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Ingeborg Gabriel (1951–1996) studierte von 1974 bis 1978 an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Früh war sie eng mit postavantgardistischen Künstlern wie Albert Oehlen, Werner Büttner und Michael Krebber verbunden; ihr eigenes Werk blieb jedoch lange Zeit im Hintergrund. Nach Abschluss ihres Studiums bezog sie ein Atelier im Künstlerhaus Hamburg, wo sie unter anderem die erste Einzelausstellung von Martin Kippenberger organisierte. Später zog sie mit ihrer Familie nach Kürten im Bergischen Land, wo sie erneut ein Atelier einrichtete.
Seit Ende der 1980er Jahre widmete sich Ingeborg Gabriel vor allem dem flexiblen und vielseitigen Medium der Zeichnung, das sie mit großer Gewissenhaftigkeit und experimenteller Haltung erforschte – ohne klare oder unmittelbar greifbare Ergebnisse zu erwarten. Gabriel schuf Hunderte von Zeichnungen und arbeitete mehr oder weniger zurückgezogen. Ihre Motive und Sujets – Häuser, Köpfe, Porträts und Brillen – entstammten meist ihrer unmittelbaren Umgebung und blieben stets mit der Natur verbunden. Gleichzeitig untersuchte sie die formalen Aspekte des Zeichnens.
In einer ungewöhnlich breiten Vielfalt an Varianten, Materialien und Techniken hielt sie Pflanzen und Lebewesen auf Papier fest. Zwischen 1989 und 1990 entstanden Arbeiten, die sich auf schöne Weise erzählen lassen – mit Darstellungen von Libellen, Raupen, Salamandern, Fliegen und Fröschen. Zu anderen Zeiten dienten Rosen, Pilze, Tannen, Landschaften, Maulwürfe, Schnecken und Vögel als Ausgangspunkt ihrer Zeichnungen, ebenso exotische Tiere wie Affen und Bären. Manche Formen sind farbig mit dem Pinsel ausgeführt, andere mit sicherer Linie gezeichnet; gelegentlich tritt ein feiner Humor hervor.
Für ihre Arbeiten wählte sie Papiere von sehr unterschiedlicher Qualität und Beschaffenheit. Neben den Zeichenmaterialien wurde das Papier selbst zu einem wesentlichen Element ihrer grafischen Laborversuche, verstanden als eigenständig formbares Material. Sie verwendete einfaches Notizpapier ebenso wie bereits benutzte, bedruckte oder linierte Blätter, Karton sowie glatte oder raue Papiere in leichten und schweren Grammaturen.
Obwohl sie weitgehend im Stillen arbeitete, waren sie und ihr Mann Uwe fest in der Kölner Kunstszene der 1980er und 1990er Jahre verankert. Cosima von Bonin überließ ihr ihre zweite Ausstellung in der Galerie Christian Nagel in Köln und ermöglichte Gabriel dort ihre erste Einzelausstellung. Zuvor hatte Cosima von Bonin zwei Arbeiten Gabriels in einer Einzelausstellung bei Andrea Rosen als eigene adaptiert.
Ihre Werke befinden sich in der Kippenberger Collection sowie in der Judith Rothschild Collection im Museum of Modern Art in New York. Nach ihrem Tod organisierten die Kuratorinnen Susanne Pfleger und Ellen Seifermann die ersten posthumen Einzelausstellungen – in der Städtischen Galerie Wolfsburg (7. März–7. Juni 1998) und im Kunstverein Heilbronn (13. September–25. Oktober 1998).
Eröffnung der Ausstellung:
14. März 2026
16 bis 21 Uhr
Laufzeit:
15. bis 28. März 2026
Ort:
Lempertz S.A.
Grote Hertstraat 6,
Rue du Grand Cerf
1000 Bruxelles |