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Farbphotographie mit Nobelpreis

Dr. Richard Neuhauss, Selbstportrait, 1901

Die Photographie-Auktion bei Lempertz bietet ein ebenso kunst- wie technikhistorisch herausragendes Los: Das Selbstportrait von Dr. Richard Neuhaus von 1901 ist eine Farbaufnahme im Lippmann-Verfahren. Auch das weitere 20. Jahrhundert und die Photographie der Gegenwart sind in der Auktion mit bedeutenden Beiträgen von August Sander, Robert Mapplethorpe oder Candida Höfer vertreten.

Auktion 1246 - Photographie am 4. Juni 2024

Eine Sensation in der Geschichte der Photographie um die Jahrhundertwende: Das Lippmann-Verfahren ermöglichte Farbaufnahmen auf Basis von Interferenzen bei der Reflexion von Licht auf einer Quecksilberschicht. Inmitten der Technik-Faszination jener Zeit war diese Entwicklung so erstaunlich, dass Gabriel Lippmann 1908 für seinen Durchbruch den Nobelpreis für Physik erhielt, im selben Jahr wie Paul Ehrlich für Medizin und Ernest Rutherford für Chemie. Einer der Pioniere in der Anwendung dieser neuen Technologie war Dr. Richard Neuhauss. Hauptberuflich Arzt, unter anderem am Bethanien-Krankenhaus in Berlin-Kreuzberg, und Anthropologe, machte er sich parallel und vor allem in der Photographie einen Namen. 1898 verfasste er eine 70-seitige Abhandlung mit einer detaillierten technischen Anleitung zur Herstellung von Lippmann-Photographien, in deren Vorwort er schreibt: „Unter den Verfahren zur Herstellung farbiger photographischer Aufnahmen ist dasjenige von G. Lippmann bis jetzt das einzige, welches mit Recht den Namen 'Farbenphotographie' verdient.“ 1901 portraitierte er sich mit eben dieser Technik selbst in rotem Hausmantel (Lot 501, Schätzpreis € 6 / 8000) ‒ ein Werk von musealer Bedeutung und ein Highlight der Auktion.

Die Überleitung zur klassischen Photographie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bildet der Vintageabzug einer Blattstudie „Silphium Laciniatum (Kompasspflanze)“ von Karl Blossfeldt in exzellentem Zustand (Lot 506, € 20/25.000). Alfred Ehrhardts ebenfalls sehr gut erhaltener, großformatiger Vintageabzug „Sandformen, Kurische Nehrung“ steht exemplarisch für dessen neusachliche Photographien von Naturformen und -strukturen in den dreißiger Jahren (Lot 505, € 2.5/3.000). Das „Mädchen im Kirmeswagen“ von August Sander, hier als Abzug von Gunther Sander, gehört zu den begehrten Motiven von Sanders „Menschen des Zwanzigsten Jahrhunderts“ (Lot 503, € 3.5/4.000). Eine Reihe von Photographien von Albert Renger-Patzsch - allen voran sein berühmtes „Bäumchen“ aus dem Jahr 1929 als großformatiger Vintageabzug (Lot 507, € 40/50.000) - zeigen verschiedene Facetten seiner neusachlichen Landschaftsphotographie der Vor- und unmittelbaren Nachkriegsjahre (Lot 510-513, von € 2.5/3.000 bis 3.5/4.000).

Geradezu ikonisch für die Photographie des „Neuen Sehens“ ist das Jugendportrait der Tochter „Helga“ von Aenne Biermann, um 1930 entstanden, ein qualitätvoller Vintageabzug (Lot 529, € 8/10.000). Das „Selbstportrait mit Leica“ von Ilse Bing aus dem Jahr 1931 steht für das Bild der modernen Frau in der Weimarer Republik, hier ein späterer Abzug von Abe Frajndlich (Lot 528, € 3/4.000). Einen besonderen thematischen Schwerpunkt der Auktion bildet die „Bauhaus-Photographie“ mit Werken verschiedener Photographen aus zwei Privatsammlungen. Hervorzuheben sind die Architekturaufnahmen von Bauhausgebäuden von T. Lux Feininger (Lot 517, € 3/4.000) und Lucia Moholy (Lot 522, € 2.5/3.000) sowie von letzterer die Sachaufnahmen von Bauhausentwürfen (Lot 521/524, € 1.800/2.000 bzw. € 4/5.000).

Ein beeindruckendes Zeitdokument ist die großformatige Photographie einer Antikriegs-Collage „Niemals wieder!“ von John Heartfield als DDR-Plakatentwurf von 1959, hervorgegangen aus verschiedenen früheren Fassungen seit 1930-32 (Lot 548, € 2.5/3.000). Für die zeitgleich entstandene westdeutsche Nachkriegsphotographie stellvertretend seien die Werke von Peter Keetman genannt, von dem acht Werke zum Aufruf kommen, darunter ein „Selbstportrait“ und die berühmte „Schallplatte“ als Vintageabzug (Lot 560/561, € 1.8/2.000 bzw. € 2.5/3.000). Einen künstlerischen Gegenansatz zu Keetmans fotoform-Photographie bilden die ungegenständlichen Gelatinesilbermalereien von Chargesheimer, von dem zwei in der Auktion sind (Lot 580/581, jeweils € 2.5/3.000).

Die US-amerikanische Photographie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist mit großen Namen und berühmten Motiven in diesem Katalog: Von Berenice Abbott wird ein Stück Wissenschaftsphotographie in ästhetischer Perfektion angeboten: „Van De Graaff Generator, Cambridge/MA“ von 1958 als großformatiger Gelatinesilberabzug (Lot 556, € 5/6.000). Der Name Joel Meyerowitz steht für die New Color-Photographie in den USA. Bei dem Abzug „Red Interior, Provincetown“ von 1977 handelt es sich um einen seltenen Vintage-Kontaktabzug des Motivs (Lot 604, € 3/4.000). Robert Mapplethorpe portraitierte sein Lieblingsmodel „Phillip Prioleau“ 1979 in verschiedenen Positionen auf einem Sockel sitzend. Der hier angebotene Gelatinesilberabzug zeigt die Rückenansicht der Künstlermuse (Lot 597, € 8/10.000). Für die Aufnahme „Schiaparelli Jacket with Tinsel and Glass“ – hier als Platin-Palladium-Abzug – arrangierte Irving Penn eine Figurine und Exponate einer Ausstellung über die Haute Couture der zwanziger und dreißiger Jahre im Metropolitan Museum of Art in New York zu einem surrealistisch anmutenden Portrait (Lot 606, € 10/15.000).

Diane Arbus zeigt in dem humorvollem Doppelportrait „Lady Bartender at Home with a Souvenir Dog, New Orleans, LA“ von 1964 eine Barkeeperin in ihrem häuslichen Ambiente (Lot 596, € 12/15.000). Mode- und Glamourphotographie runden das Angebot auch in dieser Saison wieder ab. Von Albert Watson stammt der Rückenakt der „Kate Moss, Marrakech“ von 1993 (Lot 664, € 4/5.000), Peter Lindbergh zeigt eine zerbrechliche „Nadja Auermann“ in der Mojave-Wüste in Kalifornien (Lot 665, € 12/15.000).

Auktion 1247 / 1248 Zeitgenössische Kunst und Photographie

Eine großformatige Außenansicht der Hamburger „Elbphilharmonie“ von Herzog & de Meuron von Candida Höfer wird im Rahmen des Evening Sales im Anschluss an die Photographie-Auktion aufgerufen (Lot 47, € 40/50.000).
Weitere hochpreisige Werke zeitgenössischer Photographen werden am darauffolgenden Tag im Day Sale am 5. Juni versteigert, unter anderem drei Portraits berühmter Popikonen von Bettina Rheims (Lot 418-420, jeweils € 10/15.000), die Nachbildung einer skandalumwitterten „Fotoecke/Photobooth“ in einem DDR-Gefängnis von Thomas Demand (Lot 406, € 25/30.000) sowie die großformatige Lightbox „Saturday Night“, bei der die koreanische Photographin Kim In Sook im Montageverfahren 66 verschiedene nächtliche Szenarien unter einem Hoteldach versammelt hat (Lot 426, € 25/30.000).

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 1246: Photographie

Quelle: © Kunsthaus Lempertz

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