Losnummer: 32
Der gemusterte Stoff, der in dem Werk von 1993 als Malgrund dient, stellt eine visuelle Ebene dar, die Polke durch seine malerischen Eingriffe verfremdet und transformiert. Dadurch erzeugt er eine dynamische Spannung zwischen der vorgegebenen Ordnung des Stoffmusters und der organischen, teils zufällig wirkenden Struktur seiner Lack- und Acrylüberlagerungen. „Dinge sehen wie sie sind, heißt immer auch die Dinge hinter den Dingen zu sehen. Sie bestehen nicht allein, sie setzen sich zusammen aus anderen Dingen, und zwar rekursiv und ad infinitum“. (Britta Schmitz, Zweigeteilt, in: Sigmar Polke, Die Drei Lügen der Malerei, Ausst.Kat. Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, Berlin 1997, o.S.). Ein zentrales Element in Polkes Schaffen ist der bewusste Einsatz von Rasterpunkten, wie sie in diesem Werk dominieren. Diese Technik verweist auf die Bildproduktion in Massenmedien, insbesondere auf die Reproduktionstechniken des Offsetdrucks und der Fotografie, die Polke immer wieder ironisch reflektiert. „Mir gefällt das technische Mittel, der Klischeecharakter des Rasters. Er läßt mich an Vervielfältigung und Reproduktion denken, was ja auch in engem Zusammenhang zum Nachmachen steht. Mir gefällt das Unpersönliche, Neutrale und Fabrizierte. Das Raster ist für mich ein System, ein Prinzip, eine Methode, Struktur. Es zerlegt, zerstreut, ordnet und macht alles gleich.“ (Sigmar Polke, in: Alibis, Sigmar Polke 1963-2010, Ausst.Kat. The Museum of Modern Art, New York, München 2014, S.59). Polke verbindet verschiedene Bildebenen und -techniken miteinander, die zwischen Abstraktion und Figuration oszillieren. Die unregelmäßigen weißen Linien und Formen, die sich über das Gemälde ziehen, erinnern an geologische Strukturen oder organisches Gewebe, die in einem spannungsvollen Dialog mit den präzisen Rasterpunkten stehen. Diese Überlagerung von chaotischen und kontrollierten Bildelementen verdeutlicht Polkes Interesse an dem Spannungsfeld von Ordnung und Zufall, von Logik und Chaos, von Klarheit und Unschärfe.
Zertifikat
Wir danken Michael Trier, Köln, für hilfreiche Hinweise.
Provenienz
Galerie Erhard Klein, Bonn; Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen
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