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Auktionshaus Neumeister stellt Geschäftsbetrieb ein

Auktionshaus Neumeister in München

Das Münchener Auktionshaus NEUMEISTER stellt seinen Geschäftsbetrieb zum 31.10.2026 ein. Diese Entscheidung hat Katrin Stoll, Geschäftsführende Gesellschafterin bei NEUMEISTER, aus privaten Gründen gefällt. Sie hängt mit ihrer Lebensplanung zusammen und steht in zeitlicher Koinzidenz mit der Auflösung der privaten Eigentümer- und Erbengemeinschaft innerhalb ihrer Familie. Hierzu gehörten auch die Räumlichkeiten des Auktionshauses in der Barer Straße 37. Diese wurden, neben weiteren Liegenschaften, veräußert.

Der Entscheidung zur Einstellung des Geschäftsbetriebes waren diverse Sondierungsgespräche vorangegangen, die nicht zielführend waren. Auch Katrin Stolls Kinder haben andere berufliche Wege eingeschlagen.

„Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen. Meine Zeit bei NEUMEISTER, nunmehr 43 Jahre, war eine Phase meines Lebens, die mich unglaublich bereichert hat. Durch die Kunst, aber auch durch die wunderbaren Menschen, die ich in dieser Zeit kennen und schätzen lernen durfte. Ich bedanke mich bei allen Freunden des Hauses und vor allem bei meinen geschätzten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, denen ich für ihren weiteren beruflichen Weg alles Gute wünsche“, so Katrin Stoll.

Bis zur Einstellung des Geschäftsbetriebs zum 31.10.2026 ist NEUMEISTER in der Barer Straße 37 in München. Der Standort wird dann voraussichtlich Ende 2026 aufgegeben.

NEUMEISTER zählte über Jahrzehnte zu den führenden Auktionshäusern in Deutschland. Als Mehrspartenhaus umfasste das Spektrum Alte Meister, Moderne & Zeitgenössische Kunst, Graphik, Antiquitäten, Möbel, Silber, Porzellan sowie Schmuck. Neben Versteigerungen bot das Haus Schätzungen, Gutachten, Provenienzforschung und Private Sales an.

Rudolf Neumeister hatte das nach ihm benannte Unternehmen 1958 gegründet. In den nächsten Jahrzehnten wurde er zum Urgestein des deutschen Versteigerungswesens und führte sein Auktionshaus in die Top-Liga der Branche. Zum klassischen Auktionsportfolio gehörten seinerzeit gotische Skulpturen, Augsburger Silber, Barockmöbel und Meißner Porzellan, Gemälde des 19. Jahrhunderts und vor allem Bilder des „Hausheiligen“ Carl Spitzweg. Mit solchem „Material“ bescherte Rudolf Neumeister dem deutschen Kunsthandel unvergessliche Sternstunden.

Zu den Kundinnen und Kunden des Hauses zählten von Beginn an zahlreiche Prominente. In den frühen 1960er Jahren durfte man zum Beispiel Maria Callas und Aristoteles Onassis begrüßen. Und da Rudolf Neumeister seit 1964 Honorarkonsul von Jordanien war, schauten auch König Hussein und Kronprinz Hassan regelmäßig bei ihm in München vorbei. Soraya, die Frau des einstigen Schahs von Persien, erwarb 1963 Spitzwegs Gemälde „Der Angler“. Wirtschaftskapitäne, Spitzenpolitiker und Showstars zählten bei NEUMEISTER zu Stammgästen.

Rudolf Neumeisters Tochter Katrin Stoll trat 1983 in das Familienunternehmen ein. 2008 übernahm sie die Gesellschaftsanteile ihrer beiden Schwestern und machte das Auktionshaus mit zahlreichen Innovationen fit für das 21. Jahrhundert. Unter dem Motto „Mehr Klasse als Masse“ wurde die Zahl der Lots pro Auktion deutlich reduziert. Zudem führte Katrin Stoll neue betriebswirtschaftliche Strukturen ein, entwickelte eine Digitalisierungsstrategie und modernisierte das Branding. Im Jahr 2020 ließ sie die Papier-Kataloge aus ökologischen Gründen durch Online-Kataloge ersetzen. Bei den Drucksachen beschränkte sich NEUMEISTER unter ihrer Regie fortan im Wesentlichen auf das in der Branche wegweisende, hauseigene Kunstmagazin. Damit konnte der Papierverbrauch des Auktionshauses (von früher 34 Tonnen jährlich) signifikant reduziert werden.

Als neue Sparten etablierte Katrin Stoll im Bereich der Moderne Post War und Contemporary Art. Für Aufsehen sorgte sie mit spektakulären Noble Sales, glanzvollen Celebrities-Versteigerungen und originellen Sonderauktionen: „Plastic Fantastic“ (Kulturgeschichte des Kunststoffs) und „Chair Affair“ (Sitzmöbel) im Jahr 2008 sind nur einige Beispiele für Highlights im Auktionskalender. 2019 setzte NEUMEISTER mit „Vintage Culture“ neue Maßstäbe, was Selektion und Qualität, aber auch die Präsentation der offerierten IT-Pieces betraf. 2022 wurde der komplette Modenachlass der Schauspielerin Hannelore Elsner versteigert, mit mehr als 1.400 Positionen.

Besondere Verdienste erwarb sich Katrin Stoll bei der Provenienzforschung, die ein essenzieller Teil der NEUMEISTER-DNA war, nicht nur hinsichtlich der Versteigerungsobjekte, sondern auch im Hinblick auf das Unternehmen. Insbesondere die Aufarbeitung der eigenen Firmengeschichte hinsichtlich des Vorgänger-Unternehmens Weinmüller in der Nazi-Zeit durch Katrin Stoll war ein kühner Schritt. Nach einem Quellenfund im Haus machte sie dies binnen vier Wochen öffentlich bekannt. Bereits nach einem Jahr waren die rund 35.000 Datensätze (150.000 Einzeldaten) komplett digitalisiert und öffentlich verfügbar. Damit rüttelte Katrin Stoll nicht nur an einem Tabu im gesamten Kunsthandel, sondern beteiligte sich hälftig auch an allen Forschungsprojekten der Public Private Partnerships. Dies war ein Meilenstein in der Provenienzforschung und zudem ein maßgeblicher Impuls für die seitdem nicht mehr beiläufig zu behandelnden Belange der Restitutionsverfahren. „Ich sah immer eine große Verpflichtung des Kunsthandels, Licht ins Dunkel zu bringen, um in Restitutionsfällen zu fairen und gerechten Lösungen zu kommen. Dem wollte ich persönlich gerecht werden. Entweder man schaut weg oder genau hin“, erklärt Katrin Stoll.

Unter der Führung Katrin Stolls nahm NEUMEISTER engagiert und meinungsfreudig am gesellschaftlichen Leben teil. Als Plattform dafür nutzte Katrin Stoll vor allem das viel beachtete Kunstmagazin des Hauses, in dem sie immer wieder ihre Positionen artikulierte und auch die besondere Philosophie ihres Auktionshauses deutlich machte, die neben rein merkantilen Aspekten vor allem von der Liebe zur Kunst und der Begeisterung für die versteigerten Objekte und deren Geschichte gespeist war. „In einer Zeit, in der Kunstwerke kühl wie Aktien gehandelt werden und der internationale Kunsthandel von bloßer Gewinnmaximierung geprägt ist, mag das ein bisschen aus der Zeit gefallen wirken. Natürlich ging es auch bei uns ums Geschäft, aber unser Tun war immer von der Leidenschaft für die Kunst und ihre gestalterische Kraft getragen. Dies war der Markenkern von NEUMEISTER. Das hat uns von anderen unterschieden. Und darauf bin ich unglaublich stolz“, so Katrin Stoll.

Die Sommer-Auktion am 24. Juni 2026 findet wie geplant statt – für das „große Finale“ wird es hinsichtlich der Versteigerungsobjekte einige spektakuläre Überraschungen geben. Einlieferungen für die nunmehr letzte NEUMEISTERAuktion werden bis Mitte Mai 2026 entgegengenommen.

Die beiden Auktionen im März und Juni sowie sämtliche laufenden Abläufe, Verpflichtungen und Verträge werden vollständig und korrekt beendet. Wir versichern allen Kundinnen und Kunden sowie Partnerunternehmen, dass alle zugesagten Leistungen und Abrechnungen planmäßig und transparent abgewickelt werden. NEUMEISTER wird insofern selbstverständlich sämtliche Verbindlichkeiten gegenüber Einlieferern, Bietern, Kunden, Dienstleistern und Beschäftigten etc. erfüllen, Rechnungen fristgerecht begleichen und Verträge einhalten. „Durch die Beendigung des Geschäftsbetriebs wird niemand einen Nachteil erleiden. Hierfür stehe ich auch persönlich ein“, versichert Katrin Stoll.

Für weitere Informationen steht Ihnen das NEUMEISTER-Team unter info@neumeister.com und Telefon +49 (0) 89 23 17 100 zur Verfügung.

Quelle: © Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

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