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Sonderauktion Sammlung Faußner

Oberrheinischer Meister, Der Tod Mariens, 1. Viertel 16. Jahrhundert

Am 8. Mai versteigerte das Kunstauktionshaus NEUMEISTER die süddeutsche Privatsammlung von Hans Constantin Faußner, die über drei Generationen von der in Rosenheim ansässigen Familie zusammengetragen wurde. Das Portfolio der Auktion umfasste neben zum Teil hochkarätigen Skulpturen und Altmeistergemälden insbesondere Kunstwerke, die in München und im ländlichen Oberbayern, vor allem am Chiemsee, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden sind. Einige dieser in der Tradition der Münchner Schule stehenden Künstler waren über Jahrzehnte der Familie Faußner eng verbunden.

Alte Kunst

Die Auktion begann mit einem Bietgefecht um drei wohl um 1540/50 in Nürnberg entstandene Ofenkacheln (LOT 1, Schätzpreis € 600-800). Die Sammlerstücke riefen diverse Interessenten auf den Plan, die die Taxe auf € 4.290 verfünffachten. Von den mittelalterlichen Skulpturen war der „Hl. Martin“ (LOT 17, Schätzpreis € 3.000-4.000) besonders gefragt, vermutlich wegen seiner schönen alten Farbfassung. Die fast 100 cm hohe Figur ging für € 11.700 an einen Händler. Auch um den „Hl. Sebastian“ (LOT 16, Schätzpreis € 2.500-3.000) bemühten sich mehrere Bieter. Ein Auktionsteilnehmer im Saal ersteigerte ihn für € 7.150.

Das einzige Möbel in der Auktion, war ein repräsentativer barocker Aufsatzschreibschrank (LOT 39, Schätzpreis € 20.000-30.000) mit Marketerie, der wohl um 1745 im Umkreis der Werkstatt von Carl Maximilian Mattern gefertigt wurde. Das singuläre Stück brachte ein Ergebnis von € 31.200.
Als die Altmeistergemälde aufgerufen wurden, war der Saal nahezu voll besetzt. Das begehrte Werk „Die hl. Drei Könige“ (LOT 42, Schätzpreis € 4.000-4.500) des Meisters der Blaubeurer Kreuzigung sicherte sich ein Telefonbieter aus der Schweiz für € 24.700. Gleich darauf rangen mehrere Liebhaber alter Malerei um die Komposition „Tod Mariens“ von der Hand eines oberrheinischen Meisters aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts (LOT 43, Schätzpreis € 20.000-25.000). Einem Händler war das von Rot- und Grüntönen beherrschte Bild, das vielleicht einmal Teil eines größeren Flügelaltars war, € 78.000 wert.

Moderne

Der Künstler Arthur Kampf war ein Mitglied der Düsseldorfer Maler-Schule um 1900. Seine bevorzugten Sujets waren große Historienbilder und Genreszenen in der Tradition Adolph von Menzels. Sein Gemälde „Der Kenner“ (LOT 67, Schätzpreis € 2.000-3.000) wurde heftig umworben und wechselte für € 10.400 den Besitzer. Überraschend groß war das Interesse an einem „Herrenporträt“ (LOT 74, Schätzpreis € 500-600) von Albert Weisgerber, der mit nur 37 Jahren im Ersten Weltkrieg in Flandern fiel. Das Bildnis, das vermutlich den Schwiegervater des Künstlers darstellt, verzehnfachte seinen Schätzpreis auf € 5.850. Der „Sitzende weibliche Akt“ (LOT 75, Schätzpreis € 3.000-4.000) von Albert von Keller entstand zu einer Schaffensphase, als Frauenakte zu den Hauptmotiven des Malers zählten. Ein Bieter aus Österreich setzte sich gegen mehrere Mitbewerber durch und muss € 9.100 zahlen.

Die neun Arbeiten von Hermann Groeber wurden bis auf eine Kohlezeichnung alle verkauft. Besonders begehrt war das spannungsvoll ins Bild gesetzte Porträt „Mädchen mit Spiegel“ (LOT 94, Schätzpreis € 1.200-1.500), das € 5.850 einbrachte.

Der aus einer Bauernfamilie stammende Thomas Baumgartner erzielte mit seinen Bildnissen bereits als junger Künstler große Erfolge. Seine Arbeiten wurden auch von den NS-Machthabern geschätzt, unter anderem war er 1941 bei der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ präsent. Er profitierte von der NS-Zeit, doch vermittelt keines seiner Werke propagandistische Inhalte nationalsozialistischer Ideologie. Stattdessen blieb er seinem Repertoire treu mit den gleichen Themen und Motiven, die er schon in den 1920er Jahren in München ausgestellt hatte. Die insgesamt 31 auf der Auktion angebotenen Gemälde von seiner Hand fanden reißenden Absatz. Nur eines seiner Bilder ging zurück, alle anderen Werke kamen in neue Hände, und zwar teilweise für ein Vielfaches ihrer Taxe. Besonders groß war das Interesse an Baumgartners Porträt seines Künstlerkollegen Joseph Wopfner (LOT 109, Schätzpreis € 400-450). Bieter an den Telefonen, online und im Saal trieben den Preis für das Brustbild des österreichischen Landschaftsmalers auf das Zehnfache der Taxe und € 4.550. Auch das ungewöhnliche Gruppenbild „Der Bucklige“ (LOT 110, Schätzpreis € 3.000-4.000) war sehr gefragt, der neue Besitzer erhielt es für € 9.750. Für das reizende „Bildnis eines Jungen“ (LOT 108, Schätzpreis € 400-450) wurden € 2.080 fällig.

Die Werke von Thomas Baumgartner wurden keineswegs nur nach Süddeutschland verkauft. Die schöne „Spanische Dame in Tracht“ (LOT 105, Schätzpreis € 2.000-3.000) ging für € 5.850 nach Florenz. Das Bildnis seiner Frau Carola (LOT 113, Schätzpreis € 1.500-1.800) ergatterte für € 5.850 ein Online-Bieter aus London. Auch das wunderbare „Selbstbildnis“ in dem sich der Künstler selbstbewusst und lässig an eine Staffelei gelehnt im hellblauen Malerkittel präsentiert (LOT 114, Schätzpreis € 2.500-3.000), wird nach London verschickt. Es erzielte ein Ergebnis von € 13.000.

Constantin Gerhardinger gehörte zu den Großverdienern der „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ in München. Hitler und Goebbels erwarben mehrere seiner Gemälde, doch der Künstler bezog weder für noch gegen das System eine klare Haltung. Gerhardinger stand über Jahrzehnte mit der Familie Faußner in enger Verbindung. Von ihm wurden in der Auktion Stadtszenen aus München, Landschaftsbilder, Stillleben und Porträts angeboten. Das Gemälde „Inneres der Asamkirche“ (LOT 131, Schätzpreis € 600-700) wurde für € 1.560 versteigert, das stimmungsvolle Motiv „Auf der Fraueninsel“ (LOT 137, Schätzpreis € 1.500-1.800) für € 3.120. Das Stillleben „Rosen“ (LOT 139, Schätzpreis € 1.000-1.200) brachte € 2.860.

Ein Konvolut von 50 Gemälden der Sammlung Faußner stammte von Paul Mathias Padua, die meisten davon waren marktfrisch, da sie aus dem unmittelbaren Umkreis der Familie des Künstlers erworben wurden. Padua avancierte in der NS-Zeit zu einem der angesehensten Maler und schuf zwischen 1933 und 1943 einige bekannte Bilder der deutschen NS-Propagandakunst. Handelte es sich auch nur um wenige Stücke, so werfen diese dennoch einen Schatten auf das Vermächtnis des Künstlers.

Zu den heute immer noch besonders faszinierenden Werken Paduas zählen seine Porträts, in denen er geschickt die Sehgewohnheiten der Betrachter irritiert. Ein anschauliches Beispiel ist das auf Bildnisse des Renaissance-Künstlers Hans Holbein d. J. anspielende Porträt einer „Dame im Pelz mit Totenschädel“ (LOT 175, Schätzpreis € 2.500-3.000), für das es schon im Vorfeld der Auktion mehrere Interessenten gab. Der neue Eigentümer ließ sich die Erwerbung € 11.700 kosten. Auch die „Dame in schwarzer Robe mit entblößter Brust“ (LOT 192, Schätzpreis € 1.500-1.800) war begehrt und brachte € 4.940.

Das kleinformatige „Selbstporträt“ (LOT 194, Schätzpreis € 1.000-1.200) schuf Padua 1929 im Alter von 26 Jahren. Der Kopf scheint unmittelbar an den vorderen Bildrand gerückt, während der Blick des Künstlers herausfordernd auf den Betrachter gerichtet ist. Einem Bieter aus London war das persönliche und zugleich suggestive Selbstzeugnis € 11.050 wert. Erstaunliche € 10.010 erzielte das „Bauernmädchen“ (LOT 207, Schätzpreis € 800-1.000), das seine Taxe verzehnfachte.

Willi Geiger schuf den „Heiligen Sebastian“ (LOT 243, Schätzpreis € 6.000-8000) 1914 vermutlich in seiner Berliner Zeit, in der er unter anderem mit Max Beckmann befreundet war und bereits vor allem als Grafiker und Illustrator Erfolg hatte. Die großformatige Darstellung des Märtyrers hat wohl einige stark berührt, das Bild sicherte sich ein Bieter aus dem Rheinland für € 14.300.
Viel Interesse bestand an den drei Werken von Arnold Balwé, der als Sohn eines Diplomaten seine Jugend in Südafrika verbrachte. In der NS-Zeit wurden seine in kräftigen Farben mit pastosem Pinselstrich ausgeführten Arbeiten mehrfach beschlagnahmt. Beim „Sonnenuntergang am Chiemsee“ (LOT 253, Schätzpreis € 3.000-4.000) machte ein Kölner das Rennen und übertrumpfte mit € 14.300 seinen Unterbieter. Der „Strauß an Pfingsten“ (LOT 254 A, Schätzpreis € 2.000-3.000) von Balwé kletterte auf € 5.200.

Für Erstaunen sorgte ein Kunstliebhaber aus den Niederlanden, der bereit war, für das auf € 200-300 geschätzte „Männerbildnis mit Hut und gelbem Schal“ (LOT 298) 3.380 € anzulegen.

Podiumsgespräch „Verdrängen, deponieren, ausstellen, verkaufen? Zum Umgang mit Kunst aus der Zeit des Nationalsozialismus“

Mehrere Künstler, deren Arbeiten bei der Faußner-Sonderauktion versteigert wurden, waren Nutznießer des NS-Regimes. Auch wenn die meisten ihrer zum Aufruf gekommenen Werke vor 1933 geschaffen wurden, lenkte NEUMEISTER mit dem zur Auktion herausgegebenen Magazin den Blick auf die Frage, wie Handel, Museen und Forschung mit Kunstwerken und Künstlern aus der Zeit des Nationalsozialismus umgehen. Zusätzlich veranstaltete NEUMEISTER am 30. April 2024 ein Podiumsgespräch mit dem Titel „Verdrängen, deponieren, ausstellen, verkaufen? Zum Umgang mit Kunst aus der Zeit des Nationalsozialismus". Etwa 80 Besucher verfolgten die Diskussion der Experten Dr. Karin Althaus (stellvertretende Direktorin der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, Leiterin Sammlungen, Ausstellungen und Forschung), Prof. Dr. Bernhard Maaz (Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen) und Felix Steffan (Kunsthistoriker mit Forschungsschwerpunkt Kunst und Kulturpolitik in der NS-Zeit) die von Prof. Dr. Christian Fuhrmeister (Zentralinstitut für Kunstgeschichte/LMU München) moderiert wurde. Die Experten forderten eine stärkere Auseinandersetzung mit Kunst aus der NS-Zeit, die nicht nur in historischen Museen, auch in Kunstmuseen – kritisch kommentiert und eingeordnet – gezeigt werden sollte. Diese Ansicht wurde auch durch Kommentare aus dem Publikum bestärkt. Dringlich sei vor allem eine systematische Erforschung der Kunst und des Kunstmarktes der NS-Zeit. Dabei müssen nicht nur die Werke, die Biographien und die politische Haltung der Künstler untersucht, sondern auch ihr Handlungsspielraum und der von Museumsleuten der NS-Zeit beleuchtet werden. Beklagt wurde die fehlende Digitalisierung wichtiger Quellen, die die Recherchen in diesem Gebiet erschwert. Sie würde die wissenschaftliche Arbeit maßgeblich erleichtern.

NEUMEISTER-Chefin Katrin Stoll verdeutlichte ihre Position: "Gerade in Krisenzeiten ist ein transparenter und offener Umgang mit dem düstersten Kapitel deutscher Geschichte wichtig. Daher hat sich NEUMEISTER insbesondere mit der Faußner-Auktion, die Einblicke in die Zeit und ihren Kunstgeschmack gab, und der Podiumsdiskussion aktiv am offenen Diskurs und der kritischen Aufarbeitung der Rolle von Künstlern in der NS-Zeit beteiligt. Leider wird das Thema – im Gegensatz zum Ausland – in deutschen Museen meist verdrängt und auch von den Medien kaum aufgegriffen. Weil sich das ändern sollte, habe ich den kunsthistorischen Diskurs ihm Rahmen der Faußner-Auktion ganz bewusst in eine erweiterte Öffentlichkeit getragen, anstatt sie im Dunklen möglicherweise einer eigenen Dynamik zu überlassen.“

Veranstaltungen zum Bericht:
Sonderauktion 933: Sammlung Faußner

Quelle: © Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

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