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Am Mittwoch, den 11. März 2026, finden bei Artcurial Beurret Bailly Widmer in Basel die traditionellen Frühjahrsauktionen für internationale Kunst bis 1900 und Schweizer Kunst statt. Der Auktionstag endet mit der dritten Ausgabe der Basel Watch Auction, welche sich den Sammleruhren widmet. Insgesamt kommen 269 Lose zur Versteigerung, darunter bedeutende Werke von Cuno Amiet, Albert Anker und Félix Vallotton, ein Renaissance Porträt von Corneille de Lyon sowie wertvolle Uhren der Genfer Manufaktur Patek Philippe.
Der Katalog der Schweizer Kunst vereint aussergewöhnliche Werke grosser Schweizer Meister des 19. und 20. Jahrhunderts. Zu den unstreitigen Höhepunkten der Auktion zählen zwei der bedeutendsten und schönsten Gemälde von Cuno Amiet (1868–1961), welche je in einer Auktion angeboten wurden (jeweils auf 500 000 bis 700 000 CHF geschätzt). Das erste Werk, Verschneiter Obstbaum, zeigt einen einzelnen Baum vor hellem Hintergrund, Träger von Licht, Farbe und Atmosphäre. Der Schnee schimmert in Blau- und Violetttönen und kontrastiert mit leuchtendem Gelb zu einer aussergewöhnlichen chromatischen Harmonie. Dieses Gemälde gehört zu den wichtigsten Winterlandschaften Amiets.
Das zweite Werk, Winter in den Bergen, besticht durch den einzigartigen Charakter der dargestellten Berglandschaft und ihr Nebelmeer – eine für Amiet ungewöhnliche Komposition. Der Künstler verwendet lebendige, leuchtende Farben, die Nebel, Schnee und Berge beinahe dekorativ erscheinen lassen. Anstelle realistischer Schatten dominieren vereinfachte Formen und klar abgegrenzte Farbflächen. Dadurch wird die neblige Atmosphäre zu einem kraftvollen, farbintensiven Naturphänomen, in dem Realität und subjektive Wahrnehmung miteinander verschmelzen. Die Komposition zeugt von grosser Kühnheit und Modernität. Als Beweis ihrer musealen Qualität werden beide Gemälde in diesem Jahr vom 17. September 2026 bis 9. Januar 2027 im Rahmen der Ausstellung Cuno Amiet, Les Quatres Saisons im Kunstmuseum Pully gezeigt.
Ein weiteres zentrales Werk dieser Auktion ist ein eindrucksvolles Porträt eines jungen Mädchens von Albert Anker (1831–1910), das ebenfalls auf 500 000 bis 700 000 CHF geschätzt wird. Porträts machen nur einen kleinen Teil des Œuvres des Berner Meisters aus, zählen jedoch zu seinen herausragendsten Leistungen. Von tiefer Empathie geprägt, gelingt es Anker, Ernst und Schüchternheit des kindlichen Wesens mit grosser Feinfühligkeit einzufangen und damit seine Stellung als einer der bedeutendsten Maler seiner Zeit zu unterstreichen.
Weitere Hauptwerke sind zwei Gemälde von Félix Vallotton (1865–1925), darunter Les Alyscamps, soleil matin, eine Anspielung auf die römische Nekropole von Arles, deren Allee auch Gauguin und Van Gogh inspirierte. Das Werk, geschätzt auf 250 000 bis 350 000 CHF und als eine der bedeutenden Schöpfungen des Künstlers angesehen, zeigt eine von Bäumen gesäumte Allee im Licht, in der Schatten und leuchtende Farben eine ruhige, beinahe traumhafte Atmosphäre erzeugen. Die ausgewogene Komposition und die subtile Lichtführung laden zur Kontemplation ein. In einer ebenso sensiblen Auseinandersetzung mit Licht und Raum erweist sich L’escalier du couvent San Marco, Perouse (Schätzung: 200 000–300 000 CHF) als das bemerkenswerteste Gemälde innerhalb einer Serie von acht Ölgemälden, die im September 1913 entstanden.
Hervorzuheben ist ebenso La belle Rose von Ernest Biéler (1863–1948), geschätzt auf 200 000 bis 300 000 CHF. In diesem grossformatigen Werk von 1934 inszeniert der Künstler eines seiner bevorzugten Modelle und interpretiert die Walliser Themen, die seinen Ruhm begründeten, in moderner Weise neu, indem er ein klassisches Motiv der Kunstgeschichte aufgreift. Schliesslich sei daran erinnert, dass Friedrich Dürrenmatt (1921–1990), den man vor allem als einen der bedeutendsten Schweizer Autoren des 20. Jahrhunderts kennt, auch ein leidenschaftlicher Maler und Zeichner war, dessen bildnerisches Werk zu seinen Lebzeiten weitgehend unbekannt blieb. Fünfzehn Zeichnungen werden in der Auktion angeboten, weitere in der Online Auktion vom 4. bis 19. März 2026.
Im Katalog der internationalen Kunst vor 1900 präsentieren wir einen Teil der Sammlung Neumann, aufgebaut von Vera und Lotar Neumann. Das aus Tschechien stammende Ehepaar liess sich 1960 in der Schweiz nieder und wurde Eigentümer des Châteaus de Gingins (Kanton Waadt). Es schuf eine bemerkenswerte Sammlung, die sich zunächst auf Alte Meister, später auf Jugendstil und Symbolismus konzentrierte.
Zu den wichtigsten Werken zählt das Porträt eines Prälaten von Corneille de Lyon (Schätzung: 80 000–120 000 CHF), der zu seiner Zeit auch unter dem Namen Corneille de La Haye bekannt war, in Anlehnung an seine Heimatstadt. Er war einer der bedeutendsten Maler der französischen Renaissance und schuf kleinformatige Porträts vor farbigem, meist grünem Hintergrund – wie im vorliegenden Beispiel. Nach seiner Krönung im Jahr 1547 ernannte Heinrich II. Corneille zu seinem offiziellen Maler und verlieh ihm als Anerkennung für seine Dienste die französische Staatsbürgerschaft.
Innerhalb dieser Sammlung finden sich zudem ausgewählte Werke von Eugène Grasset (1845– 1917), einem der Pioniere des Jugendstils, sowie eine sehr schöne Vase und eine prachtvolle Lampe von Émile Gallé (1846–1904), dem bedeutenden Glaskünstler und herausragenden Vertreter des Jugendstils. Ergänzt wird diese Sektion durch zehn Druckgrafiken des deutschen Meisters Albrecht Dürer (1471–1528) sowie durch eine wichtige Gruppe von Miniaturen des 18. Jahrhunderts, also kleinformatigen Gemälden, die meist Porträts zum Thema haben. |