Porzellan, farbiger Aufglasurdekor mit nachtblauem Fond, matte und glänzend polierte Vergoldung mit Konturen. Äußerst fein gemaltes Sujet des in einer Quadriga fahrenden Sonnengottes, umgeben von drei Genien und einem fackeltragenden geflügelten Cupido. Runder Rahmen mit zwölf Segmenten, darin Darstellungen der rotkonturierten Tierkreiszeichen auf goldradiertem Vermiculafond. Pressmarke Zepter mit KPM. D 42 cm. |
Losnummer: 297
Nur eine zweite Platte mit dieser Bemalung ist bekannt. Sie befindet sich in der Sammlung The Metropolitan Museum of Art New York, obj. no. 2000.189. Sie ist integriert in einen Palmenfußtisch, ebenfalls komplett aus Porzellan, dessen Entwurf von Karl Friedrich Schinkel stammt. Das spektakuläre Objekt war ursprünglich ein königliches Geschenk an Zarin Elena Pawlowna, geborene Prinzessin Charlotte von Württemberg, und kam über den englischen Kunsthandel 2000 in die Met Collection. Im Unterschied zur vorliegenden Version wurde für den Hintergrund dieser Platte ein sehr viel helleres Aufglasurblau gewählt, so dass der Sonnengott aus einem fast mittagsblauen Himmel dem Betrachter entgegenfährt. Hier nun entspricht die Farbe eher dem Ende der Nacht, die Helios erhellen wird.
Das Aquarell des originalen Entwurfs von August von Kloeber befand sich in der Vorlagensammlung der Manufaktur, im Verzeichnis unter Nr. 260. Die Nummern 262 und 263 waren kolorierte Kopien Kloebers nach Bertel Thorvaldsens berühmten, 1815 erstmals ausgestellten Marmortondi von Tag und Nacht (auch Morgen und Abend). Kloeber konnte sie in Rom im Original sehen. In der Gestaltung seiner Putti- und Geniendarstellungen für die KPM lehnte er sich stilistisch stark an die Arbeiten des dänischen Bildhauers an. So entwarf er zum Beispiel 1833 zwei Musen mit Kythara, resp. mit Mandoline, für eine Münchner Vase. Dieser Dekor erschien erstmals 1836 auf einem Exemplar für die Königin der Niederlande und 1842 auf einer Vase Münchner Sorte No. 4, die König Friedrich Wilhelm III. an den Generalleutnant der Freiheitskriege Karl Freiherr von Müffling verschenkte. Im Kontobuch des Königs wurden alle vier Dekore als schwebende Figuren nach Kloeber bzw. Thorvaldsen bezeichnet. Bereits zum 31. März 1828 hatte der König ein prachtvolles Fußschalenpaar mit den von Kloeber eingefärbten Ansichten von Tag und Nacht bestellt, jeweils umkränzt von einem Blumenfries nach Gottfried Wilhelm Völker.
Die Platte wird mit einem dreibeinigen, in Mahagoni furnierten Tisch verkauft, worin sie geschützt unter Glas liegt (H 81, D 55 cm).
Literaturhinweise
Vgl. Baer/Baer, ...auf Allerhöchsten Befehl, Berlin 1983, Kat. Nr. 37-40 und 63, S. 52/53, 60 ff., dort auch Auszüge aus dem "Conto Buch Sr: Majestät des Königs" vom 1. Januar bis 12. Dezember 1850, S. 81 ff.
S.a. Baer, Table Tops from the Berlin Porcelain Manufactory (KPM) from the First Half of the Nineteenth Century, in: The International Ceramics Fair and Seminar Handbook, London 2001, S. 11 ff.
Vgl. Kisluk-Grosheide/Koeppe/Rieder, European Furniture in The Metropolitan Museum of Art: Highlights of the Collection, New York 2006, Nr. 96, S. 229 ff.
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