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In einer Sonderauktion versteigert das Auktionshaus Neumeister einen Teil des Münchner Nachlasses des griechischen National-Künstlers Nikolaus Gysis (1842 Sklavohory auf Tinos – 1901 München). Zum Aufruf kommen mehrere hundert Zeichnungen, sowie über 40 Gemälde und Plastiken. Die angebotenen Arbeiten geben einen fantastischen Einblick in das vielseitige Werk dieses Künstlers, der aus Griechenland stammend das Künstlerleben im München des ausgehenden 19. Jahrhunderts entscheidend geprägt hat.
Durch die Regentschaft Ottos von Bayern als König von Griechenland waren enge Verbindungen zwischen Bayern und Griechenland aufgebaut worden, vor allem im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich. Viele griechische Künstler machten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf den Weg nach München, darunter auch Nikolaus Gysis.
Früh hatte dessen Vater, ein Zimmermann auf der Insel Tinos (s. Kat.-Nr. 46), das künstlerische Talent seines Sohnes erkannt und ihn auf seinem Weg zum Künstler unterstützt. 1865 kam Gysis mit einem Stipendium an die Münchener Kunstakademie, die zu dieser Zeit neben Paris als bedeutendste Künstlerschmiede Europas galt. München wurde schließlich zum Lebensmittelpunkt des Griechen und zur Heimat seiner Familie, nach Griechenland kehrte er nur noch auf Reisen zurück.
In den 1870er und -80er Jahren malte Gysis vornehmlich Genregemälde, vor allem mit griechischen Motiven (s. Kat.-Nr. 24). Diese Gemälde etablierten ihn im konkurrenzstarken Umfeld als einen der wichtigsten Genremaler der Münchner Schule. Mitte der 1880er Jahre erreichte sein Erfolg hier einen Höhepunkt - 1885/86 entstand sein wohl berühmtestes Gemälde „Die Geheime Schule“ (heute in der Sammlung Emfietzoglou, Athen). Zur selben Zeit wandte sich Gysis idealistisch-allegorischen Themen zu - seine späten, symbolistischen Gemälde werden von Kennern als frühe Vorläufer des Münchner Jugendstils gefeiert (s. Kat.-Nr. 101).
Zur Provenienz:
Die angebotenen Objekte stammen allesamt aus dem Nachlass von Gysis’ Tochter Penelope (1879-1947). Dieser Teil des Nachlasses war im Zweiten Weltkrieg nach Beuerberg bei Wolfratshausen ausgelagert und ist nur durch diesen Umstand von der Kriegszerstörung, die einen Großteil des weiteren Nachlasses vernichtet hat, verschont geblieben. Erstmals seit über 100 Jahren werden die Arbeiten wieder in Deutschland gezeigt, in Griechenland dagegen waren einige davon zwischenzeitlich auf Ausstellungen vertreten (1999 in Thessaloniki oder 2001 auf Gysis‘ Geburtsinsel Tinos).
Sonderauktion am 25. Februar 2026
Vorbesichtigung vom 30. Januar bis 24. Februar 2026, Montag bis Freitag 10-17 Uhr
Vernissage am Donnerstag, 29. Januar 2026, 18:00 Uhr
Vortrag von Dr. Konstantinos Didaskalou (Thessaloniki) über Leben und Werk von Nikolaus Gysis. |