Losnummer: 30
Die künstlerische Größe Pierre-Auguste Renoirs zeigt sich auch in den Porträts von Kindern. Mit dem Pinsel oder dem Zeichenstift hielt er ihren frischen Teint, ihre häufig molligen Körper und zuweilen noch unbeholfenen Bewegungen fest. Bei keinem anderen Sujet entwickelte Renoir eine solche Freude an der Wiedergabe des jeweiligen Spiels und des fröhlichen Zusammenseins. Das Gemälde „Coco mangeant sa soupe“ zeigt Renoirs dritten und jüngsten Sohn Claude, der 1901 geboren wurde. Das Porträt stellt ihn am Tisch sitzend in dem Augenblick dar, als er mit der rechten Hand seine Suppe löffelt. Den Kopf des vierjährigen Kindes malte er in nuancierten Tönen in Orange, Rot, Rosé und Beige mit einem lockeren, geradezu „zärtlichen“ Pinselstrich. Für den Oberkörper wählte er ebenfalls Rot und ein gebrochenes Weiß, so dass sich insgesamt eine warme Farbskala ergibt, die auch die Verbundenheit des Vaters mit seinem Sohn vermittelt. Es ist weniger die Individualität des Kindes gewesen, die den Maler angezogen hat, als seine zarte und lebendige Erscheinungsweise. „Coco mangeant sa soupe“ ist in jener weichen, fließenden Malweise ausgeführt, der Renoir sich seit Mitte der 1890er Jahre zugewandt hatte und die seine Gemälde so unverwechselbar macht.
Bei Vollendung des Bildes hielt sich der Maler aufgrund seiner rheumatischen Beschwerden überwiegend in seinem Haus in Cagnes-sur-Mer auf. Um 1905 erlebte Renoir aber auch große Erfolge, denn nicht nur die Pariser Galerie Durand-Ruel zeigte zwei umfangreiche Ausstellungen, auch Paul Cassirer präsentierte in Berlin seine Werke, von denen gleich drei von der Nationalgalerie erworben wurden.
Werkverzeichnis
Dauberville 3415
Provenienz
Ambroise Vollard, Paris; Privatsammlung Zürich (um 1930); Fine Arts Gallery of San Diego (März 1942, als Leihgabe aus Privatbesitz); Dalzell Hatfield Galleries, Los Angeles (1943-1949); Van Diemen-Lilienfeld Galleries, New York (1953, mit rückwärtigem Etikett); 1953 von Chapin und Mary Alexander Riley, Malibu/Worcester, dort erworben; 1991 als 1/3-Teilgeschenk von Chapin Riley ans Worcester Art Museum (Inv. Nr. 1991.238); 1997 als 2/3 Teilgeschenk an das Worcester Art Museum, MA
Literaturhinweise
Principales acquisitions des musées en 1992, in: Gazette des Beaux-Arts, 1993, S. 65
Ausstellung
Amsterdam 1930 (Stedelijk Museum), Vincent van Gogh en zijn Tijdgenooten, Kat. Nr. 269 (mit rückwärtigem Etikett); San Diego 1942 (Fine Arts Gallery); Los Angeles 1943 (Dalzell Hatfield Galleries), Renoir (1841-1919), Kat. Nr. 5; Los Angeles/New York 1949 (Dalzell Hatfield Galleries/Barbizon Plaza Hotel), A Superb Exhibition. Modern French Masters, S. 5 (mit rückwärtigem Etikett); Madrid/Bilbao 2016/2017 (Museo Thyssen-Bornemisza/Museo de Bellas Artes de Bilbao), Renoir: Intimidad, S. 149, Kat. Nr. 53, mit Farbabb.
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