Die Bilder des deutschen Gegenwartsmalers Martin Herler bewegen die Betrachter durch ihre außerordentliche malerische Qualität und den hohen Wiedererkennungswert seiner ausdrucksstarken Malweise. In der nunmehr sechsten Einzelausstellung von Martin Herler innerhalb der zehnjährigen Zusammenarbeit mit dem kunst-raum schulte-goltz+noelte, begeistert der Künstler mit packender Malerei. Seine Serie „Wirtschaftswunder“, die in intensiver Farbigkeit die Aufbruchsstimmung der Nachkriegszeit darstellt, verhalf dem Maler zu breiter Bekanntheit. Herler inszeniert ausschließlich historische und allegorische Themen, die zwischen realistischer oder abstrakter Form alternieren. Der Zeitbezug wird teilweise durch die Wahl von Vintage-Textilien als authentischem Malgrund unterstrichen. In seinen vielbeachteten Blütendarstellungen verbindet Herler die Schönheit des Malens mit der Schönheit der Natur. Bei diesen Freihandkompositionen geht es weniger um die botanische Bestimmbarkeit der Blüten, als um die Allegorie einer Stimmung, die der Künstler beim Malen nach Musik empfindet. Die lebendigen Gemälde schaffen eine anziehende Atmosphäre und lassen die Betrachter durch den besonders breiten Pinselstrich auf großem Format gewohnte Dinge intensiv erleben. Seine neue Werkgruppe der dynamischen Demonstrationen, die teils im Ungegenständlichen aufgehen, visualisiert die Deutsche Einheit und die damit verbundenen Themen Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie. Diese sind durch die Ereignisse des arabischen Frühlings so aktuell wie nie zuvor und finden bei Herler ein zugleich zeitgemäßes, wie überzeitliches Historienbild.
1972 geboren in / born in Berching in der Oberpfalz
1995 Akademie der Bildenden Künste, München / Academy of Fine Arts, Munich
2000 Meisterschüler bei Prof. Ben Willikens / Masterstudent of Prof. Ben Willikens
2000 Ecole des Beaux Arts de Nantes (Frankreich)
2003 Diplom an der Akademie der Bildenden Künste, München / Diploma at the Academy of Fine Arts , Munich
2004 Debütantenpreis der Akademie der Bildenden Künste, München / Debutant award at the Academy of Fine Arts, Munich; Ernst and Young Kunstpreis, München / Ernst and Young art award, Munich
2002 Kleine Orchidee, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen (E) / Just friends, Ausstellung der Klassen von Ben Willikens und Günther Förg, München
2003 Blüten der Erotik, Galerie Ulrike Hrobsky, Wien (Österreich) (E) / Sex+Crime, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen
2004 Martin Herler, Galerie für Gegenwartskunst, Bonstetten (Schweiz) (E) / metrosexuell, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen (E) / Art cubicle, Galerie Kampl, München / Munich School, Kunstverein Aichach / index 04, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen
2005 Wirtschaftswunder, Galerie Wassermann, München (E) / Impulse, Galerie Landskron und Schneidzik, Nürnberg / 15 Jahre Herbst, Galerie Brennecke, Berlin / index 05, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen
2006 Wirtschaftswunder, Stadtmuseum Hattingen, Hattingen (E) (K) / Blühende Landschaften, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen (E) / index 06, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen
2007 Pick of the best, Zeche Zollverein, Essen / index 07, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen / BMW Zyklus, Hauptverwaltung München
2008 Aus dem Drachenland, Städtische Galerie Villa van Delden, Ahaus (E) (K) / Roter Drache, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen (E) / index 08, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen
2009 Roter Drache, Gesellschaft für Bildende Kunst Trier, Galerie Palais Walderdorff (E) / European Artists, Gallery Best & kunst-raum schulte-goltz+noelte, Seoul / index 09, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen
2010 Durch die Blume, Galerie der BASF Schwarzheide (E) (K) / time of my life, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen (E) / Highlights zur Kulturhauptstadt, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen / European Artists, SeoulCTGallery & kunst-raum schulte-goltz+noelte, Seoul / index 10, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen / BASF Zyklus, Hauptverwaltung Ludwigshafen
2011 Synästhesie, Sheraton Essen (E) / Kinderglück, Universitätsklinikum, Essen / Jubiläum, Galerie für Gegenwartskunst, Zürich, CH / index 11, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen (K)
2012 demonstration, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen (E) (K) / Martin Herler Classics, galerie goltz an der philharmonie, Essen (E) (K) / index 12, kunst-raum schulte-goltz+noelte, Essen (K)
(K) - Katalog / Catalogue (E) - Einzelausstellung / Solo Show
Arbeiten in ausgewählten privaten und öffentlichen Sammlungen:
Museum Frieder Burda, Baden-Baden; Sammlung Kleinfeld, Los Angeles; Karstadt-Quelle Versicherungen, Essen; Siemens AG, München; BMW AG, Bayrische Motorenwerke München; Gerling AG, Köln; BASF, Ludwigshafen und zahlreiche Privatsammlungen in Europa, Asien und USA
Literatur:
2003 Colmar Schulte-Goltz und Wolfgang Ullrich: MARTIN HERLER "THEMEN"
2006 Colmar Schulte-Goltz: MARTIN HERLER "BLÜHENDE LANDSCHAFTEN", Stadtmuseum Hattingen (Hrsg.)
2008 Katalog Werke von Martin Herler im Besitz der BMW AG München
2010 Ausstellungskatalog MARTIN HERLER "TIME OF MYLIFE", kunst-raum, Essen
2012 Ausstellungskatalog MARTIN HERLER "DEMONSTRATION", kunst-raum, Essen
Die Bilder des deutschen Gegenwartsmalers Martin Herler bewegen die Betrachter durch ihre außerordentliche malerische Qualität und den hohen Wiedererkennungswert seiner ausdrucksstarken Malweise. In der nunmehr sechsten Einzelausstellung von Martin Herler innerhalb der zehnjährigen Zusammenarbeit mit dem kunst-raum schulte-goltz+noelte begeistert der Künstler mit packender Malerei. Seine Serie „Wirtschaftswunder", die in intensiver Farbigkeit die Aufbruchsstimmung der Nachkriegszeit darstellt, verhalf dem Maler zu breiter Bekanntheit. Herler inszeniert ausschließlich historische und allegorische Themen, die zwischen realistischer oder abstrakter Form alternieren. Der Zeitbezug wird teilweise durch die Wahl von Vintage-Textilien als authentischem Malgrund unterstrichen. In seinen vielbeachteten Blütendarstellungen verbindet Herler die Schönheit des Malens mit der Schönheit der Natur. Bei diesen Freihandkompositionen geht es weniger um die botanische Bestimmbarkeit der Blüten, als um die Allegorie einer Stimmung, die der Künstler beim Malen nach Musik empfindet. Die lebendigen Gemälde schaffen eine anziehende Atmosphäre und lassen die Betrachter durch den besonders breiten Pinselstrich auf großem Format gewohnte Dinge intensiv erleben. Seine neue Werkgruppe der dynamischen Demonstrationen, die teils im Ungegenständlichen aufgehen, visualisiert die Deutsche Einheit und die damit verbundenen Themen Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie. Diese sind durch die Ereignisse des arabischen Frühlings so aktuell wie nie zuvor und finden bei Herler ein zugleich zeitgemäßes, wie überzeitliches Historienbild.
The works by German contemporary painter Martin Herler affect the viewer with their extraordinary pictorial quality and the highly recognizable painting style, which is incomparably expressive. The sixth single exhibition of Martin Herler during ten years of cooperation with the kunst-raum schulte-goltz+noelte is characterized by the artist’s fascinating way of painting. The artist obtained his high profile mainly due to a series of ‘economic miracles’ showing the post-war atmosphere of the new beginning in intensive chromaticity. Herler exclusively stages historical and allegorical topics, alternating between realistic and abstract form. The reference to different periods of time is partly underlined by the choice of vintage textiles instead of canvas. His depictions of blossoms gained much attention and connect the beauty of painting with the beauty of nature. The botanical identity of the flowers is of less relevance, whereas the allegory of atmosphere carried by classical music to which Herler listens while creating his work is conveyed to the canvas. The vivid paintings create an appealing atmosphere and due to the particularly broad brush line on large format trigger an intensive and novel experience of known perspectives. His new series of works of dynamic demonstrations, partly absorbed into the abstract, show scenes from German unification and deal with topics such as freedom, justice and democracy. Especially with regard to the events of the Arab Spring these topics are as up-to-date as never before and establish both a contemporary and timeless picture of history painting.
Der zentrale Aspekt im Werk des Künstlers Martin Herler ist der Diskurs über das Figurative in Serien zu historischen und allegorischen Themen. Bekannt geworden ist der Maler durch Arbeiten mit Bezug zum deutschen Wirtschaftswunder.Mit Portraits und Szenen aus dem Alltag verbindet Herler den Blick auf Privates und den historischen Kontext. Gerade seine Szenen spielender Kinder alternieren zwischen tatsächlichen Porträts und Allegorien. Der historische Zeitbezug ergibt sich auch über die Wahl von Vintage-Textilien als authentischem Malgrund. Bei seinen Blütenmotiven, die botanisch nicht bestimmbar sind, lässt sich Martin Herler von Musik inspirieren. Die Blüten geben Herlers subjektiven Eindruck frei wieder, ohne sich sklavisch an Partituren zu halten. Auch durch den Transfer in andere Proportionen werden die Blütengemälde zu Allegorien unterschiedlicher Stimmungen. In seinen Formel-Eins-Arbeiten hat Martin Herler Bilder der Dynamik geschaffen, in denen die Welt des Rennsports lebendig wird. Im Panorama löst sich der Maler von der akademischen Aufteilung des Landschaftsraumes, hier verschwimmen die Grenzen der Bildgegenstände. Die Betrachter werden in den Rausch der Bewegung einbezogen. Ganz gegensätzlich sind dazu Panoramen mit Strandszenen, in denen gerade nicht die Bewegung im Vordergrund steht. Hier verleiht die Lokalfarbigkeit von Garderobe und Accessoires den Szenen ihre Lebendigkeit.
The work of Martin Herler is concerned primarily with figuration in series linked to historical and allegorical themes. The painter became well known trough his works, with reference to the German miracle of economics. With Portraits and scenes from the everyday life, Herler combines private life and history. His scenes of playing children alternate between portraits and allegories. The choice of vintage textiles to paint on contributes to the authentic mood. For his flower-motives, Martin Herler takes inspiration from music. Despite being mere botanical references, the flower-paintings express the personal impression of Martin Herler, without being tied to a particular music score. Due to their large scale, the flower-paintings become allegories, illustrating different moods. In his formula-one-paintings Martin Herler created paintings of dynamics, in which the world of racing become alive. In huge canvases the painter separates from the academic tradition of landscape painting. The different objects blend into one and the viewers became part of the movement. In contrast to these works are the new beach scenes, which do not focus in movement, here the colors of clothes and accessories add a vibrant touch to the scenes.
Nach der Beschäftigung mit zahlreichen historischen und allegorischen Bildthemen, die er in großen Serien vorgestellt hat, gilt Martin Herler als ein Maler, der es versteht, eine unverkennbare Ästhetik mit herausragenden Inhalten zu verbinden. Bekannt geworden ist Herler durch Arbeiten mit Bezug zum deutschen Wirtschaftswunder. Dessen geradezu mythisches Nachleben in der kollektiven Erinnerung ist sein ureigenes Feld. Herausragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens jener Tage sind bei Herler genauso Gewährsleute der gerühmten Vergangenheit wie Privatpersonen oder Werbefiguren. Mit dem Abstand vieler Jahrzehnte verschwimmen die Grenzen. Als junger Mann, der mit Helmuth Kohls Versprechen der „blühenden Landschaften“ für die neuen Bundesländer groß geworden ist, hat der Maler die Affinität der eigenen Generation zu bürgerlichem Verhalten als Anregung für historisch-mythologische Bilder genommen. Historische Bilder sind also Herlers Spezialität – dabei erleben wir alle täglich unsere eigene Zeitgeschichte.
Seit Jahren unternimmt Martin Herler ausgedehnte Fernreisen. Diese führten ihn bisher bevorzugt auf den indischen Subkontinent und in den asiatischen Raum. Seit Martin Herler 2006 erstmals nach China reiste und mit Begeisterung die fremde asiatische Umgebung auf sich wirken ließ, entstand eine Vielzahl von atmosphärischen Bildern. Wie viele Europäer vor ihm, war Herler dem Reiz der „Chinoiserie“ erlegen, wie sie seit Jahrhunderten in der europäischen Kunst Tradition hat. Besonders die Stadt Shanghai mit ihrem wuseligen Treiben, den Massen, den gleichartig aussehenden Menschen, hat auf Herler nachhaltigen Eindruck gemacht, wie die Arbeiten Kreuz und Quer in Shanghai oder Golden Buddhas zeigen. Unter die Begeisterung für das Exotische mischte sich wieder das Gespür des Künstlers für die historische Umbruchsituation, für ironische oder prekäre Situationen.
Bauboom und die ungebremste Wirtschaftskraft Chinas sind nicht ohne Schattenseiten. Gerade im Vorfeld der olympischen Spiele stellte Herler zahlreiche intensive Recherchen an, die im Reportage-Stil angelegt in farbenreiche Arbeiten mit chinesischem Bezug mündeten, wie z.B. Blaue Uniformen oder der monumentale Rote Drache. Ein besonderes Mittel der neuen Arbeiten ist der stetige Perspektivwechsel von Auf- und Untersicht und die Erzeugung weiter, atmosphärischer Farbräume. Seit dem Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke ins autonome Gebiet Tibet verdrängt China in immer schnellerem Rhythmus eine uralte Kultur. Nach Jahrzehnten des stillen Protests, machten die Tibeter aktiv auf ihre Situation aufmerksam. Die dramatischen Ereignisse der Demonstrationen von tibetischen Mönchen schließlich brachten neue Dynamik in die Situation und boten Herler Motive von herausragendem historischem Wert.
Die Arbeit Free Tibet nimmt in der farbigen und motivischen Komposition auf die Fahne Tibets Bezug und setzt damit auf intelligente Art ein Statement. Herlers Gemälde der Tibetreihe, die zumeist als Panoramen angelegt sind, zeigen die Protestbewegungen in seiner unverkennbaren Ästhetik. Die Demonstranten schieben sich auf die Betrachter zu, ihre Vorwärtsbewegung wird durch die streifigen Verwischungen nicht gebremst, sondern als Ausdruck der Dynamik betont. Besonders explizit ist der Zeitbezug des Malers in den Arbeiten Mönche, Demonstration, Aufmarsch oder Angriff. Nur vereinzelt hat Herler die Gesichter der tibetischen Mönche in eindringlicher Nähe dargestellt. Zumeist transportieren Herlers Arbeiten mit ihrem dynamischen, farbkräftigen Ausdruck eher die Atmosphäre eines besonders Moments – gleichzeitig Zeitgeschichte und Allegorie, wie es für Arbeiten von Martin Herler typisch ist.
Zahlreiche hochkarätige Sammlungen im In- und Ausland haben bereits Arbeiten Herlers erworben. Für die BMW AG in München, für dessen Foyer Gerhard Richter 1972 die Arbeit Blau Rot Gelb für eine Ankaufssumme von 70.000,- DM angefertigt hatte, ist nun Martin Herler beauftragt worden, den Vorstandsbereich zu gestalten. Herlers bisher größter zusammenhängender Zyklus von acht monumentalen Einzelbildern entstand von Ende 2007 bis Anfang 2008. Jeweils hat Herler abstrahierte Landschaften wie in der Dynamik einer Autofahrt inszeniert. Die Arbeiten ergänzen fünf weitere große Gemälde Herlers, in den Räumen des Vorstandes, die seit 2003 angekauft worden sind. Eine Publikation zu den Werken Martin Herlers im Besitz der BMW AG ist in Vorbereitung.
Martin Herler arbeitet in den großen Themenkomplexen Menschen, Pflanzen und Tiere. Neben riesigen, ästhetischen Blumenstücken sind es vor allem die Bilder von Menschen in Aktion, die große Aufmerksamkeit des Publikums finden. Jeweils werden die Dimensionen auf den Kopf gestellt und gewohnte Dinge neu gesehen, Pornobilder werden kultiviert und Pflanzen zu Metaphern der Erotik. Selten stellt Herler seine Motive gestochen scharf da, meist erscheinen sie in prägnanter Unschärfe. Hier setzt Martin Herler der Fotografie eine klare malerische Position entgegen. Er reagiert nicht nur auf optische Phänomene, wie die Schärfentiefe im Allgemeinen, sondern liefert zugleich eine Reflexion auf die Quelle seiner Bildvorlagen: das Internet, das der Künstler in seinem Werk malerisch kommentiert.
Die figurative Malerei mit mehreren Figuren ist ein klassisches Feld der Malerei. In der jungen Gegenwartskunst allerdings sind Werke der Bildgattung Historie selten. So wie die Popart die gegenständliche Bildsprache von der Werbeästhetik für die moderne Kunst zurückgewonnen hatte, so wird Martin Herler heute vor allem in der Pornographie fündig. Hier hat Herler seiner Malerei eine international verständliche Bildwelt erschlossen. Die Handlungszusammenhänge sind offenkundig, keine Bildungsschranken verhindern das Verständnis des gezeigten Sujets. Sind pornographische Abbildungen sonst überwiegend kleinformatige Gebrauchsstücke von kurzer Lebensdauer, überträgt, nobilitiert und überhöht der Künstler diese Handlungszusammenhänge zu großformatigen, dauerhaften Ölgemälden.
In seinen delikat gemalten ‚Pornos’ reflektiert Herler die Möglichkeiten der Malerei im Zusammenhang der Alltagskultur. Hochkultur und Unterhaltung für Erwachsene werden genauso wie die Posen von Figuren auf ihre Klischees überprüft. Es entstehen Allegorien über das moderne Leben, in denen Martin Herler die tabulose Inszenierung des Köpers in der Gesellschaft der Gegenwart reflektiert, wie sie in Popkultur, Fernseh-Talk, Musikindustrie und Modemarketing zu beobachten sind. Besondere Projektionsfiguren unserer Mediengesellschaft sind heute ‚metrosexuell’. Gerade Fußballstars wie David Beckham oder Ronaldo, die Neuentdeckung der EM 04, leben dieses Ideal. Sie inszenieren Äußerlichkeiten, die rasch Mode werden. Was gerade noch undenkbar war, wird plötzlich hip: blankrasierte Brust, gefärbte Haare, bunte Strähnchen, Haarreifen, ‚Tatoos’ oder auffälliger Schmuck und Piercings. Besonders knopfgroße „Brillantohrringe“ sind stylisch, werden weltweit kopiert und gehören auch unter Machos wie jungen Boys zum coolen Dresscode. Das Ideal ist der vorzeigbare Superbody den man(n) offensiv zeigt.
Die großen Blumenstücke Martin Herlers sind von ähnlich ästhetischer Sensation. Martin Herler stilisiert bezeichnender Weise vor allem Orchideen (botanisch Orchidaceae von griech. orchis Hoden, nach den hodenförmigen Wurzelknollen) zu Bildern in der Tradition der Seerosen von Claude Monet. Orchideen sind wunderschön aber kaum nutzbar: von 25.000 Arten dient nur die Gewürzvanille (Vanilla planifolia) zu mehr als zur Zierde. In Martin Herlers Bildern neigen sich auf riesigem Format schwere Blüten dem Betrachter zu. Lasziv öffnen sich gigantische Blütenkelche, die ihre Betrachter fast zu verschlucken scheinen. Durch die Verwischungen wird der Inhalt geheimnisvoll, stellt sich eine glamouröse, gleichsam erotische Ausstrahlung ein, die nichts anderes ist als ein ästhetischer Genuss, vital und anregend wie ein sinnliches Parfum.