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Tradition, Moderne und ein Galeriebestand in der Auktion Asiatische Kunst

Außergewöhnliches Paar Tempelbehänge aus Seidenbrokat in Applikationstechnik, Tibet, um 1900

Künstlerische Virtuosität und ikonographische Tiefe zeichnen die für diese Auktion zusammengestellten Beispiele Asiatischer Kunst aus. Die Werke stammen aus dem 7. bis 20. Jahrhundert und schlagen einen Bogen über zwei Jahrtausende Kulturgeschichte Ostasiens. Ein besonderes Highlight ist der Bestand der Amsterdamer Galerie Astamangala mit Kunst vom Dach der Welt.

Einen besonderen Schwerpunkt der Auktion bildet die Kunst Tibets: Lempertz versteigert die Bestände der Galerie Astamangala. Die Galerie war das Lebenswerk des im vergangenen Jahr verstorbenen Sjoerd de Vries und eine Institution an der Amsterdamer Keizersgracht, ihr Angebot das Ergebnis aus persönlicher Leidenschaft, Reisen in den Himalaya und daraus erwachsener großer Kennerschaft. In einem ersten Teil, der am 13. Juni aufgerufen wird, werden 58 Objekte aus dieser Galerie versteigert.

Darunter befindet sich etwa ein außergewöhnliches Paar Tempelbehänge aus Seidenbrokat in aufwendiger Applikationstechnik, entstanden um 1900 in Tibet, dessen Aufwand die Bedeutung textiler Ausstattung in buddhistischen Sakralräumen erkennen lässt. Die reich dekorierten Kompositionen zeigen Schutzgottheiten auf ihren Reittieren, umgeben von dichten Ranken, Lotosmotiven und glückverheißenden Symbolen. Das Paar wird mit einem Schätzpreis von 20.000 bis 25.000 Euro angeboten.

Die Reise durch Jahrtausende der überreichen Kunstgeschichte Chinas eröffnet in dieser Auktion ein Paar Lokapala-Wächterfiguren aus Terrakotta aus der Zeit der Tang-Dynastie (618–907). Die polychrom gefassten Figuren stehen in dominanter Pose auf felsförmigen Plinthen und treten jeweils auf einen besiegten Dämon. In ihren reich gestalteten Rüstungen mit Drachenmaul-Ärmeln und Maskenmotiven zeigen sie sich als machtvolle Bändiger böser Geister. Schätzpreis für das Paar: 80.000 bis 100.000 Euro. Ebenfalls aus der Tang-Zeit und mit einer ganz ähnlichen Aufgabe betraut sind die beiden sancai-Wächterfiguren von Typ zhenmushou. Darstellungen dieser mystischen Wesen wurden zum Schutz des Friedens Verstorbener deren Gräbern beigegeben.

Aus der späteren Song-Zeit (1126–1279) stammt ein aus seladonfarbener Jade geschnitzter Anhänger, ein sogenannter pei. Dieses Kleinod beeindruckt durch höchste Schnitzkunst, die sich in der fein durchbrochenen Ausarbeitung in Form eines stilisierten Drachens mit dynamisch gewundenem Körper zeigt. Mit dem Schätzpreis von 15.000 bis 20.000 Euro wird das detailreiche Stück am 13. Juni aufgerufen.

Neben dem Anhänger dürften auch ein seltenes gui-Zepter (6.000 bis 8.000 Euro), ein Ritualgefäß vom Typ ding (Schätzpreis 15.000 bis 20.000 Euro) sowie eine Querrolle mit der Darstellung von Bambus und Vögeln (Schätzpreis 20.000 bis 30.000 Euro) reges Interesse finden. Diese Stücke gehören zu einer Auswahl archaischer Objekte aus der Sammlung des Diplomaten Ernst Arthur Voretzsch (1868-1965), aus der Lempertz schon in den vergangenen Auktionen zahlreiche bedeutende Stücke versteigern durfte.

Eine kaiserliche Drachenschale mit Zhengde-Marke und aus der Zeit (1506–1521) gehört zu den qualitätvollen Beispielen früher Ming-Porzellane. Die flach ausgezogene Saucer-Form zeigt im Spiegel einen herabsteigenden, in den Scherben eingeschnittenen fünfklauigen Drachen, umgeben von ausgesparten Wolkenmustern unter leicht grünlicher Glasur. Zwei weitere Drachen zieren die Außenwand, Schätzpreis 10.000 bis 15.000 Euro.

Morita Shiryūs „Heijō (Alltagsgeist)“ von 1964 ist ein Schlüsselwerk der modernen japanischen Kalligrafie. Die in kraftvoller Kursivschrift ausgeführten Zeichen aus Aluminiumpaste auf schwarzem Papier entfalten durch den Überzug mit Transparentlack eine eindrucksvolle räumliche Wirkung. Morita, Mitbegründer der einflussreichen Bokujinkai-Gruppe, verband westliche Abstraktion mit der expressiven Tiefe der Schriftkunst. Das Werk ist auf der Rückseite signiert, datiert und mit Aufklebern versehen sowie im Originalrahmen erhalten, Schätzpreis: 15.000 bis 20.000 Euro.

Einer langen Tradition verbunden sind die japanischen Netsuke, Shunshōan Toyomasa ist einer der bedeutenden Meister dieser Kunst. Ein außergewöhnliches Stück von seiner Hand ist die große Schnecke aus Buchsbaum, signiert und datiert 1840. Die Kombination aus fein geriffeltem Schneckenhaus und plastisch ausgearbeiteter, genoppter Haut in ukibori-Technik erzeugt eine spannungsreiche Oberflächenwirkung. Das Werk ist eines von nur sechs bekannten Exemplaren dieses Motivs von Shunshōan Toyomasa und steht mit dem Schätzpreis von 22.000 bis 26.000 Euro an der Spitze des wie stets umfangreichen Angebotes an Netsuke.

Auktion Asiatische Kunst am 13. Juni bei Lempertz

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 1293: Asiatische Kunst

www.lempertz.com

Quelle: © Kunsthaus Lempertz

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