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Martin van Meytens d. J. Werkstatt, Bildnis einer jungen Erzherzogin

Martin van Meytens d. J. Werkstatt, Bildnis einer jungen Erzherzogin

(Johanna Gabriela von Österreich?). Dreiviertelfigur nach rechts, den Kopf nach links gewandt. Öl auf Lwd. 84,5 x 67,5 cm. Doubliert. Rest. Rahmen (98,5 x 81 cm).

Losnummer: 450


Die junge Erzherzogin trägt in ihrer Perücke einen aufwändig gearbeiteten Haarstecker (Agraffe) mit vier pendelnden Diamanttropfen. Am Ohr ein Ohrgehänge mit drei Diamanttropfen. Die markante Agraffe und ein sehr ähnliches Ohrgehänge lassen sich auf einem Portät der bayerischen Kurfürstin und Kaiserin Maria Amalia (1701-1756), einer geborenen Erzherzogin von Österreich, nachweisen. Johann Gottfried Auerbach fertigte ein in Privatbesitz befindliches Staatsporträt der Kaiserin, auf welchem sie diese Schmuckstücke durch weiteren wertvollen Diamantschmuck ergänzt. Auch auf einem Bildnis ihrer Tochter, Prinzessin Theresia Benedicte von Bayern (1725-1743) glaubt man, die Agraffe wiederzuerkennen. Dieses wurde von George Desmarées kurz vor deren Ableben geschaffen. Es liegt nahe, in der Agraffe und den Ohrgehängen Teile jenes Schmuckes zu sehen, die Erzherzogin Maria Amalia 1722 zu ihrer Hochzeit geschenkt bekommen hatte. Und ebenso kann man vermuten, dass nach dem Tod von Prinzessin Theresia Benedicte der Schmuck wieder an das Haus Haus Habsburg zurückfiel.

Physiognomische Ähnlichkeiten mit anderen Bildnissen der früh verstorbenen Erzherzogin lassen uns zu dem Schluss kommen, dass es sich bei dem vorliegenden Porträt um eine Darstellung von Johanna Gabriela von Österreich (1750 Wien - 1762 ebenda) handeln könnte. Diese war das elfte Kind und die achte Tochter von Maria Theresia und ihrem Gemahl Kaiser Franz I. Stephan. Zeitgenössische Berichte beschreiben sie als besonders gutmütig, freundlich und am Kaiserhof sehr beliebt. Ab ihrem dritten Lebensjahr erhielt sie eine umfassende Ausbildung, die Fächer wie Latein, Fremdsprachen, Mathematik sowie Musik und Tanz umfasste. Eine besonders innige Beziehung pflegte sie zu ihrer ein Jahr jüngeren Schwester Maria Josepha (der späteren sächsischen Kurfürstin und Königin von Polen), mit der sie gemeinsam erzogen wurde und das Zimmer teilte.

Im Rahmen der heiratspolitischen Planungen Maria Theresias war Johanna Gabriele als Braut für König Ferdinand IV. von Neapel-Sizilien vorgesehen worden. Noch bevor die Vermählung stattfinden konnte, erkrankte die Erzherzogin im Dezember 1762 an den Pocken, sie verstarb einen Tag vor Heiligabend. Ihre Rolle als künftige Königin von Neapel wurde später von ihrer Schwester Maria Karolina übernommen.

Wir danken Dr. Georg Lechner, Wien, für seine freundliche Unterstützung im Rahmen der Katalogisierung.


Veranstaltungshinweise:

Am 24.06.2026 Auktion 421: Juni-Auktion - Alte Kunst, Moderne, Contemporary Art, Schmuck


Schätzpreis: 8.000 - 12.000  EURO

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