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Projektraum: ADAM ADACH

vom 23.04.2005 bis 04.06.2005

Galerie nächst St. Stephan - Rosemarie Schwarzwälder

Grünangergasse 1/2

AT-1010 Wien

Telefon: +43 (0)1 512 126 6

Telefax: +43 (0)1 513 430 7

E-Mail: galerie@schwarzwaelder.at

URL: www.schwarzwaelder.at

Weitere Informationen: www.schwarzwaelder.at

Weitere Infos:

ADAM ADACH Birke

Den unter dem Namen des Baums "Birke" versammelten Bildern liegt die Idee der Montage und Collage von Sujets und Erinnerungen sowohl des Betrachters wie des Künstlers zugrunde. "Die Einbildungskraft ist auch ein politisches Vermögen", schreibt Georges Didi-Huberman in L’Images malgré tout. "Die Einbildungskraft liefert nicht die Verhältnismäßigkeit des Ereignisses. Sie arbeitet inmitten des Missverhältnisses von Erfahrung und ihrer Erzählung."



"Birke" (2004, Öl auf Leinwand, 130 x 195 cm)
Dieses Bild transportiert Kindheits- und Jugenderinnerungen. Es evoziert einen Wald in Westpolen, wo meine Eltern leben. Die Birke ist dort sehr verbreitet. Für manche ist sie gleichbedeutend mit Nostalgie, ja sogar Kitsch. Für mich, der mit 5 Jahren begonnen hat, Deutsch zu lernen, überlagerte sie sich durch Gleichklang mit dem Konzentrationslager Birkenau, von dem ich in der Schule im Geschichtsunterricht unter dem kommunistischen Regime hörte. Über die Jahre habe ich mir eine Identität zurechtgelegt, die stark mit den Wäldern verbunden ist. Ich mochte es, die Baumstämme mit meinen Armen zu umfassen und meine Stirn gegen ihre organische Rauheit zu drücken. In meinem Bild durchdringen der Baum mit seiner weißen Rinde und das kalte, verblassende Licht sich gegenseitig, wie eine Pfütze mit schmelzendem Schnee.



"Heart of Silesia" (2004, Öl auf Hartfaser, 50 x 65 cm)
In den Siebziger Jahren. Eine andere Geschichte. Eine Gruppe Jugendlicher sitzt auf der Terrasse eines Schwimmbads. Diese alltägliche, leicht erotische Szene spielt in Kattowitz.



"Untitled (Treblinka)" (2003-2004, Öl auf Leinwand, 115 x 162 cm)
Am 28. September 2004, meinem Geburtstag, war ich zum ersten Mal in Treblinka. Die Champignons, die Knollenblätterpilze und die Farne lieben die Sonne, die durch den dichten Baumbestand gefiltert wird. Über Stunden verlor ich mich im riesigen Wald, bevor ich auf die Spuren des Vernichtungslagers stieß. Der Wald, im Verlauf der Jahrzehnte gewachsen, war von den Nazis selbst, zum Zeitpunkt, als der Ort liquidiert wurde, gepflanzt worden, um dessen Existenz zu verbergen. Hie und da im Erdreich eingesunkene Ziegelsteine, Reste eines Kellers oder einer Mauer, ein Kontrollposten oder Gruben, die heute die von der Natur produzierte Feuchtigkeit auf sich ziehen. Und die Gedenkstätte, die nach dem Krieg errichtet worden war. An manchen Stellen gibt es Tafeln mit schlichten Informationen, die dazu dienen, sich die Anordnung der verschwundenen Infrastrukturen vorzustellen. Ich habe eine dieser Tafeln in schmutzigem Weiß gemalt. Claude Lanzman sagte, dass die Shoa kein Film über den Holocaust sei, kein Derivat, kein Produkt, sondern ein eigenständiges Ereignis. Mein Bild "Sans titre (Treblinka)" ist keine Ableitung, sondern ein bescheidener und persönlicher Befund des Ortes, wie er sich jetzt darstellt, dieses auf schmerzhafte Art einzigartigen unter den in der Vergangenheit verankerten Orten.
Dieses Bild ist auf einem früheren gemalt. Nun völlig übermalt, stellte "Syberia" eine Flugzeugturbine über einer Schneelandschaft dar, die ich fotografiert hatte, als ich über Sibirien flog. Der Effekt der Überlagerung beider Bilder ist kein gewolltes Palimpsest und zeugt auch nicht von einer gewollten Transparenz. Die Schwierigkeiten und Zufälle bei der künstlerischen Ausführung haben mich zu diesem Ergebnis geführt, und wenn ich davon spreche, dann deshalb, weil es eine starke metaphorische Kraft birgt.



"Touristenheim" (2004, Öl auf Leinwand, 75 x 90 cm)
Inspiriert von einem Berggasthof, transformiert dieses Bild ein touristisches Interieur in ein raueres Bild, das die ungemilderten Erinnerungen des kollektiven Gedächtnisses zu erforschen versucht.



"Parapet" (2004, Öl auf Hartfaser, 46 x 55 cm)
Sommer, zwei Frauen träumen am Fenster. Das Bild befindet sich in einem Album, das ich für 5 Zloty bei einem Straßenhändler im Viertel des ehemaligen Warschauer Ghettos gekauft habe. Ich weiß über die beiden Frauen nichts, aber sie sind in meine Einbildungskraft eingedrungen. Das Bild ist in zwei aufeinander folgenden Etappen erarbeitet: Das zuerst in Schwarz gemalte Bild ist mit einer Schicht durchscheinendem Gelb übermalt, die dem fotografischen Realismus eine poetische Oberfläche verleiht.

Adam Adach



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