Losnummer: 2005
Wenn auch Karel van Mander einerseits ein bedeutender Maler war, so liegt sein Ruhm doch gleichermaßen in seinem 1604 veröffentlichten, bahnbrechenden „Schilder-boeck“ begründet. In dieser ersten nördlich der Alpen erschienene Publikation von Künstlerviten stellt Karel van Mander die Biografien antiker, italienischer sowie niederländischer und deutscher Maler zusammen. Angeregt wurde van Mander zu dieser Publikation sicherlich durch die Viten des italienischen Malers Giorgio Vasari, dem er während seiner 1573 begonnenen Italienreise auch persönlich in Florenz begegnet sein dürfte, wo Vasari an den Fresken für den Dom arbeitete. 1577 kehrte van Mander in seinen flämischen Geburtsort Meulebeke zurück, floh infolge des Aufstands gegen die Spanier aber später in die nördlichen Niederlande und ließ sich 1583 in Haarlem nieder.
Neben Zeichnungen und Drucken nach seinen Entwürfen sind nur wenig mehr als 30 Gemälde von Karel van Mander erhalten, so dass die vorliegende Landschaft mit Susanna und den beiden Alten eine bedeutende Bereicherung seines Œuvres darstellt. Das Thema der Figurenszene ist dem Buch Daniel des Alten Testaments entnommen. Demnach begehrten zwei angesehene Richter Susanna, die Frau eines reichen Mannes, und lauerten ihr in einem Garten auf. Nachdem Susanna sich den beiden Männern verweigert hatte, bezichtigten diese sie fälschlich des Ehebruchs. Der Prophet Daniel konnte schließlich die Unschuld der Frau und die Schuld der beiden Alten nachweisen. Die Beliebtheit dieses Themas, nicht nur bei van Mander, sondern auch zahlreichen anderen Künstlern, beruht wohl nicht zuletzt auf der eleganten Möglichkeit, einen reizvollen Frauenakt wiederzugeben.
Wir danken Herrn Dr. Fred Meijer, Amsterdam, für die Bestätigung der Eigenhändigkeit van Manders auf der Grundlage digitaler Fotografien.
Zertifikat
Dr. Walther Bernt, München, 22.6.1974.
Provenienz
Rheinische Privatsammlung.
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