
Der 1949 in Modena geborene Wainer Vaccari wurde mit Bildern bekannt, in denen seltsam anmutende Figuren eine unheimlich-schöne Traumwelt bevölkerten. Von einer hintergründigen Erotik durchströmt, kreisten seine surreal wirkenden Tafelbilder um Doppelgänger und Spiegelungen: verortet in eine mystisch-orgiastische Parallelwelt, die dem Rezipienten geheimnisvoll und triebhaft erscheint und in der die Protagonisten, wie in den Bildwelten Hieronymus Bosch, ihre Wünsche und Obsessionen zügellos ausleben.
Eva Karcher skizzierte 1988 in ihrem Katalogtext zur Ausstellung im Münchener Kunstverein über Wainer Vaccaris damaliges Oeuvre treffend, dass dieses in der Tradition des Manierismus wurzelt, "... wobei dieser hier nicht als Stilphase zwischen Hochrenaissance und Barock begriffen wird, sondern als philosophisches existenzielles Prinzip". In dieser 20jährigen Werkphase der Innen- und Traumwelten verwendete Vaccari bewusst traditionelle Maltechniken, die den Einfluss ihrer kunsthistorischen Vorbilder nicht leugnen.
Besonders in der Malerei des 19. Jahrhunderts, dem Schmelztiegel für die Auseinandersetzung über die Beziehung zwischen Traum und Wirklichkeit schlechthin, fand Vaccari seine Wurzeln, insbesondere das intensive Studium des Werkes von Arnold Böcklin diente ihm als Zitatenschatz. Aber auch in der Bildwelt des Surrealismus fand er Anregungsmaterial für seine eigene Bildsprache.
Seine Arbeiten der letzten vier bis fünf Jahre vollziehen den Schritt in die äußere Welt hinein. Vaccari reagiert damit künstlerisch auf die gesellschaftlichen Veränderungen in der euro-amerikanischen Hemisphäre. Die Entwicklung von einer Industrie- zu einer Mediengesellschaft hat sich auch in Vaccaris Tafelbildern vollzogen. Wainer Vaccari ist sich der manipulatorischen Möglichkeiten unserer digitalisierten Welt mit ihrer einhergehenden visuellen Reizüberflutung sehr bewusst. Und so scheint die Bildsprache der jüngeren Gemälde, trotz ihrer klareren, lichteren und einfacheren Struktur, eine verpixelte zu sein.
Der malerische Gestus ist viel stärker erkennbar und das Dunkle ist aus den Bildern verbannt. Die neuen Arbeiten versprühen den Geist der Freiheit. Das drückt sich in einer Farbpalette aus, die leuchtender geworden ist und an die Stelle illusionistischer Tiefe sind abstrakte Zeichen und die sichtbare Oberfläche getreten. Jeder Betrachter, der sich einen Blick auf Vaccaris bisheriges Werk gönnt, wird nicht nur in seinen jüngsten Arbeiten einige der weiblichen und männlichen Figuren wieder erkennen, sondern einen stringenten künstlerischen Weg von der inneren zur äußerlichen Wirklichkeit sehen.
Alexander Sairally
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