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Die letzte Neumeister-Auktion

Ernst Karl Georg Zimmermann, Ad profundum

Kunst der Extraklasse, nervenkitzelnde Bietgefechte zwischen Kunstliebhabern aus der ganzen Welt – online, am Telefon und im Auktionssaal. Dazu durchweg erfreuliche Ergebnisse: Bei den auf zwei Tage angesetzten Juni-Versteigerungen des Münchener Auktionshauses NEUMEISTER fanden sich trotz hochsommerlicher Temperaturen zahlreiche Kunstfreunde in der Barer Straße 37 ein: zunächst am 23. Juni zur Sonderauktion „Bierseelig“, dann am 24. Juni 2026 zur regulären Auktion. Ein bisschen Wehmut war dabei auch im Spiel, denn diese Juni-Versteigerungen waren die letzten NEUMEISTER-Auktionen vor der Einstellung des Geschäftsbetriebes am 31. Oktober 2026.

Sonderauktion „Bierseelig“

Im Rahmen der Sonderauktion „Bierseelig“ versteigerte NEUMEISTER am 23. Juni 2026 etwa 200 Objekte aus der Familiensammlung Sedlmayr und Direktionssammlung Spatenbräu. Wie sehr dieses Konvolut, das in Malerei und Kunsthandwerk mehrere Jahrhunderte Münchner Biertradition dokumentiert, Freunde kunstvoll verfeinerten Biergenusses interessierte, belegen die bemerkenswerten Ergebnisse.

Malerei

Für überschäumende Begeisterung sorgte zunächst die Malerei, allen voran „Herzog Wilhelm IV. von Bayern“ (LOT 1.000) von Hans Schöpfer d. Ä. (um 1505 -vor 1566). Das für € 26.000 versteigerte Ölgemälde zeigt den Herzog in prächtiger Kleidung mit pelzverbrämter Schaube über geschlitztem, mit Brokatstreifen besetztem Wams und Hemd, Goldketen und -kreuz. Was ihn berühmt machte: Am 23. April 1516 erließ Wilhelm IV. zusammen mit Herzog Ludwig X. auf dem Landständetag in Ingolstadt das Bayerische Reinheitsgebot, das die Zutaten für Bier auf Gerste, Hopfen und Wasser festlegte. Dieses Reinheitsgebot ist die weltweit älteste, heute noch gültige lebensmittelrechtliche Vorschrift.

Bierseelige Sujets jüngerer Epochen hielten die Auktion weiter süffisant im Fluss, so etwa die heitere „Wirtshausszene am Hoftheater“ (LOT 1003) von Ferdinand Leeke (1859-1937), die für € 10.400 einen neuen Besitzer fand.

Breites Interesse weckten auch Zeichnungen und Aquarelle mit idyllischen Biergartenszenen. Besonders umworben waren dabei Arbeiten von Franz Marx (1889-1960), Paul Eduard Crodel (1862–1928) und Fritz Osswald (1878-1966). Die Kohlezeichnung „In einem Biergarten“ (LOT 1001) von Max Liebermann (1847-1935) kam auf € 3.640 und Otto von Rupperts (1841-1912) Aquarell „Das Oktoberfest In München“ (LOT 1090) erzielte erfreuliche € 3.900, bei einer Taxe von € 400–600. Werke von Protagonisten der Malerfamilie Zimmermann stießen ebenfalls auf Zuspruch.

Krüge mit Geschichte

Durchweg gute bis sehr gute Ergebnisse erzielten die zahlreichen Bierkrüge des Konvoluts, darunter historische Fayence-Krüge, Zunftpokale sowie Holz-, Glas- und Zinnhumpen. Heftig umworben war ein großer Walzenkrug mit Sündenfall-Motiv (LOT 1111). Nach einem längeren Bietgefecht ging der Mitte des 18. Jahrhunderts in Nürnberg erstellte Fayence-Krug für € 4.940 nach Rheinland-Pfalz und vervielfachte damit seinen Schätzpreis, was möglicherweise auch an der besonderen Provenienz liegt. Das schöne Stück stammt aus dem Besitz Igo Levis, einem Nürnberger Unternehmer, der in den 1930er Jahren eine der besten Fayencesammlungen in Deutschland besaß. Seine Sammlung aus rund 465 Objekten wurde von den Nationalsozialisten beschlagnahmt, 1939 floh er aus Deutschland nach Luzern in die Schweiz. Nach dem Krieg baute er seine Sammlung an süddeutschen Fayencen erneut auf und konnte bis 1955 wieder rund 115 Stücke in seinen Besitz bringen. Nach seinem Tod vertrauten seine Erben die Sammlung Rudolf Neumeister an, der diese noch unter dem Firmennamen Weinmüller im Frühling 1962 versteigerte.

Die größte Steigerungsrate im beachtlichen Portfolio historischer Trinkgefäße erzielten zwei Messkrüge aus dem 19. Jahrhundert: Taxiert auf € 60-80, schossen sie auf € 2.080 in die Höhe. Mit exzellenten Steigerungsraten aufhorchen ließen überdies ein zinnerner Deckelpokal der Brauereizunft (LOT 1144, Ergebnis € 4.810), ein Glashumpen (LOT 1149, Ergebnis € 3.250) und der Walzenkrug „Vogel mit blauer Beere“ (LOT 1116, € 2.340).

Feines Porzellan

Im Rahmen der bierseeligen Sonderauktion wurden auch knapp 100 Figuren Nymphenburger Porzellans in unterschiedlich großen Konvoluten versteigert. Überflieger waren dabei elf Porzellanfiguren in Trachten nach Entwurf von Resl Schröder-Lechner und Theodor Kärner. Auf € 3.500-4.000 taxiert, erreichte das Grüppchen nach einem spannenden Bietgefecht einen Erlös von 14.950 Euro.

Gut zu wissen: 25 Paare von Braumeistern und Kellnerinnen werden bei NEUMEISTER weiterhin im Freiverkauf für 180 Euro pro Paar angeboten.

Reguläre Auktion – Alte Kunst

Eine Miniatur aus einem Evangeliar sorgte als erstes Los der Sparte „Alte Kunst“ für maximales Interesse. Dargestellt ist der Hl. Lukas, der die Madonna malt. Taxiert war das Werk auf € 500-600, am Ende ging es durch die Decke und wurde von einem Internetbieter aus Monaco für 26.600 Euro ersteigert.

Im Anschluss sollten weitere Altmeister für Furore sorgen. „Jakobs Reise von Labans Haus nach Kanaan“ (LOT 400) von Jan Erasmus Quellinus (1634-1715) erreichte € 26.000, eine Flusslandschaft von Johannes Lingelbach (1622-1674) € 32.500 und Johannes Boumans (1601-1658) Stillleben mit Früchten in einem Korb (LOT 435) € 28.600, womit es den Schätzpreis mehr als verdoppelte.

Dass Münchner Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts weiterhin Liebhaber findet, bewiesen „Der Waldsteg“ (LOT 482) des „NEUMEISTER-Hausheiligen“ Carl Spitzweg (1808-1885) mit einem Ergebnis von € 37.700 und Franz von Stucks (1863-1928) „Römerin“, die für € 41.000 nach Frankreich übersiedelt. In die USA wandert hingegen die „Karawane vor einer Moschee in Wüstenlandschaft“ (LOT 531). Das Gemälde von Wilhelm Kuhnert (1865-1926) wurde hoch gehandelt und kam am Ende für € 42.900 unter den Hammer, bei einem Schätzpreis von € 10.000-12.000.

Moderne

Im Bereich der Moderne überraschte die „Straße in Karlovo“ (LOT 602), ein Gemälde des bulgarischen Künstlers Nikola Tanev (1890-1962), der bereits zu Lebzeiten als Landschaftsmaler berühmt und hoch angesehen war. Die Stadtansichten von Karlovo, die er ab 1927 malte, nehmen einen wichtigen Platz in seinem Werk ein. Nach intensivem Bietgefecht wechselte Tanevs, in gleißendes Sonnenlicht getauchte Straßenszene für € 34.000 den Besitzer und vervielfachte damit ihren Schätzpreis (€ 6.000-8.000).

Alle Erwartungen übertraf auch das „Frühe Finish“ (LOT 603), ein Ölgemälde von Klaus Philipp (geb. 1932). Es zeigt, wie Jockeys mit ihren Pferden über den hellgrünen Rasen einer Rennbahn auf der Zielgerade galoppieren. Hier gingen mehrere Kunstfreunde an den Start, bis am Ende ein Bieter aus Niedersachsen das Rennen machte. Mit einem Erlös von € 6.200 wurde der Schätzpreis von € 2.000-2.500 mehr als verdoppelt.

Mit € 50.000 erreichte Emil Noldes „Winterlandschaft im Engadin“ (LOT 608), das Top-Ergebnis der Moderne. Emil Nolde (1867-1956) schuf das Aquarell im Frühjahr 1936 in Sils-Baselgia im Engadin. Mit seiner zarten weißblauen Farbgebung und den für den Künstler untypischem Sujet einer Berglandschaft nimmt es eine Ausnahmestellung im Schaffen Noldes ein – und genau deshalb dürfte ein Kunstkenner aus der Schweiz die Arbeit erworben haben.

Nobuyoshi Araki (geb. 1940) ist einer der erfolgreichsten Fotografen Japans. In seiner Heimat wird er vergöttert. Wie angesagt der Fotokünstler ist, belegen die Auktionsergebnisse seiner beiden Werke „Untiteld (Kaori mit Kimono). 2004“ (LOT 636, Ergebnis € 2.200) und „Ohne Titel (bondaged woman)“ (LOT 636, Ergebnis € 2.000).

Kunsthandwerk

21 Porzellanfiguren aus der „Affenkapelle“ sorgten als erstes Los gleich zu Beginn der Auktion beim Kunsthandwerk für einen Paukenschlag. Dass dieses von Johann Joachim Kaendler 1753 und später mit Modelleur Peter Reinicke überarbeitete Ensemble eine der beliebtesten und skurrilsten Klassiker des Meissener Barocks ist, zeigt der weit über dem Schätzpreis liegende Versteigerungserlös von € 13.000.

Stilvoll auf den Geschmack wird künftig der neue Besitzer des Speiseservices „La Siesta“ von Hermès (LOT 6) kommen. Für € 5.000 wurden 63 Teile erworben, mit denen zwölf Personen bewirtet werden können. Als Zierde jeder Tafel war auch italienisches Silber bei der Auktion angesagt, besonders eine große, Suppenterrine auf Presentoir mit Einsatz und Schöpfkelle von Guido Fiorentini (LOT 29, Erlös € 15.600) und eine große Früchteschale (LOT 30, Erlös: € 8.450). Und stilvoll anstoßen kann nun der neue Besitzer eines Augsburger Deckelhumpens aus dem 16. Jahrhundert (LOT 10, Ergebnis € 4.500).

Natürlich waren auch Skulpturen und Antiquitäten ein Thema: So gelangte die Skulptur „Hl. Johannes der Täufer“ (LOT 44A), die der Meister von Rabenden um 1515/20 schuf, für € 9.000 in andere Hände. Die Bronzefigur „Flora“ (LOT 61) von Richard Guino geht für € 3.900 nach Frankreich und ein Enconchado Kabinettschränkchen, das wohl im 18. Jahrhundert in Peru hergestellt wurde (LOT 67, Erlös € 6.000), ziert künftig ein Interieur in Spanien.

Schmuck

Großer Nachfrage erfreute sich, wie immer, der Schmuck. Angesagt waren diesmal vor allem Tiermotive, etwa eine Brosche in Form eines Hundes (LOT 301), die ein Bieter aus China für € 5.200 ersteigerte. International besonders stark umworben war eine Brosche in Form eines Elefanten mit Diamanten und Saphircabochon (LOT 303), die nach einem längeren Bietgefecht für 16.000 € – ein Vielfaches der Taxe – in die Schweiz ging. Weitere Top-Seller der Schmuck-Auktion waren ein Ring mit Smaragd und Diamanten (LOT 139, € 13.500) und eine Brosche in Form einer stilisierten Schleife mit Brillanten in Pavéfassung (LOT 317, € 5.000).

Die letzte Neumeister-Auktion

Nachdem NEUMEISTER-Chefin Katrin Stoll nach der Auktion am 24. Juni gegen 20 Uhr zum letzten Mal den Hammer geschwungen hatte, erinnerte sie in ihrer Abschiedsrede an die bewegte Geschichte des Auktionshauses und bedankte sich bei ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie allen Freunden des Hauses für ihre teils jahrzehntelange Loyalität bzw. Verbundenheit. Sie erläuterte, dass der Geschäftsbetrieb des Auktionshauses nun noch einige Monate weitergeht. Zunächst widme man sich vor allem dem Nachverkauf der Juni-Auktion, der noch drei Wochen läuft. Im September gibt es dann ein finales Schmankerl, denn dann überlässt NEUMEISTER seine Räumlichkeiten der Akademie der Bildenden Künste München. Vom 18. September bis 2. Oktober 2026 wird in der Barer Straße 37 die Debütanten-Ausstellung gezeigt. Die Vernissage ist am 17. September 2026. „Ich freue mich darauf, junge zeitgenössische Kunst im gewohnten Umfeld des Auktionshauses zu erleben. Das wird sicher eindrucksvoll und ein, wie ich finde, guter Schlussakkord, bevor NEUMEISTER seine Türen am 31. Oktober endgültig schließen wird“, so Katrin Stoll, die ihre Rede mit einem Zitat von Christian Morgenstern beschloss: „Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet. Je mehr jemand die Welt liebt, desto schöner wird er sie finden.“

Im Anschluss an die Auktionen am 23. und 24. Juni 2026 lud NEUMEISTER alle Anwesenden ein, gemeinsam auf das Leben, die Liebe zur Kunst und eine freudvolle Zukunft anzustoßen.

Veranstaltungen zum Bericht:
Bierseelig – 200 Objekte aus der Familiensammlung Sedlmayr und Direktionssammlung Spatenbräu
Auktion 421: Juni-Auktion - Alte Kunst, Moderne, Contemporary Art, Schmuck

Quelle: © Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

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