Losnummer: 7
Diese architektonische Vedute ist eines der ungewöhnlichsten Werke des Berliner Architekturmalers Wilhelm Brücke. Das ebenso rätselhafte wie brillant ausgeführte Gemälde ist 1828 datiert und entstand demnach noch vor seiner Reise nach Italien, die Brücke 1829 antrat. 1834 kehrte er nach Berlin zurück und befasste sich danach noch intensiver als in seinen Anfängen mit Veduten seiner Wahlheimat Berlin.
In dem überlieferten Œuvre des Künstlers ist uns kein vergleichbares Bild bekannt. Diese Arbeit des 28-jährigen Malers zeigt eine erstaunliche Souveränität bei der Wahl seines Bildsujets. Weder von Hasenpflug noch von Gärtner, den beiden Berliner Malerkollegen, die ihm stilistisch am nächsten standen, sind derartige Fantasie-Kompositionen bekannt.
Die Mitte des Bildes nimmt ein Rundtempel ein, der dem römischen Tempel in Tivoli mit seinem Bukranien-Girlanden-Fries im Gebälk nachempfunden ist, und in dessen Inneren eine Statue des Apollo zu sehen ist. Von dem Rundtempel in Tivoli hatte sich 1797 auch Heinrich Gentz in einem unausgeführt gebliebenen Entwurf für ein Denkmal für Friedrich den Großen inspirieren lassen (Berlin, Akademie der Künste, Abb. 1).
Auf dem vorliegenden Gemälde wird der Rundtempel von zwei mächtigen Brunnenanlagen flankiert. Dahinter erstreckt sich eine ausgedehnte Wasserfläche, hinter der sich wiederum weitere antikisierende Bauwerke im Mittel- und Hintergrund befinden. All dies zusammen ergibt eine eindrucksvolle Kulisse, in die der Künstler eine antikisierend gekleidete Staffage und fantasievolle Boote einfügt.
Wilhelm Brücke beeindruckt in diesem Gemälde durch seine perfekte malerische Technik, durch die Genauigkeit und Schärfe, mit der er den imaginären Ort darstellt, aber auch mit dem weichen Licht, das die gesamte Szenerie umgibt. In Ihrem Buch über die Berliner Malerei des 19. Jahrhunderts schreibt Irmgard Wirth: „Die Gemälde von Wilhelm Brücke sind von der Farbgebung leicht zu erkennen. Sein Kolorit neigt zu leichtem Rosa, Orange, Violett und warmem Braun, eine Tönung die allein für ihn charakteristisch war“.
Eine Studie von Wilhelm Brücke mit dieser Komposition befindet sich im Kupferstichkabinett zu Berlin (Inv. Nr. SM 48c 183).
Provenienz
Deutsche Privatsammlung.
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