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Günther Uecker, Splitter, 1999

Günther Uecker, Splitter, 1999


Nägel und Farbe auf Leinwand auf Holz. Ca. 78 x 53 x 16 cm (hängend). Rückseitig auf dem Holz und der Leinwand signiert, datiert und betitelt 'Uecker 99 Splitter Uecker '99' sowie mit Richtungspfeilen. - Mit Atelierspuren.

Losnummer: 38


Günther Ueckers Werk erforscht Licht, Bewegung und Struktur, am bekanntesten durch seinen Einsatz von in Oberflächen eingeschlagenen Nägeln. Diese Nagelreliefs spielen mit Schatten und Wahrnehmung, um rhythmische, strukturierte Muster zu erzeugen.

Das hier gezeigte Werk Splitter aus dem Jahr 1999 unterscheidet sich von diesen früheren, rhythmischen Nagelungen. „Splitter“ bezeichnet ein Bruchstück oder Fragment, und tatsächlich setzt sich dieses Werk mit Fragmentierung und Bruch auseinander. Während seine früheren Arbeiten eher meditativ, regelmäßig und rhythmisch sind, ist dieses Werk chaotischer als kontrolliert, mit gesplitterten Holzstücken an den Rändern und Nägeln, die unregelmäßig auf das Holz genagelt und mit weißer Farbe überzogen sind. Es entsteht ein starkes Gefühl von Bruch, Nachwirkung und ungelöster Spannung.

Ueckers Kunst ist nicht nur ästhetisch, sondern auch zutiefst reflektierend und behandelt häufig Themen wie Gewalt, Spiritualität und menschliche Verletzlichkeit. Den Splitter-Zyklus, bestehend aus zwölf Werken, schuf er als Reaktion auf den Kosovokrieg in den späten 1990er Jahren; die Arbeiten fungieren als Antikriegsmahnmale, die Zerstörung, Vertreibung und menschliches Leid zum Ausdruck bringen. Anstatt sich auf vergangene Traumata wie den Zweiten Weltkrieg zu beziehen, der sein früheres Schaffen maßgeblich prägte, kann diese Arbeit auch als zeitgenössische Reaktion verstanden werden, die ein Gefühl von Dringlichkeit und Unmittelbarkeit vermittelt.

„Also hier ist es ja so, daß ich sozusagen meine eigenen Werke zerschlagen habe, und auch vorher schon in vielen Werken sind Erscheinungsformen erkennbar, die mein Gefühl zum Ausdruck bringen, nämlich daß wir auch eine unalphabetische Dimension uns mitzuteilen haben, im Sinne von Eikon, das Bild, daß das Bild direkt auf die Seele wirkt, ein Phänomen, das wir auch aus der russisch-orthodoxen und griechisch-orthodoxen Kultur kennen. Es ist eine Erfahrung, die ich gemacht habe, zum Beispiel in der Sowjetunion, als sie noch bestand, weit im Hinterland des Ural, daß diese Bilder auf die Menschen mit einer Botschaft lebensbewahrenden Inhalts einwirken". (Günther Uecker, Entgrenzung, Vertreibung, Ausst.Kat. Galerie Edith Wahlandt, Stuttgart 1999, S.16)

Zertifikat
Dieses Werk ist im Uecker Archiv unter der Nummer GU.99.050.6 registriert und wird vorgemerkt für die Aufnahme in das entstehende Uecker-Werkverzeichnis.

Provenienz
Galerie Edith Wahlandt, Stuttgart; Privatsammlung, Baden-Württemberg

Ausstellung
Stuttgart 1999/2000 (Galerie Edith Wahlandt), Günther Uecker, Entgrenzung, Vertreibung, Ausst.Kat., S.40/41 mit Farbabb.


Veranstaltungshinweise:

Am 05.06.2026 Auktion 1291: Evening Sale - Moderne und Zeitgenössische Kunst


Schätzpreis: 100.000 - 150.000  EURO

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