Weitere Details:
Durch den plötzlichen Tod seines Vaters gezwungen, mußte Ludwig Deurer im Februar des Jahres 1844 nach Rom reisen, um dessen Nachlaß zu regeln. Vor dieser dritten und entscheidenden Rom-Reise war Deurers Berufung zum Maler durch seine Anstellung in dem familiären Betrieb zum Erliegen gekommen. Die enge des verbürgerlichten Lebens nahmen ihm die Kraft zur Kunst. Erst die Begegnung mit seiner zukünftigen Frau Antonie Hout ließ in ihm die Seelenfreuden des Malens wieder aufleben und die Rückkehr in die „Ewige Stadt“ 1844 entlohnte ihn vollends für seine Sehnsucht. „Dann nur du wahres, herrliches Leben, wo ich mich zu fühlen anfang ein eigene selbständige Kraft! Nach acht Jahren der Entbehrung bringt dies Wiedersehen alle diese Gedanken aufs Neue vor meine Seele!“11 Hier entstand das vorliegende Aquarell mit dem weiten Blick auf Rom. Das Blatt verbildlicht die oben erwähnte Befreiung durch einen kraft- und schwungvollen Strich, gepaart mit einer im Vordergrund summarisch angelegten Schraffur. Trotz des vermeintlichen Kontrastes der bewegten und wogenden Natur und der strengen kubischen Architektur gelingt es Deurer hier, beides als Einheit darzustellen. Der Wildheit und Formenvielfalt im Wald entspricht die Farbgebung der Gebäude. Hierdurch gelingt es ihm eine atmosphärisch lebendige Landschaft zu gestalten, die zum singulären Bildinhalt geriet. Ludwig Deurer erfaßt die Landschaft mit den Augen eines Versunkenen, in der Landschaft völlig aufgehenden Künstlers, der seine Bestimmung gefunden hat. Doch trotz dieser neuen „Kraft“, die er in Rom fand, war sich Ludwig Deurer bewußt, daß sein Aufenthalt nur eine Heilung auf Zeit war und daß ihm wohlmöglich nicht noch ein viertes Mal das Glück vergönnt sein würde in das Land seiner Verheißungen zurückzukehren. So schrieb er schwermütig an den Schwiegervater: „Es ist der Gedanke und die Überzeugung mich hier noch mehr ausbilden zu können, als Künstler, Rom zu benutzen… Hier fände ich dazu alles – alles vereinigt, aber ich muß fort – und wahrscheinlich auf nimmer Wiederkommen!“12 Er sollte Recht behalten. Bereits im Sommer 1845 zwangen ihn die Umstände im Heimatland zu einer schnellen Rückkehr und mit dem Wiedereintritt in das ihm verhaßte Geschäft erstarben auch die in Rom kühn gefaßten Pläne zur ausschließlichen Hinwendung zur Kunst und mit seinem nun endgültig unerreichbar gewordenen Lebenstraum starb auch er im Jahre 1847. |