Losnummer: 8291
Das Bildnis der blonden Dame im Halbprofil entstand vermutlich auf der Nordseeinsel Sylt, wo sich Emil Nolde vom Spätsommer bis Herbst 1930 aufhielt, um Ruhe zum Malen zu finden, da sein Wohn- und Atelierhaus auf der Warft Seebüll renoviert werden musste. Die Küste vor Sylt war Emil Noldes Heimat und Inspiration. Auf Sylt wohnte er im Haus Kliffende, dessen Besitzerin Clara Tiedemann ebenfalls Malerin war und ihm so einen eigenen Atelierraum zur Verfügung stellen konnte. Zu seinen Mitbewohnern gehörte u.a. auch Renée Sintenis. Nolde malte Portraits von Freunden und von Gästen der Pension, wobei vermutlich auch das vorliegende Aquarell der Dame mit leuchtend blondem Bobschnitt und rot karierter Bluse entstand. Mit aufgestütztem Arm und seitlich geneigtem Kopf posiert die Dargestellte in anmutiger Haltung für den Maler. Die kraftvollen Primärfarben Rot, Blau und Gelb dominieren das Portrait und verstärken die intensiv leuchtende Wirkung der Arbeit. Nolde widmete sich in allen Schaffensphasen dem Motiv der Frau. Das Spektrum seiner Darstellungen reicht vom klassischen Frauenportrait bis zur religiösen Verklärung der Frau als verruchtes Weib, als Heilige und Hure und macht damit die Ambivalenz seines eigenen Frauenbildes deutlich.
Laut Auskunft von Herrn Prof. Dr. Manfred Reuther war ihm die Arbeit bereits in den 1970er Jahren bekannt. Eine Expertise wird nachgereicht.
Provenienz: Privatsammlung Nordrhein-Westfalen
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