Frauen im Bade, umgeben von einer Rahmenarchitektur mit Rollwerk und Fruchtgebinden. Radierung mit altem, möglicherweise zeitgenössischem Kolorit, nach Luca Penni. 43,4 x 60,6 cm. Um 1543/47. B. XVI, S. 415, 99, Herbet 23, Zerner (Die Schule von Fontainebleau) JM 46, Ausst.Kat. LosAngeles/New York/Paris 1994-1995, The French Renaissance in Prints, Nr. 59, Jenkins JM 46. Wz. Undeutlich. |
Losnummer: 5141
Spektakuläres, ungewöhnlich großes Blatt der Schule von Fontainebleau, zu der auch Jean Mignons Arbeiten zählen, wenngleich nur ein Kupferstich tatsächlich mit den ausgeführten Arbeiten im Schloss korrespondiert. Mehr als die Hälfte der Arbeiten von Mignon folgen Vorlagen von Luca Penni, der ebenfalls an den Ausführungen im Schloss unter François I. mitwirkte. Der anspruchsvolle, elegante Kupferstich, in dem zweifellos auch erotische Elemente anklingen, widmet sich der noch zu Beginn des 16. Jahrhunderts gepflegten Tradition der öffentlichen Bäder, die seit der römischen Antike bis ins Mittelalter hindurch erhalten blieb. Wie motivisch verwandte Darstellungen solcher Bäder zeigen, ging es vermutlich mehr um das gemeinschaftliche Vergnügen als um den Reinigungsakt an sich. Nach und nach verschwinden jedoch die öffentlichen Badeanstalten auch in Frankreich, das letzte 1569 in Dijon. In der Ikonographie des 15. und 16. Jahrhunderts kristallisiert sich vor allem eine eher erotische Konnotation des Bades heraus. Der mythologische Zusammenhang mit Venus, Diana o.ä. scheint hierbei nur ein Vorwand zu sein, um die Nacktheit und das erotisch aufgeladene Ambiente zu rechtfertigen. Gleichwohl die Vorlage für den Kupferstich verloren ist, besaß Casari die Zeichnung Luca Pennis für dieses, oder ein ähnliches Motiv. Dieser notierte in seinem "Libro de' designi": '...alcune femmine [...] in un bagno, l'originale della quale di propria mano di Luca' ('Vita' des Gianfrancesco Penni, Vasari, 1568, ed. 1966-87, vol. IV, S. 334).
Ausgezeichneter, überwiegend gleichmäßiger Druck mit der opulenten und detailliert gestalteten Rahmung, die den bekannten Exemplaren häufig fehlt. Meist mit sehr feinem Rändchen um die Einfassungslinie, oben teils knapp auf diese geschnitten. Insgesamt etwas fleckig und vornehmlich verso schwach gebräunt, vertikale, etwas nach rechts versetzte Mittelfalte mit leichten Quetschspuren, die gesprungenen Enden oben und unten hinterlegt, ebenso einige kurze Randläsuren und Randeinrisse verso hinterlegt, links ein kleiner etwa 4 cm langer Randausbruch, verso schwache Leimspuren, drei winzige Wurm- bzw. Nadellöchlein, weitere Handhabungsspuren, geringe Altersspuren bzw. Erhaltungsmängel, sonst gleichwohl in sehr schöner Erhaltung, das gedeckte Kolorit gut erhalten. Rarissimum, von allergrößter Seltenheit.
Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.
 |