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Porzellan der Manufaktur Ludwigsburg – Lempertz versteigert die Sammlung Reinhard Jansen

Einzige bisher bekannte Gruppe von fünf Porzellanfiguren der Ludwigsburger „Französischen Komödie“, die Modelle Johann Wilhelm Götz zugeschrieben, um 1760

Die Manufaktur Ludwigsburg wurde 1758 als die jüngste der frühen deutschen Porzellanmanufakturen gegründet. Reinhard Jansen gelang es, die Geschichte dieser Manufaktur fast vollständig in seiner Sammlung abzubilden. Lempertz versteigert diese einmalige Zusammenstellung europäischer Kulturgeschichte in einer Online-Auktion vom 10. bis 22. September. Mit der Sammlung Jansen kommt eine weitere bedeutende Sammlung geschlossen zur Auktion im Kölner Traditionshaus Lempertz.

Ludwigsburg ist die jüngste der frühen deutschen Porzellanmanufakturen und eine der ambitioniertesten. 1758 durch Carl Eugen von Württemberg gegründet, was sie für ihn mehr als ein Prestigeprojekt: Eine fürstliche Residenz ohne eigene Porzellanmanufaktur war für ihn undenkbar. Bis 1824 entstanden hier Modelle von höchster Qualität, geschaffen von einigen der bedeutendsten Modelleure ihrer Zeit, darunter Joseph Nees, Johann Wilhelm Götz und Johann Christian Wilhelm Beyer, dessen Figuren durch ihre anatomisch präzise eingefangene Bewegung bestechen.

Dass gerade die Bewegung zu einem Leitmotiv der Ludwigsburger Manufaktur wurde ist kein Zufall: Carl Eugen baute zeitgleich mit der Porzellanmanufaktur auch das Ludwigsburg-Württembergische Ballett auf, ein zweiter, ebenso zentraler Teil seiner höfischen Repräsentation.

Tanz und Musik in Porzellan

Für die Darstellung von Tänzerinnen und Tänzern war vor allem Joseph Nees bekannt. Obwohl selbst taubstumm, gelangen ihm eindrucksvolle Figuren, die Bewegung zur Musik sichtbar werden lassen. Ein nach seinem Modell gefertigtes tanzendes Paar aus der Sammlung Jansen ist auf 3.000 bis 4.000 Euro geschätzt.

Noch bedeutender ist ein Werk von Johann Christian Friedrich Wilhelm Beyer: die sechsteilige Serie der „Großen Musiksoli“, die einzige bekannte und vollständig erhaltene Ausformung dieser Gruppe in Privatbesitz. Beyer, den Carl Eugen zunächst zum Studium nach Paris und später nach Rom schickte, wo er unter anderem Winckelmann begegnete, bevor er Modellmeister in Ludwigsburg wurde, gilt als einer der herausragenden Bildhauer der Manufaktur. Eine weitere Ausformung der Musiksoli-Gruppe befindet sich im Landesmuseum Württemberg, ein Beleg für den musealen Rang des Ludwigsburger Exemplars. Mit einem Schätzpreis von 30.000 bis 40.000 Euro ist die Serie der Musik-Soli eines der Top-Lose der Auktion.

Darüber hinaus schuf Beyer auch beliebte pastorale Figuren, Schäfer, Jäger, Fischer, die in der Sammlung Jansen mit Schätzpreisen zwischen 1.500 und 8.000 Euro vertreten sind. Nach seiner Ludwigsburger Zeit ging Beyer nach Wien, wo er zahlreiche Skulpturen für den Schlosspark Schönbrunn schuf.

Theater und höfischer Glanz

Während Beyer Modellmeister der Ludwigsburger Manufaktur war, arbeitete dort auch der wenige Jahre jüngere Johann Wilhelm Götz. Seine Entwürfe treten uns in der Geschichte der Manufaktur und damit auch in der Sammlung Jansen unter anderem in Gestalt der Gruppe von fünf Porzellanfiguren der „Französischen Komödie“ entgegen, eine weitere Umsetzung des Themas Theater durch die Ludwigsburger Manufaktur. Ebenfalls nach seinem Entwurf ist eines der prachtvollsten Stücke der Sammlung Jansen und der Manufaktur entstanden: Geformt in „weißem Gold“ huldigt der Apolloleuchter dem Gott des Lichts; in der Auktion wird er mit einem Schätzpreis von 4.000 bis 6.000 Euro angeboten.

Die Gärtnergruppe: Höhepunkt der Sammlung

Einen besonderen Höhepunkt bildet die Gärtnergruppe von Johann Christoph Haselmeyer. Das Motiv steht für einen Wendepunkt in der Kunstgeschichte: den Wandel des Gärtners vom Handwerker zum gestaltenden Künstler, der die Natur im Sinne menschlicher Vernunft formt. Zugleich ist es fester Bestandteil jener eskapistischen Gärtnerromantik, die bis in Marie-Antoinettes Hameau im Park von Versailles reicht.

Neben Meißen zählt Ludwigsburg zu den Manufakturen, deren Modelleure dieses Thema mit besonderer Naturnähe und körperlicher Präsenz umsetzten. Haselmeyers Figuren wirken dabei wie Portraits konkreter Personen, ein Echo seiner Vorgeschichte als Wachsbildner, spezialisiert auf Portraitkunst. Die Gärtnergruppe mit Vase aus der Sammlung Jansen ist die bislang einzige bekannte Ausformung dieses Werks und damit ein Objekt von musealem Rang. In der Auktion ist sie mit einem Schätzpreis von 10.000 bis 15.000 Euro angeboten.

Begleitet von einer Bibliothek auf Universitätsniveau

Ergänzt wird die Sammlung durch eine umfassende Fachbibliothek zum Ludwigsburger Porzellan, die in Umfang und Qualität wissenschaftlichen Ansprüchen genügt und ebenfalls Teil der Online-Auktion ist.

Veranstaltungen zum Bericht:
• Auktion 1309: Die Sammlung Dr. Reinhard Jansen – Kunstgewerbe Online

Quelle: © Kunsthaus Lempertz

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