dem späteren König der Niederlande Wilhelm II.
Kassel, 1792, Meister Heinrich Wilhelm Kompff (1751-1825, Meister 1783)
Silber, getrieben, ziseliert, graviert. Glattes Dekor. Meistermarke "WK" umrandet (Kat. Kasseler Silber, S.325, Nr.110b), Beschauzeichen Kassel (verschlagen). H. ca. 21 cm. Ca. Ca. 501 g. |
Losnummer: 12
Die urnenförmige Taufkanne zeigt eine schlichte, frühe Empire-Form und Ornamentik, noch mit gebauchtem Korpus und ist von schlichter Eleganz. Über einem runden, abgetreppten, eingezogenem Standfuss mit gedrücktem Nodus erhebt sich der gebauchte glatte Korpus. Fuß-, Nodus- und Halsrand umziehen stilisierte Kymation-Friesbänder, den unteren Ansatz des Gefäßkörpers umgibt eine Manschette mit Palmetten. Der ohrenförmiger Henkel mit Akanthus-Blattwerk läuft am schnabelförmigen Ausguss in kleinen Voluten aus.
Diese Taufkanne ist ein einzigartiges Kunstobjekt von bedeutender Provenienz, großer geschichtlicher Bedeutung und historisch ein Beleg für die engen dynastischen Verbindungen zwischen dem niederländischen Königshaus, dem Fürstenhaus Sachsen-Weimar und dem Zarenhof von Russland.
Auf der Vorderseite das bekrönte, gravierte Monogramm "W" für Wilhelm von Oranien-Nassau, seit 1840 als Wilhelm II. König der Niederlande, Koning Willem II. (Den Haag 1792-1849 Tilburg) und wurde anlässlich seiner Taufe 1792 in der Groote Kerk in Den Haag angefertigt. 1811 wurde die Kanne bei der Taufe von Prinzessin Maria Luise Augusta Catherina von Sachsen-Weimar-Eisenach verwendet, die als spätere Gattin Wilhelms I. ab 1861 Königin von Preußen und nach der Reichsgründung 1871 die erste Deutsche Kaiserin war, die Kanne zeigt auf der rechten Seite ihr bekröntes Monogramm "A". Über ihre Mutter, der Großfürstin Maria Pawlowna war eng mit der Familie der russischen Zaren verwandt. Im Juni 1829 heiratete sie Prinz Wilhelm von Preußen. Das bekrönte Monogramm "C" auf der linken Seite steht für Prinz Carl Alexander Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, Sohn von Großherzog Carl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach und der russischen Zarentochter Maria Pawlowna, der 1818 getauft wurde.
Wilhelm II. König der Niederlande Als Sohn des Prinzen Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau, des späteren Königs Wilhelm I., und seiner Gemahlin Friederike Luise Wilhelmine von Preußen geboren. Er trug die Titel Prinz von Oranien-Nassau, Prinz von Oranien, Prinz der Niederlande. Im Zuge der französischen Besatzung wurde die Niederländische Republik in einen modernen Einheitsstaat, die Batavische Republik (1795-1806), umgewandelt und 1795 verließ Wilhelm mit seiner Statthalterfamilie die Niederlande und ging ins Exil nach England. Dort und in Berlin verbrachte er seine Jugend, während er in Oxford studierte und in englische Militärdienste eintrat. 1813, nachdem die Niederlande an das Haus Oranien zurückgefallen waren und sein Vater die Souveränität anerkannt hatte, kehrte er in das Heimatland zurück. Anfang 1814 ernannte ihn sein Vater zum Oberbefehlshaber der Armee. Als Kronprinz der Niederlande befehligte er 1815 das niederländische Heer und kämpfte er in der Schlacht von Waterloo unter Herzog von Wellington, er erhielt daraufhin den Titel "Held von Waterloo". 1816 heiratete er in Sankt Petersburg die russische Großfürstin Anna Pawlowna (1795-1865), Tochter des russischen Zaren Paul I. und der deutschen Prinzessin Sophie Dorothee von Württemberg. Ihre einzige Tochter Sophie von Oranien-Nassau heiratete 1842 in Den Haag ihren Cousin Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach, bei dessen Taufe 1818 in Weimar die Taufkanne ebenfalls verwendet worden war. Wilhelms Gattin Anna Pawlowna war eine Schwester seiner Mutter.
Ab 1840 war er als Wilhelm II. König der Niederlande, in Personalunion Großherzog von Luxemburg sowie Herzog von Limburg. Zeit seines Lebens hatte Wilhelm II. eine Vorliebe für die Stadt Tilburg (Noord-Brabant), wo er 1849 verstarb und in der er sich 1847 ein königliches Palais bauen ließ (heute das repräsentative Rathaus "Paleis-Raadhuis".
Das Haus Oranien-Nassau - die Oranier - zur historischen Verbindung zwischen dem Königreich der Niederlande und dem Haus Oranien
Das Adelsgeschlecht von Nassau-Hessen ist eng mit den Statthaltern der Niederlande verwandt, da die niederländischen Könige und Fürsten seit dem Haus Oranien-Nassau aus dem deutschen Haus Nassau stammen. Das Haus Oranien-Nassau entstand, als Wilhelm von Nassau die reichen niederländischen Besitzungen seines Onkels Erbherr von Chalon erbte. Das niederländische Königshaus geht direkt auf eine Linie der Grafen von Nassau zurück und die enge Verbindung zwischen dem Herzogtum Nassau und den Niederlanden reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Im 16. Jahrhundert trat Wilhelm der Schweiger von Nassau-Dillenburg, Fürst von Oranien, an die Spitze der niederländischen Unabhängigkeitsbewegung. Seither stellten die Nassau-Oranier die Statthalter der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen. Wilhelm III. von Oranien bestieg von 1689 bis 1702 zugleich den Thron von England, Schottland und Irland. Nachdem mit ihm die Ältere Nassau-Oranier-Linie 1702 ausgestorben war, stellte die Linie Nassau-Dietz als Jüngeres Haus Oranien ab 1747 die Erbstatthalter der Niederlande sowie ab 1814/15 die Könige der Niederlande. Marie Luise von Hessen-Kassel (Kassel 1688 - 1765 Leeuwarden) war eine Prinzessin von Hessen-Kassel und durch Heirat Fürstin von Nassau-Dietz und Prinzessin von Oranien. Marie Luise, von ihren Untertanen als "Marijke Meu" verehrt, war Statthalterin von Friesland, Groningen und Drenthe. Diese engen, familiären Verbindungen zwischen den Häusern Oranien und Hessen-Kassel erklären auch die Entstehung der Taufkanne des Kasseler Hof- Gold und Silberarbeiters Heinrich Wilhelm Kompff. 1801 wurde er zum Hofgoldschmied in Kassel unter den Kurfürsten Wilhelm I. und Wilhelm II. von Hessen-Kassel ernannt.
Ob es sich möglicherweise um ein repräsentatives Geschenk des namhaften Goldschmieds an den niederländischen Hof oder einen direkten Auftrag handelt, lässt sich nicht belegen. Vergleichbare Formen zeigen auch Kannen und Saucieren aus dem Pariser Silberservice König Jéromes von Westphalen, das von Heinrich Wilhelm Kompff ergänzt wurde.
Provenienz: Aus dem ehemaligen regierenden Deutschen Fürstenhaus Sachsen-Weimar-Eisenach.
Vgl. Reiner Neuhaus, Ekkehard Schmidberger, Kasseler Silber, Eurasburg 1998, Beschauzeichen Nr. 15, Meisterzeichen Nr. 110b.
Für Hinweise zur Historie sei Drs. André W.A. van der Goes gedankt.
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