Losnummer: 13
Das in warmen Orange- und Rottönen gehaltene und betont perspektivisch aufgebaute Werk „Raum mit sieben Figuren“ von Oskar Schlemmer gehört mit seiner Entstehung 1937 zu den Spätwerken. Die Jahre nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 sind für Schlemmer von beruflichen Einschränkungen, aber auch von künstlerischen Erfolgen, neuen Bildthemen und persönlichem Neubeginn geprägt.
Nach der Auflösung des Bauhauses, der Kündigung des Lehrauftrags an der Staatsschule für Kunst und Kunstgewerbe in Berlin und der zunehmenden Diffamierung durch die Nationalsozialisten zog Schlemmer mit seiner Familie ins ländliche Südbaden, wo er Dank einer Erbschaft ein Haus in Sehringen bei Badenweiler entwerfen und bauen lassen konnte. Seit 1935 begann er seine neue Lebenssituation auch künstlerisch zu verarbeiten. Außer Atelierstillleben und Darstellungen von Weberinnen entwickelte er eine Werkgruppe von Familienbildern, die er seinem Tagebuch folgend „Lebensskizzen“ nannte. Zu diesen Werken gehört auch der zum Aufruf kommende „Raum mit sieben Figuren“. Abgesehen von der – wenn auch stilisierten - Darstellung seiner Frau und den Kindern, nahm Schlemmer hier das am Bauhaus erprobte Thema der Figur im geometrischen Raum wieder auf (Karin von Maur, Oskar Schlemmer, München 1979, S. 134). Wie es das Gemälde deutlich zeigt, wird die für die Bauhauszeit charakteristisch strenge Flächenbildung in den späten 1930er Jahren zugunsten einer betonten Perspektive aufgegeben, die Schlemmer anhand der Wandflächen und Möbelstücke umsetzte. Die in Orange-, Rot- und Blautönen gehaltene Arbeit offenbart ein stilles Gemeinschaftsgefühl, das in den Bauhausjahren so auch nicht anzutreffen war. Die aufgeschlagenen Bücher der beiden Figuren links und mittig stehen ebenso dafür wie die beiden zugewandten Figuren rechts. Ebenso neu ist die teils pastos aufgetragene Farbe und das dramatische Licht-Schattenspiel, das den Figuren bei aller Strenge eine gewisse Lebendigkeit vermittelt. Auch wenn bedeutende öffentliche Aufträge in dieser Zeit ausblieben, schuf er mit den „Lebensskizzen“ eine neue, aber im Sinne seiner künstlerischen Prinzipien entwickelte Werkgruppe. Ein guter Abschluss des Jahres 1937 waren für Schlemmer die Ausstellungen bei Ferdinand Möller in Berlin, in der Galerie Valentien in Stuttgart und in der London Gallery, deren Eröffnung mit insgesamt 84 Werken den Maler auch in England bekannt machte.
Werkverzeichnis
v. Maur G 380
Provenienz
Galerie Gerd Rosen, Berlin; Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer (1950); Privatsammlung Baden-Württemberg
Literaturhinweise
Hans Hildebrandt, Oskar Schlemmer, München 1952, Nr. 344
Ausstellung
Berlin 1946 (Galerie Gerd Rosen), Willi Baumeister - Oskar Schlemmer, Abb. 3 ("Raumbild"); Stuttgart 1968 (Galerie Valentien), Malerei und Graphik der Bauhaus-Künstler, Kat. Nr. 68; Schweningen 1969 (Räume der Berufsschule), Oskar Schlemmer, Kat. Nr. 12; Stuttgart 2014/2015 (Staatsgalerie), Oskar Schlemmer. Visionen einer neuen Welt, S. 138, Kat. Nr. 113, mit Farbabb.
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