Losnummer: 314
Meinte Henri Joly im Jahr 1908 noch, es handle sich bei diesem Netsuke um den Unsterblichen Koan (auch: Roko), zweifelte er im Behrens-Versteigerungskatalog von 1913 an seiner ursprünglichen Identifizierung dieser Gestalt und verwies auf eine Episode im „Kojiki“, in der Hikohohodemi in der Meeresenge zwischen Kyūshū und Honshū einen Fischer auf einer Schildkröte sichtete.
Im „Kojiki“ („Aufzeichnung alter Geschehnisse“, ca. 712) wird im Kapitel 44 folgende Begebenheit geschildert: Als der Clan von Hikohohodemi, besser bekannt unter seinem späteren Namen Jimmu Tenno, der mythologische erste japanische Kaiser, von Hyūga auf der Insel Kyūshu erobernd nach Osten zog, gelangte er mit seiner Flotte an die Meeresenge von Hayasui (heute besser bekannt as Hōyō). Hier sah Hikohohodemi eine Person, die vom Rücken einer Schildkröte aus fischte. Er fragte nach seinem Namen, und der Mann antwortete, er sei ein lokaler „irdischer kami“ (kunitsukami) mit umfassenden Kenntnissen der Meereswege und erklärte sich bereit, dem Clan zu dienen. Mittels einer Stange bzw. Ruder, die Hikohohodemi ihm entgegenstreckte, wurde der kami auf das Boot gezogen, weshalb er den Namen Saonetsuhiko („Stangenwurzelmann“) erhielt. Der Clan zog weiter, besiegte den Herrscher von Yamato und Hikohohodemi gründete sein Reich, mutmaßlich 660 v. Chr. Saonetsuhiko wurde seinerseits zum Ahnherrn der Provinzgouverneure und des Atai-Clans in der Provinz Yamato.
Während die Attribute des Fischers und die Schildkröte schlüssige Hinweise auf diesen kami sind, hat sich der Schnitzer offenbar die Freiheit erlaubt, die Stange bzw. das Ruder, mit dem Saonetsuhiko in das Boot gezogen wurde, in ein langes Drachenhorn umzusetzen.
Provenienz
Sammlung W. L. Behrens (1861—1913), Manchester, England, versteigert bei Glendining, London, 13.12.1913 (H. L. Joly, W. L. Behrens Collection, Part I, Netsuke, Reprint New York 1966, Nr. 768, Tafel XIV)
Sammlung Albert Brockhaus (1855—1921), Leipzig, erworben 1913 auf obiger Auktion; Brockhaus-Index-Karte Nr. 2222; versteigert bei Klefisch, Köln, 12.9.1992, Lot 313
Sammlung Frank Lapisch (1934-2002), erworben auf obiger Auktion
Literaturhinweise
Abgeb. in: Henri Joly, Legends in Japanese Art, (E.A 1908), Reprint London, S. 285
 |