Losnummer: 35
„Grau. Es hat schlechthin keine Aussage, es löst weder Gefühle noch Assoziationen aus, es ist eigentlich weder sichtbar noch unsichtbar. Die Unscheinbarkeit macht es so geeignet zu vermitteln, zu veranschaulichen, und zwar in geradezu illusionistischer Weise gleich einem Foto. Und es ist wie keine andere Farbe geeignet, ,nichts' zu veranschaulichen.
Grau ist für mich die willkommene und einzig mögliche Entsprechung zu Indifferenz, Aussageverweigerung, Meinungslosigkeit, Gestaltlosigkeit. Weil aber Grau, genau wie Gestaltlosigkeit und so fort, nur als Idee wirklich sein kann, kann ich auch nur einen Farbton herstellen, der Grau meint, aber nicht ist. Das Bild ist dann die Mischung von Grau als Fiktion und Grau als sichtbarer proportionierter Farbfläche.
Abschließend noch: Mich fasziniert diese Art reduzierter Malerei ganz allgemein; weil ich glaube, dass sie voller Skrupel und mit großer Vorsicht eine Richtigkeit oder besser Verbindlichkeit von Malerei versucht, dass sie eine Qualität anstrebt, die zum Gültigen und Allgemeinen tendiert. Das scheint mir wichtig, angesichts einer bedenkenlosen, wuchernden Produktivität, die immer unverbindlicher wird.“
(Gerhard Richter, zit.nach: Gerhard Richter Text 1961 bis 2007, Schriften, Interviews, Briefe, Aus einem Brief an Edy de Wilde 23.2.1975, Köln 2008, S.92).
Zertifikat
Mit beiliegender Bestätigung von Dietmar Elger, Gerhard Richter Archiv, Dresden, vom 06.12.2017.
Provenienz
Galerie Fred Jahn, München (1972); Phillips, London, 04.10.2018, Lot 106; Galerie Thomas Zander, Köln; Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen
Ausstellung
Köln 2018/2019 (Galerie Zander), Gerhard Richter, Michael Schmidt, Die Farbe Grau, Ausst.Kat., S.59 mit Farbabb.
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