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„Jeder einzelne Besuch bzw. jede Besichtigung ist […] wie ein Besuch in einem temporären Museum, nein besser gesagt, wie ein Besuch in einer Wunderkammer.“ Matthias Dotschko, Leiter der Meistermalerei der KPM
Am 25. April 2026 feiert Lempertz das zwanzigjährige Jubiläum mit einer besonderen Auktion im Herzen Berlins. Seit nunmehr 20 Jahren können sich die Besucher der Vorbesichtigung auf ein großes Angebot an Kunstobjekten mit Berlin- und Preußenbezug freuen. Sie umfassen fast 400 Jahre Kunstschaffen vom 17. Jahrhundert bis in die 1950er Jahre. Mit jedem Objekt sind Geschichten verbunden, über den Ort, die Herausforderungen der Herstellung, den besonderen Auftraggeber, den bekannten Empfänger.
Das Top-Lot der Jubiläumsauktion ist eine einzigartige monumentale Prunkvase der KPM, die 1895 produziert als kaiserliches Geschenk in die Familie zu Eulenburg gelangte. Nicht nur die Größe der 116 Zentimeter hohen Deckelvase ist beeindruckend, sondern vor allem ihre außerordentliche plastische Dekoration mit bekrönender Ananas und einem über einen Meter langen Leguan (Schätzpreis € 300.000 – 450.000). Am 25. April 2026 entscheidet sich, wer die königliche Prunkvase zukünftig sein Eigen nennen darf.
Im Jubiläumsjahr präsentiert das Kunsthaus Lempertz die Sammlung Reinhard Schönfisch und knüpft damit an die erfolgreichen Versteigerungen der Twinight Collection 2018 und 2019 an. Mit demselben Schwerpunkt wie der amerikanische Sammler hat Reinhard Schönfisch königliche Porzellane der Epochen Friedrich Wilhelm III. und Friedrich Wilhelm IV. zusammengetragen. Der Dessertteller mit der preziösen Kameenmalerei aus dem Hochzeitsservice für Prinzessin Luise, den die KPM 1825 anfertigte, ist nur eines der über 150 prachtvoll bemalten Stücke (Schätzpreis € 4.000 – 6.000).
Eine bedeutende Sammlung an Gläsern mit feinsten Schnittdekoren, seltenem Églomisé und Emaildekor kommt mit über 40 Lots zum Aufruf. Außerdem bietet die Auktion eine Reihe von ungewöhnlichen Skulpturen. Ein beeindruckend überlebensgroßer kaiserlich preußischer Adler spannt seine Flügel aus. Er wurde vermutlich vom Berliner Fabrikanten Peters 1889 aus grün patiniertem Kupferblech angefertigt (Schätzpreis € 15.000 – 20.000).
Der Berliner Bildhauer Gustav Landgrebe schuf 1890 die bekannteste aller Beethoven-Büsten. Von der langen verschollenen, vermutlich einzigen und signierten Ausführung in Marmor kannte man bisher nur zahlreiche Gipsreproduktionen, die das Bild Beethovens bis heute wesentlich prägen. Der entschlossene Blick und das wehende Haar des Komponisten, dessen Kunst eine neue Musikepoche aufschloss, beschrieben den unabhängigen, unbändigen, schaffenskräftigen, kurz: den prometheischen Künstler in den Augen jener Zeit perfekt (Schätzpreis € 8.000 – 10.000).
Eine in China produzierte Deckelterrine bringt die bewegte Geschichte des preußischen Überseehandels in die Berlin Auktion. Die Preußisch-Asiatische Kompanie brachte an Bord ihres Schiffes „Prinz von Preußen“ 1755 ein besonderes Geschenk für Friedrich II. aus Kanton mit: ein Service mit Großem Preußischen Staatswappen. Kurz vor dem Zielhafen Emden aber lief das Schiff auf Grund, das Service wurde teilweise beschädigt und konnte dem Preußischen König nicht mehr präsentiert werden. Stattdessen wurden die erhaltenen Teile neun Jahre später versteigert, einiges kam so doch noch an den Hof nach Berlin, anderes wurde von verschiedenen Bietern erworben. Eine Deckelterrine auf Unterplatte kommt nun - nachdem sie sich über mehrere Generationen in deutschem Adelsbesitz befand - bei Lempertz in Berlin zum Aufruf, Schätzpreis 12.000 bis 15.000 Euro.
Die Berliner Malerei erlebte mit der Secession einen Höhepunkt ihrer Geschichte. Philipp Franck war einer der Künstler, der wie Max Liebermann, Walter Leistikow oder Lovis Corinth den Impressionismus in Deutschland wesentlich prägten. Warum Franck auch als „Chronist des Wannsees“ bekannt ist, verdeutlicht sein Gemälde „Bootssteg am Wannsee“ eindrücklich. Meisterhaft fängt er die Stimmung an einem bewölkten Tag im Berliner Südwesten ein (Schätzpreis € 25.000 bis 35.000). |