnik mit dem Titel „Nachtigall“ (Lot 1031) aus dem Jahr 1970/71 ersteigerte ein Bieter aus Österreich für 63.500 EUR. Ein heftiges Bietgefecht für eine übermalte Fotografie „Der geheimnisvolle Griff (Zyklus Frauensprache), 1977, (Lot 1032) konnte zugunsten eines Wiener Bieters für 20.320 EUR entschieden werden.

Im Bereich der zeitgenössischen Kunst faszinierte eine Fotoarbeit, „Europa II“ (Lot 1048) auf Diasec der niederländischen Künstlerin Margriet Smulders derart, dass sich die Taxe mehr als verdoppelte und einer Münchner Sammlerin für 4.572 EUR zugeschlagen werden konnte.

Heftig umworben wurde ein großformatiges Gemälde von Christian Brandl, geboren 1971 in Erfurt, der zu den wichtigen Vertretern der zeitgenössischen figurativen Malerei zählt und als einer der bedeutenden Künstler der berühmten „Neuen Leipziger Schule“ gilt. Sein Werk „Am Meer“ (Lot 1061) aus dem Jahr 2009, ersteigerte ein Münchner Sammler in spannendem Bietgefecht für 21.590 EUR.

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 400: Kunsthandwerk, Antiquitäten und Schmuck
Auktion 400: Graphik und Gemälde 15. bis 20. Jh. sowie Moderne, Post War & Contemporary Art

Quelle: © Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

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